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Bastelideen für muslimische Kinder

Bastelideen gibt es ja haufenweise im Netz. Man muss nur ein paar Klicks tätigen und schon schwebt man im DIY-Himmel. Handelt es sich aber um Bastelideen speziell für muslimische Kinder, zB zum Ramadan, fällt die Auswahl viel kleiner aus. Eine muslimische Mama aus Deutschland macht dem ein Ende und füllt die Marktlücke, aber Steffi war nicht immer Muslima....


1) Stell dich bitte kurz vor S:"Ich heiße Steffi, bin 35 Jahre und seit eineinhalb Jahren Mama von Zwillingen. Ich bin in Bayern geboren, aufgewachsen und bin noch nie umgezogen. Mein Mann stammt aus Somalia, lebt nun seit 7 Jahren in Deutschland und ist das Gegenteil von mir. Somalis sind ja traditionell eher Nomaden. Unsere Kinder wachsen mit zwei Kulturen und zwei Sprachen auf. So eine bikulturelle Familie kann zwar oft ganz schön anstrengend sein, ist aber immer auch eine Bereicherung für alle. Ich habe Sozialpädagogik studiert und arbeite mit Familien, in denen Alkoholabhängigkeit oder andere Suchterkrankungen eine Rolle spielen, momentan bin ich aber liebend gerne zu Hause in Elternzeit." 2) Wie bist du auf die Idee gekommen, „Aden.und.nuura“ ins Leben zu rufen? S:" Ich war schon immer gerne kreativ, mir fehlte aber meist die Zeit und vor allem der Sinn dahinter. Mit der Geburt meiner Kinder hat sich das langsam geändert. Ich bin erst vor einigen Jahren zum Islam konvertiert, meine Kindheitserinnerungen sind ausschließlich christlich geprägt. Ich erinnere mich gerne an die schöne Gestaltung christlicher Feiertage, an Fensterbilder, Adventskränze und Osternester. Ich wünsche mir, dass meine Kinder später ebenfalls auf solche Erinnerungen zurückgreifen können und versuche deshalb unsere Religion auch auf kreative und spielerische Weise in unseren Familienalltag einzubinden. Damit lerne auch ich unglaublich viel Neues und so profitieren wir eigentlich als gesamte Familie davon. Mit Aden & Nuura auf Instagram wollten wir auch andere Familie daran teilhaben lassen, deshalb gibt es bei uns jede Menge Inspiration, einige Freebies und neuerdings auch einen kleinen Etsy-Shop." 3) Du machst islamische Motive, Bastelideen und Beschäftigungen für Kinder, aber auf Deutsch. Bekommst du auch Anfeindungen und wenn ja, wie geht es dir damit? S:" Nein, die Reaktionen waren bisher tatsächlich durchweg positiv. Nur einmal flatterte eine Nachricht mit negativer Kritik rein. Grund dafür war, dass wir ja viele Materialien wiederverwenden und zum Beispiel mit altem Karton basteln. Der Absender fand es unpassend mit Müll islamische Motive zu basteln."

4) Erzähle mir mehr von der Entstehung und vor allem von der Entwicklung der „Aden.und.nuura“ - woher kommt zB der Name? S: "Aden & Nuura auf Instagram ist eigentlich die Idee meines Mannes. Bei uns zu Hause stapelten sich die DIY - Projekte, unsere eigenen Kinder sind mit eineinhalb Jahren für vieles noch zu klein, also meinte er, dass wir das alles einfach mal fotografieren und online stellen, damit andere auch davon profitieren können. Dass meine Ideen so gut ankommen hätte ich anfangs gar nicht gedacht. Aber vor allem freue ich mich ganz persönlich über den herzlichen Austausch in dieser tollen Community, in der ich da gelandet bin, teilweise ist es richtig freundschaftlich, obwohl man sich persönlich noch nie gesehen hat. Und der Name Aden & Nuura ist die somalische Version der Vornamen unserer Zwillinge Adam und Nura." 5) Für alle mehrsprachigen Familien, die hier mitlesen: Du bist ja Deutsche, zum Islam übergetreten, dein Mann hat somalische Wurzeln, verstehe ich das so richtig? Möchtest du euren Alltag mit uns teilen? Wie sprecht, esst und lebt ihr mit all diesem unterschiedlichem Kulturgut? S: "Das stimmt, mein Mann ist Somali und nun das siebte Jahr in Deutschland. Er stammt aus einer typisch somalischen Großfamilie und kommt aus einer Großstadt, während ich mit nur einer Schwester in einem bayerischen Dorf aufgewachsen bin. Zum Islam bin ich erst vor 3 Jahren konvertiert. Anfangs war es schon sehr schwierig, weil wir eigentlich fast keine Gemeinsamkeiten finden konnten. Ich denke, dass wir einen Punkt aber nicht besser hätten machen können, nämlich, dass wir alle wichtigen Themen, wie Religion, Heiraten, Familie, Kinder, etc. schon in den ersten Wochen nach unserem Kennenlernen besprochen und ausdiskutiert haben. Dafür gab es seitdem in diesen grundlegenden Dingen keine Überraschung mehr. Zuhause sprechen wir Deutsch und ich versuche Somali zu lernen. Adam und Nura sollen auf jeden Fall mit beiden Sprachen aufwachsen, weshalb mein Mann oft Somali mit ihnen spricht. Ansonsten ist unser Alltag wie der vieler Familien, mein Mann geht zur Arbeit, ich bin zuhause und kümmere mich um Kinder, Haus und Garten. Gekocht wird bei uns, wozu wir gerade Lust haben. Wir beide mögen viele Gerichte des jeweils anderen Landes. Aber was wir machen seit wir uns kennen: Egal was auf dem Speiseplan steht, wir essen immer von einem Teller, das ist typisch Somali." 6) Was ist das schönste Feedback, das du für deine Arbeit bekommen hast? S: "Ich habe ein Memory mit muslimischen und orientalischen Motiven gezeichnet, das gibt es als Freebie und es wurde in kurzer Zeit über 300 Mal angefragt. Ich hatte nicht mehr als 10 Interessenten erwartet, also war das schon eine tolle Rückmeldung." 7) Was ist deine Vision, wohin soll dich deine Arbeit führen und was möchtest du damit erreichen? S: "Ich muss zugeben, hauptsächlich mache ich es für mich persönlich. Ich freue mich unglaublich über den Austausch mit anderen muslimischen Frauen, weil mir das im echten Leben wirklich fehlt. Es sind so schöne Kontakte entstanden, worüber ich wirklich sehr froh bin und woran ich anfangs nicht einmal gedacht habe. Aber natürlich wäre es ein Traum, wenn man von seinem ‚Hobby‘ auch leben könnte. Bisher waren all unsere Vorlagen und DIY kostenlos, da hatten wir jede Menge Anfragen und das wird es natürlich auch weiterhin regelmäßig geben. Zusätzlich haben wir seit Kurzem einen kleinen Etsy-Shop, dort bieten wir muslimische Stempel an und einige weitere Produkte für Kinder sind schon in Planung. Da sind wir gespannt, inshallah reicht es irgendwann zu einem kleinen Taschengeld." 8) Wie hat dich deine Arbeit verändert? S: " Ich fühle mich seit dem ich den Instagramaccount habe tatsächlich viel mehr zugehörig. Vorher war der einzige Muslim in meinem Leben mein Mann, da fehlte einfach der Austausch mit anderen Frauen. Viele bzw. fast alle Themen werden von meinem langjährigen christlichen Freundinnen völlig anders gesehen. Und während diese das total interessant finden, ist es für mich oft eher deprimierend, weil ich mich nicht verstanden fühle. Deshalb ist Aden & Nuura für mich viel mehr als einfach nur ein Bastel-Account."