• Rena Föhr

Dein feministischer Zyklus-Guide

Eigentlich ist es doch ganz einfach: Man blutet ein paar Tage im Monat, schaut welche Hygieneartikel man dafür verwenden möchte und gut ist. Ja, bei vielen Frauen sorgt es für Schmerzen, der Zervixschleim macht sich an manchen Tagen auch bemerkbarer als an anderen, aber was soll das schon heißen? Das ist doch normal. Ist es das wirklich? Genau das werden wir mit Zyklus-Expertin Rena Föhr genauer unter die Lupe nehmen.


1) Bitte stell dich kurz vor Rena: "Ich bin Rena, Gründerin von CHICA CON CICLO, Zyklusberaterin und Journalistin. Ich bin durch und durch Feministin. Außerdem bin ich Schwester, Tochter, Nichte, Tante, Ehefrau, Freundin… Ich würde sagen, dass sowohl mein(e) Beruf(ung) als auch meine Beziehungen sehr prägend für meine Identität sind. In diesen Facetten sehe ich mich und so möchte ich auch gern gesehen werden."


2) Du bist eine Zyklus-Expertin. Wie wird man so etwas? Rena: "Es gibt weltweit einige Institute, die zur Zyklusberaterin (auf Englisch Fertility Awareness Educator) ausbilden. Rein rechtlich gesehen “braucht” man kein Zertifikat und man kann sich viel Wissen durch Fachliteratur aneignen. Trotzdem finde ich es wertvoll, mindestens ein Institut zu durchlaufen: Bei meiner Ausbildung bei FEMM (Fertility Education and Medical Management) musste ich neben Prüfungen und Kursstunden auch vier Testklientinnen über je drei Zyklen hinweg begleiten und wurde währenddessen von einer erfahrenen Beraterin betreut. Ich achte darauf, mich konstant weiterzubilden. So kann ich sicherstellen, dass ich auf dem aktuellen Stand bin, was Zyklusforschung, Femtech & Co betrifft."


3) Jetzt könnte jemand daherkommen und fragen „Wozu brauche ich einen Onlinekurs über meine Menstruation?“

 Rena: "Die Frage bekomme ich auch öfter und kläre an der Stelle gern ein kleines Missverständnis auf: Unser Zyklus ist viel mehr als eine monatliche Blutung. Manche Zyklus-Forscher*innen sagen sogar, dass das Hauptereignis des Zyklus eigentlich nicht die Menstruation ist, sondern der Eisprung. Denn erst, wenn er stattgefunden hat, kann auch 10-16 Tage später eine reale Menstruation stattfinden (oder eine Schwangerschaft entstehen).

Zwischen zwei Perioden durchlaufen wir jedes Mal aufs Neue hormonelle Schwankungen, die unsere Energie und körperliche und emotionale Verfassung beeinflussen. Oft versuchen wir, das zu ignorieren, bis die nächste Menstruation vor der Tür steht und Ärger macht. Viele Menstruierende haben Beschwerden, denken aber gar nicht daran, dass sie ein Recht darauf haben, sich besser zu fühlen. Forschung und ärztliche Beratung hängen da leider auch noch oft hinterher. 

Das Internet ist zwar voller Informationen - doch es gibt immer noch viel Halbwissen und falsche Aussagen zu dem Thema, selbst bei seriösen Medien. Mit dem Kurs spare ich meinen Klient*innen die mühevolle Recherche und bringe ihnen strukturiert bei, ihre Körperzeichen zu verstehen und die Zyklusphasen dadurch tagtäglich bewusst wahrzunehmen. Keine App kann das ersetzen: Nur du selbst kannst lernen, in Echtzeit deine Körperzeichen zu verstehen. "


4) Wenn wir schon dabei sind: Was genau erwartet mich im Onlinekurs als menstruierende Person?



Rena: "Im aktuellen Kurs Zyklisch + Selbstbestimmt lernst du, deine Körperzeichen Zervixschleim und Blutungen (es gibt auch andere Blutungen als die Menstruation) systematisch zu beobachten, um dadurch Aufschluss über deine Zyklusphase und deine Gesundheit zu erhalten. Wie wäre es, wenn wir lernen, mit unseren zyklischen Schwankungen empathisch umzugehen - und gleichzeitig zu erkennen, wenn Beschwerden so stark werden, dass sie über die normalen, gesunden Veränderungen hinausgehen?

Genau diese Dinge vermittle ich in meinem Kurs. Außerdem möchte ich nach Periodenblut das nächste Tabu brechen: Zervixschleim. Das ist die korrekte Bezeichnung für unseren “Ausfluss”, wie man oft umgangssprachlich sagt. Er ist nicht dazu da, um uns zu nerven, sondern ein Zeichen unserer Gesundheit und Fruchtbarkeit. Ihn zu verstehen, ist bei Kinderwunsch, in Gesundheitsfragen und im Hinblick auf Verhütung sehr hilfreich.

Der Kurs ist dieses Mal erstmals auf Elopage verfügbar, sodass man sich die Videos und Worksheets im eigenen Tempo so oft ansehen kann, wie man will. Damit aber auch Fragen gestellt werden können, gibt es mehrere Gruppen-Livecalls."


5) Was sind die Mythen rund um den Zyklus, die aber als verbreitete Fakten gelten (und du nicht mehr hören kannst)?

 Rena:"

  • Dass der Eisprung an Zyklustag 14 sei. In Wahrheit entscheidet sich das jeden Zyklus neu und er kann auch früher oder viel später eintreten.



  • Dass es super schwierig sei, den eigenen Zervixschleim zu verstehen: Studien zeigen, dass es unter fachkundiger Anleitung etwa 95 Prozent der Frauen bzw. Personen mit Zyklus problemlos erlernen.



  • Dass starke Periodenschmerzen normal seien: Sie sind häufig, aber nicht normal im Sinne von gesund. Man muss sich nicht damit abfinden, sondern sollte mit gezielter ärztlicher Unterstützung der Ursache auf die Spur kommen. 



  • Dass nur hormonelle Verhütung verlässlich sei: Es gibt diverse hormonfreie Alternativen, die bei korrekter Anwendung ebenfalls sehr sicher sind."


6) Du bist ja eigentlich Journalistin - wie ist der Sprung zur Zyklusexpertin passiert und inwiefern hilft dir deine journalistische Expertise in der Ausübung deiner momentanen Passion?

 Rena:" Schon seit der Schule schreibe ich, schon seit der Schule interessiere ich mich für Körper, weibliche Sexualität. Ich hatte also immer eine Lieblings-Tätigkeit (Schreiben) und Lieblings-Themen. Als freie Journalistin habe ich mich dann immer stärker auf diese Nische spezialisiert und bei jetzt.de eine 15-teilige Zyklus-Kolumne veröffentlicht. Doch dann wollte ich lieber mein eigenes digitales Angebot aufbauen, als darauf angewiesen zu sein, dass große Redaktionen Bock auf Periode & Co. haben (auch wenn ich guten Aufträgen natürlich offen gegenüberstehe). Meine journalistischen Erfahrungen helfen mir nicht nur bei der Erstellung der informativen Inhalte, sondern auch, was Recherche und Faktencheck betrifft. Denn, wie schon gesagt, schwirren zum Zyklus noch sehr viele Ungenauigkeiten durch die Medien..."


7) Was ist Toxic Positivity? 

 Rena:" Ich nehme an, du fragst, weil in meiner Insta-Bio “Frei von Toxic Positivity” steht? Wenn davon ausgegangen wird, dass man durch eine positive Einstellung alles schaffen kann - und dabei strukturelle Faktoren oder auch psychische oder körperliche Probleme, außer Acht gelassen werden - spricht man von Toxic Positivity. Das äußert sich oft in Phrasen wie “Good Vibes Only”, “Dein Glück ist deine Entscheidung” usw. Im Zusammenhang mit dem Zyklus sind es Aussagen wie “Du musst nur mit deiner Weiblichkeit ins Reine kommen, um deine Periodenschmerzen zu beseitigen” (manchen mag das helfen, aber ernsthafte Erkrankungen wie z.B. Endometriose gehen davon nicht weg) oder “Dein Zyklus ist ein magisches Geschenk (irgendwie schon, aber empfindet man das so, wenn man gerade mit Menstruationskrämpfen auf der Arbeit hart performen muss?) Ich möchte alle Personen mit Zyklus dazu ermutigen, eine selbstbestimmte Beziehung zu ihrem Zyklus einzugehen. Und das geht nur, wenn ich ihn weder glorifiziere noch verteufle - sondern realistisch und offen an das Thema herangehe."


8) Wo siehst du in der Gesellschaft noch Arbeitsbedarf? Was muss schleunigst geändert werden, damit Mädchen und Frauen einen selbstbestimmten Umgang zu ihre eigene Körper haben?



Rena: "Ein großer Schritt wäre besser Bildung und Aufklärung - sowohl für Kinder als auch Jugendliche und Erwachsene. Denn solange wir (und damit meine ich alle Geschlechter) nicht mehr über den Zyklus und seine Auswirkungen lernen, können wir auch nicht selbstbestimmt damit umgehen. Sexualkunde in den Schulen sollte Zyklusgesundheit immer wieder einbringen und da auch kein Geschlecht ausschließen. Auch in Büros sind Zyklus-Workshops super, denn von mehr Bewusstsein für zyklische Schwankungen würden alle Mitarbeiter*innen mit und ohne Menstruationszyklus profitieren. Schließlich sind wir alle keine Roboter und haben gute und schlechte Tage. Ich bin überzeugt, dass Zyklusbewusstsein ein Meilenstein für eine empathischere Gesellschaft ist." 



9) Was sind die wichtigsten Tipps, die du jeder Frau bzgl. Ihres Körpers geben würdest?



Rena:" - Lass dich auf deine Vulva & Vagina ein und beobachte deinen Zervixschleim. Lern ihn kennen, statt ihn zu hassen.


- Du hast das Recht auf gute medizinische Behandlung

- wenn dich ein*e Ärzt*in von oben herab behandelt, ist es an der Zeit, eine bessere suchen. 


- Und dieser Satz, adaptiert von lateinamerikanischen Zyklus-Aktivist*innen: Du bist nicht verrückt, sondern zyklisch.




Hier findest du die Zyklusberaterin Rena Föhr auf Instagram