• Nathalie Nuerk

"Im Doppelpack um die Welt!"

Nathalie ist eine Single Mama aus Deutschand. Seit Jahren verreist sie mit ihrem Sohn Marvel (5) um die Welt und besitzt nun sogar auf Sansibar ein Stück Land. Geplant war das alles nicht, dennoch ist sie mit dieser Entscheidung überglücklich. Via Instagram kann man quasi live zusehen, wie es dazu gekommen ist und vor allem wie es weitergeht...


1) Du bist Mama, du bist alleinerziehend und du hast einen (5)Jährigen Sohn, der dein Begleiter auf deinen Reisen ist. Aber wieso verreist du überhaupt so oft mit ihm, wie hat das gestartet?

N: "Wir sind damals gestartet, weil ich aus meiner unglücklichen Beziehung mit Marvels Papa ausbrechen wollte. Einfach einmal keine Streitereien mehr. Deshalb buchte ich spontan einen Kurztrip nach Schweden - Marvel war damals 6 Wochen alt. Und damals schon der perfekte Reisebuddy. Es folgten 22 Länder in den letzten 5 Jahren. So wurde aus Flucht absolute Reiseliebe."

2) Wenn es um das Verreisen geht, vor allem dann, wenn es exotische Länder sind, da denken die Leute - vor allem auf Instagram - „Ok, die hat viel geerbt, der Mann finanziert es (bei mir ist es z.B. so), oder die bekommt alles von Firmen gesponsert. Wie ist es bei dir?

N: "Ein Mann, der mir etwas finanziert ist bei mir als Singlemama natürlich nicht der Kritikpunkt. Aber sicher höre ich oft versteckte Vorwürfe, etwa “Na, du hast aber auch einfach Glück, dass du deinen Job von unterwegs aus machen kannst. Bei mir geht das nicht.” Hier kontere ich einfach mit der Wahrheit: Es hat mich nämlich viele schlaflose Nächte gekostet und ein knappes Jahr an Vorbereitung und Akquise, bis ich nun endlich Remote arbeiten kann. Das kann mit etwas Kreativität jede:r. Außerdem ist es ein Trugschluss, dass Reisen nur mit viel Geld möglich ist. Mit Abstrichen und Kreativität ist das auch für einen schmalen Taler möglich."

3) Was macht das Verreisen mit dir und was macht es deiner Meinung nach mit deinem Sohn?

N: "Wir haben durch unsere Reisen die Möglichkeit, immer wieder in neue Lebensmodelle und -weisen hineinzuschnuppern. Ich empfinde dies als ungemeine Bereicherung, auch für unseren Alltag. Wo sonst haben wir die Möglichkeit, so sehr zu experimentieren und herauszufinden, was zu uns passt. Oder was eben nicht.

An Marvel bewundere ich seine unerschrockene Offenheit und seine Gabe, sich innerhalb kürzester Zeit in neue Strukturen und Orte einzufinden. Da kann ich definitiv noch viel von ihm lernen."

4) Noch eine Frage, die ich mir oft anhören muss „Sollte dein Kind nicht im Kindergarten/Schule sein?“ - Wie gehst du mit solchen Fragen um?

N: "Marvel ging in Berlin in einen Kindergarten. Dort war er nur nicht ganz so oft…

Die Schulpflicht hat er in Deutschland ja erst ab 6 Jahren. Dennoch kam von ihm der Wunsch, in die Schule zu gehen. Einfach, weil alle seine Freunde hier zur Schule gehen und er einen großen Wissensdurst hat. Ich selbst habe sehr schlechte Erinnerungen an meine Schulzeit und hätte kein Problem damit, wenn er Freilerner wäre. Aber es ist meine Aufgabe, seine Bedürfnisse zu erfüllen und hinzuhören. Und siehe da, er geht nun auf die Internationale Schule auf Sansibar. Und lernt mit Hingabe.

Allgemein halte ich aber nicht viel von diesem engen Konstrukt in Deutschland und bin der Meinung, dass - obwohl ich sehe, wie sehr sich Lehrkräfte bemühen - Schule zeitgemäßer stattfinden müssen. Die Strukturen sind nach meiner Ansicht oft veraltet."


5) Ich habe online mitbekommen, dass du nun Content/Texte etc. erstellst, das ist nun quasi dein Job. Wie geht es dir damit und wie bist du auf die Idee gekommen? Ist es eine Sache, die du schon immer machen wolltest?

N: "Ich hatte schon immer eine Hingabe dafür, meine Gedanken in Worte zu kleiden. Es ist meine Art, mich auszudrücken. So wurde mein Instagram-Kanal zu meinem persönlichen Tagebuch - das mittlerweile 15.000 Menschen mitlesen.

Es ist ungemein erfüllend, Menschen mit meinen Gedanken zu inspirieren. Frauen zu empowern, dass es eben keinen Partner oder viel Geld braucht, um seine Träume zu leben.

Ganz langsam entwickelte sich über meinen Kanal der Wunsch, auch beruflich kreativer zu sein. Die ersten Kundenanfragen trudelten ein. Mittlerweile lebe ich davon, andere (Accounts) mit Text und Content zu unterstützen, schreibe für Magazine und diverse Kunden - und könnte nicht glücklicher sein."

6) Man folgt dir auf Instagram, sieht die schönen Bilder, das Meer und denkt sich „Sie liegt am Strand, tippt ein paar Zeilen, bekommt wahrscheinlich viel Geld dafür und lebt das Leben aus.“ So, wie spielt es sich hinter diesen Kulissen wirklich ab?

N: "Hinter den Kulissen arbeite ich härter als zuvor in Deutschland. Nur eben in einer schöneren Kulisse und selbstbestimmt. Dennoch arbeite auch ich mindestens 30 Stunden pro Woche, die unentgeltliche Arbeit für meinen Instagram-Kanal nicht mit eingerechnet.

Niemand postet tagtäglich Bilder von sich aus dem Büro, wieso sollte ich das tun? Ich teile meine Freizeit auf Instagram - wie wir alle. Nur findet mein Alltag eben an einem anderen Ort dieser Welt statt."

7) Du, heute als Frau, als Mutter, was würdest du deinem früherem Ich sagen und was wünschst du dir in der Zukunft für dich?

N: "Ich würde mir selbst sagen, dass ich mich endlich entspannen soll. Die Dinge kommen eh, wie sie sollen. Ich möchte mir sagen, dass ich aufhören soll, zu zweifeln. Denn das Leben hält so viele Sonnenstunden bereit, da lohnen sich die Regentage. Und, dass ich alles schaffen kann, wenn ich nur will.

Ich sage meinem früheren Ich, dass ich einen grandiosen Job mache und mich selbst für meinen Optimismus bewundere. Denn mir das einzugestehen, das habe ich erst spät gelernt.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich mich weiterhin jeder Welle meines Lebens stelle."

8) Wenn man als alleinerziehende Frau verreist, was musst du dir anhören, mit welchen Vorurteilen musst du umgehen und wie gehst du dann schließlich damit um?

N: "Glücklicherweise mit recht wenigen. Unterwegs ist das eigentlich selten ein Thema. Vorurteile höre ich eher, wenn ich in Deutschland bin. Da hält man mich nicht selten für unverantwortlich, weil ich mein Kind in fremden Ländern Gefahren wie etwa Krankheiten aussetzen würde. Überhaupt geht es fast ausschließlich um die Angst vor Gefahren - die positiven Dinge die uns unterwegs widerfahren könnten, finden oft wenig Beachtung. Das zeigt, welche Macht Ängste haben.

Ich habe gelernt, damit umzugehen. Denn am Ende des Tages muss ich es mir und meinem kleinen Helden recht machen und niemandem anders. Das Leben ist zu kurz um nicht mutig zu sein."


9) Beschreibe dein Gefühl, nachdem du jetzt ein Stück Land im Paradies besitzt.

N: "Es macht mich sprachlos und tief dankbar. Völlig unerwartet haben wir hier ein Zuhause gefunden. Das erste Mal überhaupt, dass ich einen Ort mein Zuhause nenne. Die Liebe hier, das Licht, die Menschen, der Ozean - einfach alles - erfüllt mich mit tiefem Glück.

Nun ein Teil dieser wundervollen Insel mein Eigen nennen zu können, ist für mich immer noch nicht so ganz greifbar. Und doch habe ich schon viele Pläne für die Zukunft. Und - wie soll es auch anders sein - wird hier Coaching von Frauen eine große Rolle spielen. Wer mag, darf also sehr gerne dran bleiben und unseren Weg hier auf Sansibar verfolgen."



Nathalie auf Instagram:

"Mom and a half Man"

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