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Sprich´ zu mir!

Sprachen sind ja schon etwas Tolles! Wer möchte nicht ein, zwei, oder vielleicht sogar mehrere Sprachen beherrschen können? Aber wer hat schon die Zeit (und manchmal fehlt ja auch das Geld) dazu? Hebah erzählt uns wie es am besten geht, eine neue Sprache zu lernen und das in einem einzigen Interview: 1) Stell dich bitte kurz vor. Wer bist du und was machst du?

Hebah: "Mein Name ist Hebah, ich bin Lehrerin für Englisch und Spanisch und habe zusätzlich Übersetzen und Dolmetschen für die Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch studiert. Bin also - surprise, surprise - sehr sprachbegeistert, liebe das Reisen, lerne gerne über verschiedene Kulturen und teile das Ganze seit Kurzem mit anderen sowohl auf meinem mehrsprachigen YouTube-Kanal als auch auf meinem mehrsprachigen Instagram-Account."

2) Hebah, an dir gibt es so viel Interessantes, aber das was ich unbedingt wissen möchte: Wie viele Sprachen sprichst du fließend?

Hebah: "Ich habe mich mit vielen Sprachen beschäftigt und kann in den meisten davon zumindest einige Brocken. Wirklich fließend beherrsche ich Deutsch, Arabisch, Englisch, Spanisch, Französisch und Türkisch."


3) Wie kommt es dazu, dass du 6 Sprachen fließend sprechen kannst?

Hebah: "Ich bin gebürtige Österreicherin, wobei meine Eltern ursprünglich aus Ägypten kommen. Dadurch bin ich also mit Deutsch und Arabisch zweisprachig aufgewachsen.

Englisch habe ich schon als Kind angefangen zu lernen, später habe ich es dann in der Schule gelernt und anschließend beschlossen, es auf der Uni zu studieren. Ich habe eine zeitlang in Kanada gelebt und bin letzten Endes Englischlehrerin geworden.

Französisch habe ich ursprünglich in der Schule gelernt. Auf der Uni habe ich dann beschlossen, Übersetzen und Dolmetschen zu studieren und habe im Rahmen des Studiums ein Auslandssemester in Genf gemacht, wo ich dann auch im Alltag Französisch sprechen konnte (bzw. musste ^^).

Spanisch habe ich zunächst nur als Hobby gelernt. Ich habe mich dann so sehr in die Sprache verliebt, dass ich beschloss, diese Begeisterung mit anderen zu teilen und nach außen zu tragen, indem ich neben Englisch- auch Spanischlehrerin geworden bin.

Türkisch ist der jüngste Zuwachs zu meinem Sprachenrepertoire. Ich bin in Wien geboren und aufgewachsen und somit war ich schon immer von türkischsprachigen Menschen umgeben. Schon immer hat es mich gereizt, zu wissen, was meine türkischsprachigen Freund*innen sagen - vor allem, wenn ich merkte, dass ich ab und an arabische Wörter in ihren türkischen Dialogen erkennen konnte und mir somit manche Dinge sogar zusammenreimen konnte. Frustriert hat es mich dann allerdings, wenn ich dann wieder die drei darauffolgenden Sätze nicht verstand!!

Vor einigen Jahren habe ich dann beschlossen, mich mehr und bewusster mit der Sprache zu befassen. Vor allem als ich merkte, wie schwer ich mir mit dem Türkisch-Lernen tat und wie anders Türkisch doch von allen anderen Sprachen war, die ich bis dahin gelernt hatte, ergriffen mich der Drang und die Sturheit, diese Sprache zu lernen. Seither ist Türkisch meine “Sprachsucht” wie ich es gerne nenne. Ich liebe es, damit herumzuexperimentieren und mein Aussehen zu nutzen, um Menschen zu verwirren, die dann gar nicht mehr wissen, ob sie mich in die “Araberin”- oder “Türkin”-Schublade stecken sollen - dies gilt sowohl für Personen, die Arabisch und/oder Türkisch können, als auch jene, die keine der beiden Sprachen beherrschen. Ich muss zugeben: das ist jedes Mal so ein Spaß für mich!! Was soll ich tun? Ich kann mich selbst nicht stoppen."


4) Ich kann verstehen, dass man ein paar Bröckchen einer anderen Sprache lernen kann, aber was machst du, wenn es dann zur Grammatik kommt, wie erklärst du dir das selbst?

Hebah: "In der Regel unterscheiden wir beim Sprachenlernen zwischen 4 Lerntypen: auditiv, kommunikativ, visuell und motorisch. Die meisten Menschen sind eine Mischung aus verschiedenen Lerntypen und dennoch lassen sich oft Tendenzen beobachten, die über Fähigkeiten und Bedürfnisse beim Sprachenlernen Auskunft geben. Manche brauchen viel visuellen Input, um Sprache zu verinnerlichen. Andere müssen Sprache aktiv erleben, um ein Gespür dafür zu bekommen. Da ist jeder Mensch ein wenig anders.

Für Menschen, die viel Struktur brauchen, sind klar definierte Grammatikregeln, Grammatikübungsbücher und klar aufbereitete Grammatikstrukturen notwendig und hilfreich. Dann gibt es Sprachlerner*innen wie mich!

Diese fühlen sich mit solchen Dingen überfordert und demotiviert. Es hat Jahre gedauert bis ich mir bewusst geworden bin, dass ich ein auditiver Lerntyp bin und dass somit ein eher “instinktiverer” Weg des Sprachenlernens zu mir und meinen Fähigkeiten sowie Bedürfnissen passt. Ich lerne Sprache also viel lieber wie ein Kind, dass in seinem Elternhaus und Umfeld aufwächst, die Sprache mitbekommt, zunächst nichts versteht und dann aber irgendwann anfängt, zu imitieren. Eltern setzen sich mit einem Kind ja auch nicht hin und fangen an, ihm Grammatikstrukturen zu erklären. Das Kind ist auf natürliche Weise von Sprache umgeben und entwickelt irgendwann ein Gefühl dafür. Auch ich fange gerne auf diese Weise an. Erst nachdem ich einige Vokabel, Ausdrücke, Sprüche, Satzstrukturen, Dialoge gelernt habe und schon verwenden kann, fange ich an, mich mit der Grammatik, die dahintersteckt zu befassen. Vieles erklärt sich - zumindest für mich - dann von selbst."

5) In welchen Ländern hast du schon gelebt und wo hast du dich am wohlsten gefühlt und warum?

Hebah: "Ich habe in meinem Leben das Privileg gehabt, bisher mehr als 20 Länder besuchen zu dürfen. Gelebt habe ich in drei Ländern davon: in Österreich, der Schweiz und Kanada.

Alle drei Länder haben auf jeden Fall ihren Reiz und - wie alle Länder dieser Erde - sowohl ihre positiven als auch nicht so rosigen Seiten. Vor allem die Zeit in Kanada hat mich sehr stark geprägt, da es doch ein Leben war, was ich in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Ich habe damals in Toronto gelebt, eine riesige, dynamische und hektische Stadt - Dinge, die andere Menschen vielleicht überfordern würden, mich aber sehr reizen. Ganz anders als das ruhige Wien und das kleine Genf. An Toronto hat mich vor allem die Vielfältigkeit und Diversität begeistert. So viele verschiedene Menschen, Sprachen, Kulturen, Lebensformen auf einem Fleck. Und es funktioniert!

In Toronto habe ich mich vor allem deshalb so wohlgefühlt, weil mir, trotz der Tatsache, dass ich tatsächlich Ausländerin war, nie das Gefühl gegeben wurde, Ausländerin zu sein. Ein Gefühl, was ich in der Schweiz durchgehend hatte: mein “Visum” habe ich damals in Form eines “Ausländerausweises” erhalten (der hieß tatsächlich so!!). In der Schweiz entsprach das zumindest der Realität - ich war ja tatsächlich Ausländerin. Doch auch in meinem geliebten Wien, meiner Heimatstadt, in meinem geliebten Österreich, meinem Heimatland, habe ich mich nie so angekommen und willkommen gefühlt, wie ich es schon nach nur einer Woche in Toronto habe.

Mir ist klar, dass ich nach Toronto in einer privilegierten Form gereist bin. Ich kam mit einem europäischen Pass und als Akademikerin. Trotz allem sticht mir eine Sache ins Auge: die Menschen auf der Straße, in den Geschäften oder während einer ersten Begegnung mit mir, wussten nicht, was für einen Pass ich hatte oder unter welchen Umständen ich dort war. Dennoch kam mir keine einzige Situation unter, in der in jeglicher Form angezweifelt wurde, dass ich nicht auch Torontonian sei. Das ist ein Gefühl, das ich in Wien ein Leben lang kaum hatte!"

6) Wo hast du dich überhaupt nicht willkommen gefühlt und warum?

Hebah: "An manchen Orten habe ich mich tatsächlich willkommener gefühlt als an anderen. Ich würde allerdings nicht behaupten, dass ich mich an irgendeinem der Orte wirklich überhaupt nicht willkommen gefühlt habe - zum Glück!"


7) Was ermöglichen dir die anderen Sprachen, deiner Meinung nach und warum hast du die Sprachen gewählt, die du kannst?

Hebah: "Für mich ist jede Sprache ein Tor in eine andere Welt. Kann Mensch nur eine Sprache, kennt Mensch nur eine Welt. Sprachen ermöglichen mir also, mich mit mehreren Welten, mit verschiedenen Ländern und Kulturen auseinanderzusetzen. Dadurch lerne ich allerdings nicht nur über andere und deren Lebensrealitäten, sondern ich entdecke jedes Mal auch mich selbst neu. Durch das Lernen über Sprache und Kultur hinterfragt man so ziemlich alles und man wird angeregt, nicht nur Neues oder Fremdes sondern auch Altes und Bekanntes zu reflektieren und zu verstehen.

Im selben Moment bin ich davon überzeugt, dass das Erlernen verschiedener Sprachen und das Erleben unterschiedlicher Kulturen die Menschen näher zusammenbringt und Vorurteile abbaut. Das Fremde und Unbekannte bleibt einem ein Rätsel und kann in einem vielleicht sogar Angst erzeugen, solange man sich nicht damit befasst. Durch den Austausch mit verschiedenen Menschen - noch dazu in ihrer eigenen Sprache - kann genau da Abhilfe geschaffen werden. Plötzlich versteht man die Lebensrealitäten anderer, man kann sich in sie hineinversetzen und vieles leichter nachvollziehen. Das Fremde wird zum Bekannten und die Menschen fühlen sich verstanden, wahrgenommen und gesehen.

Schon Nelson Mandela meinte:

“If you talk to a man in a language he understands, that goes to his head. If you talk to him in his own language, that goes to his heart.”

Vor allem für Lehrer*innen im heutigen Schulalltag finde ich das so wichtig. Das heutige Klassenzimmer ist nunmal von Diversität in jeglicher Hinsicht geprägt. Kinder bringen unterschiedliche Sprachen und Kulturen von zu Hause mit. Je mehr man sich auf diese Dinge einlassen kann, ein Verständnis dafür hat, umso mehr kann man auf die Kinder und ihre Lebensrealitäten, ihre Lernbedürfnisse und Fähigkeiten eingehen und sie somit (hoffentlich) bestmöglich bei ihrer Entwicklung und auf ihrem Lernweg unterstützen.

Dies ist einer der Hauptgründe, warum mir Türkisch, welches ja ursprünglich nur ein Hobby war, doch so wichtig geworden ist und warum ich mich bewusst, so intensiv mit der türkischen Sprache und Kultur beschäftigen wollte. Da ich selbst mit Deutsch und Arabisch zweisprachig aufgewachsen bin, kann ich mich sehr gut in jene Kinder und Jugendliche hineinversetzen, die in ähnlichen Lebensumständen aufgewachsen sind. Türkisch erweitert diesen Horizont noch einmal um eine weitere Sphäre und setzt dem Ganzen noch eins drauf. Und seien wir mal ehrlich - dass sowohl Türkisch als auch Arabisch inzwischen im österreichischen (oder zumindest Wiener) Alltag sehr präsent geworden sind, ist unumstritten."


8) Welche Sprachen möchtest du noch lernen?

Hebah: "Im Moment ist mein nächstes Ziel Russisch. Auch Japanisch reizt mich sehr. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: so viele wie möglich!!!"


9) Was sind deine top Tipps für Erwachsene, die neue Sprachen erlernen möchten?

Hebah: "Wenn es um das Erlernen neuer Sprachen geht, lassen sich viele Erwachsene oft von ihrem Alter verunsichern und vielerorts wird einem weißgemacht: wenn du eine Sprache nicht schon als Kind gelernt hast, ist es im Erwachsenenalter ziemlich unmöglich. Ich stimme diesem Gedanken überhaupt nicht zu und habe auch schon viele lebende Beweise gesehen, die das widerlegen.

Manche verunsichert es ebenfalls, wenn sie monolingual aufwachsen, weil sie denken, ihnen fehlt somit das Talent, eine weitere Sprache zu lernen. Dass das Erlernen mehrer Sprachen in jungem Alter für den weiteren Spracherwerb und Sprachlernprozess von großem Vorteil ist, kann ich auf keinen Fall negieren - das stimmt! Das heißt aber nicht, dass Personen, die ihren Sprachlernprozess mit anderen Voraussetzungen starten, nicht dennoch mehrsprachig werden und mehrere Sprachen erlernen können. Hier ist vielleicht nur ein geregelter und etwas gezielter Ansatz notwendig…

Daher mein Nummer 1 Tip für alle Erwachsenen, die gerne eine neue Sprache erlernen möchten: Finde heraus, was für ein Lerntyp du bist! Ich weiß, dass uns in der Schule Sprache meistens auf ein- und dieselbe Weise beigebracht wird, was damit zusammenhängt, dass Lehrer*innen an Schularbeiten, Curricula und einen Zeitplan gebunden sind. Wenn du allerdings Sprache für dich selbst und als Hobby lernen möchtest, befasse dich zunächst einmal mit DIR SELBST. Sobald du weißt, was für ein Lerntyp du bist, kannst du deinen Lernprozess auch dementsprechend für dich selbst gestalten. Bist du ein auditiver, visueller, kommunikativer oder visueller Lerntyp?"

10) Alles was du noch sagen möchtest.

Hebah: "Möchtest du eine neue Sprache lernen? Dann ist HEUTE der perfekte Zeitpunkt, um anzufangen!

Auf meinem YouTube-Kanal (Hebah’s Rollercoaster) und Instagram-Account (@hebahsrollercoaster) teile ich nicht nur meine persönliche Begeisterung für Sprachen, sondern gebe auch Tipps und Strategien, wie du für dich sich selbst die richtige Lernstrategie erkennen und finden kannst. Ich freue mich, wenn du vorbeischaust. Gerne nehme ich mir auch die Zeit, für eine individuelle Beratung zugeschnitten auf deine Bedürfnisse.

Dem Sprachenlernen steht also nichts mehr im Weg."




Hebah ist Englisch- und Spanischlehrerin, außerdem spricht sie sechs Sprachen.


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