• Britta Kiwit

Mehr Diversität im Kinderzimmer

In der Kategorie #Frauenstark werden euch Frauen vorgestellt, die eine inspirierende und motivierende Funktion für ihre Mitmenschen haben. Sie schreiben die Herstories unserer Zeit und Zukunft. Eine gesunde Gesellschaft lebt vom Miteinander und da wir so viele starke weibliche Persönlichkeiten haben, müssen diese mit ihren Ideen und Innovationen in den Vordergrund gestellt werden.


1) Bitte stelle dich kurz vor:

Britta: "Hi, ich bin Britta, 32, gebürtige Düsseldorferin, im Herzen Berlinerin, Gründerin, seit Juli 2019 Mutter und gesegnet mit einem extrem positiven Mindset und viel zu viel Energie."

2) Diversityarbeit, Aktivismus gegen Rassismus und Sexismus, das sind heutzutage im Content vieler Menschen auf Social Media, vor allem wenn grad irgendein Jubiläum/ Ereignis ist, zB BlackHistoryMonth. Normalerweise ist das aber der unbezahlte Nebenjob von People of Colour. Du bist eine weiße Frau, die ausschließlich Diversity Content verbreitet. WIESO?

Britta: "Weil ich ehrlicherweise die Schnauze voll und keine Lust mehr habe, in einer weiß-privilegierten Bubble zu leben.

Und weil ich einen Beitrag dazu leisten möchte, die Welt ein kleines bisschen gerechter zu machen. Manche retten die Weltmeere, andere gehen in die Politik – Ich setze bei den Kleinsten an und mache darauf aufmerksam, dass Rassismus, Sexismus und Diskriminierung in deutschen Kinderbüchern leider immer noch reproduziert wird und zeige, dass es mittlerweile auch großartige Alternativen."

3) Was sind die Dinge, bei denen du dir denkst: Das läuft in der Bildung im deutschsprachigen Raum falsch?

Britta: "Bei Bildung im deutschsprachigen Raum denke ich als allererstes an unser Schulsystem und einen Fehler im System. Kennst du den Comic, bei dem ein Affe, ein Elefant und ein Fisch als Eignungstest die gleiche Aufgabe bekommen und alle einen Baum hochklettern sollen? Das ist für mich der Inbegriff von Changenungleichkeit. Das ist ein Problem, das wir lösen müssen. Ich denke aber auch an Fortschritt und Weiterentwicklung. Und, dass ich dankbar bin, dass wir fast jedem Kind und Erwachsenen im Vergleich zu anderen Ländern Zugang zum Bildungssystem ermöglichen können. Bildung ist für mich der Schlüssel zum Erfolg."

4) Was fällt dir zum Begriff „White Feminism“ ein?

Britta: "Ich denke an den Moment zurück, in dem ich begriffen habe, dass ich nie - wirklich niemals - ausgelernt haben werde. Immer wenn man denkt, man hat alles reflektiert, durchleuchtet und verstanden, gibt es eine weitere Facette, die so so wichtig ist und alles vorher gedachte auf den Kopf stellt. Damals ging es vor allem darum, der Frau überhaupt Gehör zu verschaffen - heute sind wir hier wesentlich weiter, nur dass das bei uns weißen Frauen auch noch “Klick” machen muss. Wir können eben nicht stellvertretend für alle Schwarzen Frauen oder Frauen mit Kopftuch vom gleichen Feminismus sprechen. Daher beschäftige ich mich derzeit viel mit intersektionalem Feminismus."


5) Was fällt dir zum Begriff „Kopftuch“ ein?

Britta: "Persönlich finde ich um ehrlich zu sein, Kopftücher einfach wunderschön. Ich nehme es wahr, dabei aber komplett wertfrei. Ich kenne aber auch die Schattenseiten und konnte es anfangs selbst kaum glauben: Ich habe mal einen Bewerbungsservice gegründet und musste dort selbst erleben, dass Bewerber:innen mit Kopftuch diskriminiert und weniger eingeladen wurden zu Bewerbungsgesprächen.

Ich finde es daher unfassbar traurig, wie vorurteilsbehaftet ein Kopftuch bei Frauen immer noch ist und von vielen Deutschen als Zeichen der Unterdrückung der Frau wahrgenommen wird. Das finde ich total schade und zeigt, wie viel Aufklärungsarbeit noch vor uns liegt."

6) Was fällt dir zum Begriff „Liebe“ ein?

Britta: "Liebe ist für mich eine der größten Treiber in meinem Leben. Ich bin ein wahnsinnig emotionaler Mensch, weine fast jeden zweiten Tag. Liebe kann wahnsinnig schön sein, Herzklopfen, Glück und Freude auslösen, aber auch Wehmut und Trauer durch Verlust oder Entfernung. Ein bisschen verrückt, aber ich muss bei dem Begriff Liebe oft an Flughäfen denken - es gibt für mich keinen besseren Ort, an dem man fremde Menschen beobachten kann, die sich in die Arme fallen und man so viel Liebe spürt, egal ob Zusammenführung oder Verabschiedungsschmerz – da muss ich immer direkt mit weinen."

7) Was fällt dir zum Begriff „Rassismus“ ein?

Britta: "Da fallen mir als erstes Unterbezeichnungen ein, die das ganze noch komplexer und tiefer verwurzelt gestalten, als vielen bewusst ist. Alltagsrassimus, instutioneller Rassimus und vor allem natürlich auch reproduzierter Rassismus, den ich mit meinem Projekt Avalino ganz besonders bekämpfe. Auf meiner Plattform mache ich auf Kinderbücher, -filme oder -lieder aufmerksam, die Rassismus reproduzieren, in denen zum Beispiel immer noch das N-Wort verwendet wird. Das finde ich fatal und führt nicht dazu, dass sich irgendwann etwas ändert. “Das ist aber Kulturgut”, “Man darf die Werke von Astrid Lindgren nicht ändern” heißt es dann oft.

Ich finde, dass das absoluter Quatsch ist und exakt hier angesetzt werden muss: Das Problem ist, dass die Worte in Kinderbüchern oft ohne die nötige Erklärung oder Aufklärung verwendet werden; welche Erwachsenen unterbrechen schon das Vorlesen, um kurz einen Monolog zum Thema Rassismus zu halten. Und: Die Kindergeschichten werden nicht schlechter, nur weil Pipi Langstrumpfs Vater nicht mehr der N-König ist.

Eine Szene im “Kevin allein in New York” Film wird übrigens jetzt neu vertont, weil in einer Szene erst das N- und dann das I-Wort fällt; finde ich total cool und zeigt, dass Fortschritt und Änderung möglich ist.

Für manche mag das ein unwichtiger Schritt sein; ich glaube persönlich, dass genau hier das Umdenken der Menschen stattfinden sollte, um strukturellen Rassismus anzugehen. Und genau aus dem Grund stelle ich auch Alternativen vor und gebe ganz viele Tips für Bücher, die die Welt so abbilden wie sie sein sollte: vielfältig und inklusiv – ohne Diskriminierung, Sexismus oder Rassismus."

8) Nenne mir bitte deine top Lieblingskinderbücher:

  • “Das alles ist Familie” von Michael Engler und Julianna Swaney

  • “Meine Freunde, das Glück und ich” von Elisenda Roca und Rocio Bonilla

  • “Nelly und die Berlinchen - Rettung auf dem Spielplatz” von karin Beese und Mathilde Rosseau

  • “Theo liebt es bunt” von Samuel Langley-Swain und Ryan Sonderegger

  • “Yoga für Minis”v von Barbara Ekelund

  • “Wie siehst du denn aus?” von Sonja Eismann und Amelie Persson




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