Postpartum

July 7, 2016

Nichts ist schlimmer als, dass sich das Baby verspätet. Wenn der Entbindungstermin (ET) zum normalen Tag wird und man am nächsten Tag immer noch schwanger ist. Dein Handy wird nicht aufhören zu läuten. Freunde und Verwandte wollen sich natürlich erkundigen, wie es dir denn so geht und, ob dein Putzerl schon endlich da ist?!

Die nackte Wahrheit:

In den letzten Wochen drückte es so arg auf meine Blase, dass ich meistens nur noch im Stehen und unter der Dusche pinkeln konnte. Ich hatte nonstop das Gefühl aufs Klo gehen zu müssen, dort angekommen kam aber nix heraus. Im letzten Schwangerschaftsmonat habe ich sage und schreibe 55 Euro nur für öffentliche Toiletten ausgegeben. Tagsüber spazierte ich stundenlang, ging mit Freunden ins Kino, legte die Babykleidung zum x-ten Mal schön zusammen, packte die Kliniktasche aus und wieder ein (irgendetwas muss ich ja wohl tun um die Zeit totzuschlagen). Nachts lag ich (so gut mir das Liegen gelang) im Bett und sah mir im Internet Babyfotos an und habe dutzende Mama-Seiten auf Facebook geliked. Ich hatte außerdem gefühlte hundert Mama-Apps heruntergeladen. "Wie wird sie wohl aussehen?" Diese Frage stellte ich mir am meisten, denn ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie meine Tochter wohl aussehen würde. Ich hoffe sie ist kerngesund. Ich hoffe sie kommt endlich. Und 6 Tage nach ET kam sie tatsächlich. 
Ab 22 Uhr bis Mitternacht hatte ich regelmäßige Schmerzen. Es fühlte sich an wie ganz starke Regelschmerzen die kamen und gingen, dann wieder kamen. Ich dachte, es seien wieder einmal die Vorwehen, die ich schon seit Wochen hatte. Zur Sicherheit fuhr ich aber ins Krankenhaus (zum 3. Mal in diesem Monat, die Empfangsdame auf der Geburtenstation verdrehte schon die Augen, als sie mich sah). Ich dachte echt, sie würden mich wieder nach Hause schicken, aber diesmal blieb ich. Anscheinend war die Fruchtblase seit 3 Tagen "geplatzt" gewesen. Wie das möglich ist? Man muss das Fruchtwasser nicht immer in einem "Schwall" verlieren. Bei mir war das so, dass mein Baby mit dem Kopf so tief unten war, dass das Fruchtwasser bei mir seit 3 Tagen leicht "tröpfelte". 
Nach 8 Stunden Einleitungswehen (wie SEHR starke Regelschmerzen) und 4 Stunden Presswehen (wie SEHR starke Verstopfung), kam ENDLICH mein kleines Putzerl auf die Welt. 12 Stunden Schmerzen ohne PDA (fragt mich nicht wieso), die ich niemals vergessen werde. Am meisten hatte ich vor einer möglichen Saugglockengeburt und/oder einem Dammriss/-schnitt Angst. Eine Saugglockengeburt hatte ich Gott sei Dank nicht, dafür aber Risse - innen und außen. Ich habe aber keinen von ihnen gespürt, genauso wenig habe ich die Naht gespürt. All die Schauergeschichten, die ich darüber gehört habe und, wie alles vergessen ist, sobald man sein Kind zum ersten Mal sieht, alles stimmt- irgendwie. Aber man kann es keinem erklären, denn jede einzelne Geburt ist einzigartig.

Worüber keiner mit dir redet:
Ich dachte die Geburt an sich wäre das schlimmste Erlebnis in punkto Muttersein. Dass ich die ersten paar Monate nicht viel schlafen würde, fand ich auch nicht allzu tragisch, denn ich war darauf eingestellt. Immerhin sagt es dir auch jeder. ABER, dass die ersten Tage stillen mit Abstand das Schrecklichste auf der Welt sind, dass dieser nun hängende Bauch nur mit viel Schweiß weggearbeitet werden kann, dass der Baby-Blues in mir eintritt, sobald das Baby aus mir rauskommt, dass ich manchmal wünschte, ich könnte mich wo hinstellen und schreien, da ich ihre Schreie nicht mehr hören kann, DAS sagt dir keiner! Im Netz gibt es nur Fotos von wunderschönen Frauen mit vollen Brüsten, die ein Baby in den Arm halten und stillen. So sieht die Realität aber nicht aus. Auch die geschminkten, fitten Mütter brauchen Zeit nach der Geburt und sind oft eben "geschminkt fit". Wenn du nicht zu ihnen gehörst, ist das völlig okay. Auch wenn du zu ihnen gehörst, ist das okay. Ich hatte im Krankenhaus 3 Zimmergenossinnen. Die eine war von Beruf Fitnesstrainerin und hatte keinen einzigen Dehnungsstreifen am Bauch. Sie war sehr hübsch und sah nicht so aus, als hätte sie gerade erst entbunden, sondern, als hätte sie letzte Nacht etwas viel gegessen. Die Zweite hatte einen Notkaiserschnitt hinter sich und brauchte einige Tage, bis sie zu Kräften kommen konnte und überhaupt mit uns sprach. Die Dritte scherzte schon sobald sie ins Zimmer kam und war ein richtiges Energiebündel. Ich persönlich fühlte mich gut, etwas schwach und hatte massive Augenringe. Warum erzähle ich euch das? Weil wir alle unterschiedlich sind. Keiner redet über die Schattenseiten des Mutterseins, aber es wäre toll, wenn wir es doch tun würden. Es ist tabu darüber zu reden, denn tust du es doch, bist du automatisch eine Rabenmutter. Ich bin auch eine Rabenmutter, ich gebe es ganz offen zu. Es gibt Tage, da bin ich eine Rabenmutter und das weiß ich. Dann gibt es Tage, an denen ich eine Supermama bin und auch das weiß ich. Vor allem bin ich aber eine ehrliche Mutter und wenn mich eine schwangere Freundin über das Stillen fragt, dann sag´ ich ihr "Besorg´ dir Lanolin." Das ist eine Salbe, die man im Krankenhaus schon in kleinen Mengen bekommt, die man sich auf die Nippel schmiert. Sie sorgt dafür, dass der Schmerz gelindert wird. Das klappt sehr gut, außerdem ist sie geruchs-und geschmacklos, also ideal für Mama und Kind. 

Das Wochen- Horror- Bett:
Für all jene, die es nicht wissen: Wenn du einmal die Geburt deines Kindes hinter dich gebracht hast, wirst du ca. - je nachdem- zwischen 6 und 8 Wochen Blutungen haben. NICHT LUSTIG! Natürlich ist auch diese Erfahrung von Frau zu Frau anders, nur hätte ich das gerne schon vorher gewusst. Gerade am Anfang möchte man doch für sein Kind stark sein und wenn man daran scheitert, entstehen echt große Schuldgefühle. Ich weiß jetzt schon, dass ich mein nächstes Baby mehr "genießen" werde, weil ich schon in etwa weiß, was auf mich zukommen wird und durch diese Erfahrung habe ich gelernt, dass psychische Einstellung echt viel wert ist. Ich wusste von Anfang an, dass ich wahrscheinlich das ganze erste Jahr  nicht durchschlafen würde. Habe ich bis dato auch noch nicht, aber da ich dies im Vorhinein schon wusste, ist es keine allzu große Sache. Das Wochenbett ist anstrengend, du wirst mit Schmerzen und Schlaffheit beschäftigt sein, wo du dich am liebsten mit deinem Baby beschäftigen wollen würdest. Deswegen, durchsteh` diese Zeit nicht alleine.

Zeit ist das Zauberwort:
Lass dir Zeit mit deinem Kind, hol´ dir Hilfe (dein Partner, deine Mama, seine Mama, Hebamme, eine gute Freundin etc.), du darfst auch Milch abpumpen, wenn dir das Stillen - und das wird es- am Anfang zu viel wird. Nur weil überall Mütter niedergemacht werden, weil sie hin und wieder einmal abpumpen, heißt das nicht, dass du es nicht darfst. DU entscheidest was du darfst! Stillen ist Teamwork und braucht Zeit. Ich habe mich in der Schwangerschaft am meisten auf das Stillen gefreut und brauchte aber einige Tage, bis ich die Schmerzen meistern konnte. Auch heute noch kommen und gehen die Schmerzen. Ich wusste nicht einmal, dass es wehtun würde und dachte ich wäre unfähig mein Kind zu ernähren. Lass´ dir von keinem einreden, dass du eine schlechte Mutter bist, wenn du für etwas länger brauchst, eine Sache anders, oder vielleicht langsamer als andere machst. Es ist okay, solang du es für okay empfindest.


Mein Tipp:  Wie oben schon erwähnt ist die Salbe "Lanolin" sehr zu empfehlen, was die Schmerzen beim Stillen betrifft. Wenn die Milch (am dritten Tag nach der Geburt) einschießt, werden deine Brüste sehr angeschwollen sein. Was die Schmerzen hier lindert ist folgendes Hausmittel: kalte Topfen-kompressen. Solltest du starke Dehnungsstreifen haben, dann empfehle ich das "Hebammen-Narben-Öl" aus der Apotheke (kostet ca. 6 Euro ). Es ist von Hebammen entwickelt worden und bewirkt wahre Wunder. 

 

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