Vollzeitmama mit Büroweh

July 31, 2016

 

 

 

Irgendwann schleicht es sich ein. Es ist ein Gefühl. Bei einigen dauert es Tage, bei wieder anderen dauert es Wochen, bei einigen braucht es Monate und bei manchen taucht es gar nicht erst auf. Dieses leise und doch irgendwie laute Gefühl, das du zu unterdrücken versuchst, ist das "Büroweh". Viele Mütter vermissen schon sehr bald nach der Geburt ihrer Kinder ihren Job. Ich gehöre zu ihnen. 

"Bist du jetzt nur noch Mama?"
Ich vermisse es meine Laufschuhe anzuziehen und mich auf den Straßen Wiens auf der Suche nach guten Storys zu machen. Ich vermisse es morgens bis abends unterwegs zu sein und ja, ich sehne mich nach dem Arbeitsstress, über den ich mich jahrelang beklagt habe. Heute weiß ich, dass es eine "gute Art" von Stress war. Denn nur durch das Arbeiten habe ich mich wichtig und nützlich gefühlt. Ich gebe es ganz offen zu: Ich brauche es für mein Ego. Ich brauche es, um selbstbewusst durch das Leben zu gehen, dass ich mein Geld selbst verdiene. Ich brauche diesen geregelten Rhythmus Tag für Tag, Input, Kontakt, Information, Kommunikation mit Menschen, die in vollen Sätzen sprechen und Herausforderungen am Arbeitsplatz. Ich habe feststellen müssen: Ich bin mit diesem Gefühl nicht alleine. Vielen Müttern geht es genauso. 
Schon wenige Wochen nach der Geburt meiner Tochter schrieb mir eine Leserin "Bist du jetzt nur noch Mama?" Ich weiß, sie meinte diese Frage nicht böse, ich bin mir aber zu 100% sicher, sie ist (noch) keine Mama. Denn dieses "nur noch Mama" tat sehr weh. 
Eine Mama gibt in dem Moment in dem sie zur Mama wird, für eine sehr lange Zeit ihr Leben für deines auf. Meine Mutter hat ihre Karriere aufgegeben und erst wieder gearbeitet, als ich angefangen habe zu studieren. Nicht viele bekommen den Alltag einer Vollzeitmama mit, aber es ist ein knochenharter 24/7 Job. Dennoch, du vermisst deinen eigenen. Am meisten vermisse ich meinen Job, wenn ich das Gefühl habe als Mutter zu versagen - und dieses Gefühl habe ich recht oft. 

Arbeitsplatz Wohnzimmer:
Wenn ich nach den Tatsachen gehe: Im Moment ist es unmöglich, dass ich wieder arbeiten gehe, da ich finde, meine Tochter ist noch viel zu jung für fremde Betreuung. Was tu´ ich gern? Einfach für mich? Was brauche ich, um halbwegs nicht durchzudrehen? Da wären: schreiben, lesen, kochen, schwimmen, pflanzen, fotografieren, etc. 
Gut, all das macht mich glücklich (das heißt aber nicht, dass ich es gut kann). Ich fühle mich wohl, wenn ich diese Dinge tue. Dies ist auch der Grund, warum es diesen Blog gibt. Dies ist nicht mein erster, sondern schon der dritte Blog. Dieser unterscheidet sich jedoch von den anderen: Es gibt ein zentrales Thema: Mama-Sein. Ich kenne mich damit nicht gut aus, aber ich liebe es und schreibe gerne darüber. Hin und wieder auch ganz ungeblümt, denn "Schöne-Mama-Geschichten" gibt es in Klatsch-Magazinen zu genüge. Sollte ich jemandem damit helfen, dann super, sollte ich jemanden damit unterhalten, toll, aber vor allem: Ist dies etwas ganz allein für mich. Ich schaffe es mittlerweile wach zu bleiben, wenn Laila nachmittags schläft. Diese Zeit gehört mir. Mein Mann nimmt sie mir einmal die Woche ab, damit ich Blogs schreiben kann. Dies reicht mir vollkommen. Natürlich, ich vermisse meinen Job immer noch, aber ich habe gelernt die Zeit mit meiner Tochter umso mehr zu genießen und habe gelernt: Damit es deinem Kind gut gehen kann, muss es erst einmal dir gut gehen. 

Mein Tipp: Diese Zeit mit deinem Kind bekommst du nicht mehr zurück. Sie vergeht sehr schnell. Zuerst lächeln sie dich bewusst an, dann geben sie Laute von sich und schwupps- sie krabbeln schon und haben Zähne. Finde eine Möglichkeit dich selbst nicht zu verlieren, genieße aber vor allem die Zeit mit deinem Zwergchen.  

 

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