Meine Challenge

December 9, 2016

Was die Geburt eines Kindes mit dir macht
Abgesehen von den Schwangerschaftsstreifen( die aussehen, als hätte dich ein wütender Tiger am Bauch attackiert), kommt nach der Geburt eines Kindes noch dazu, dass alles hängt. Der Bauch hängt, der Busen hängt, der Wille abzunehmen hing davor auch schon schief und hängt nun noch schiefer denn je. Stillen macht hungrig, Kindern nachzulaufen macht noch hungriger und das Ganze entwickelt sich zu einem Teufelskreis, der sich immer weitet und weitet. Auch wenn man versucht sich gesünder zu ernähren und öfter Sport zu machen, die eine Woche klappt es, die andere eben nicht. Einen Tag lang ist man motiviert, zehn weitere nicht. Aber irgendwann merkt man, dass es so nicht weitergehen kann und, das ist meistens ein Moment, in dem man seinen Körper zum ersten Mal so richtig hasst.

 

Meine Challenge:
An einem ruhigen Abend schickt mir meine Cousine (leider) ein altes Foto von mir. Auf dem Foto wog ich gerade einmal 58 Kilo und hatte einen Körper, für den ich heute töten würde. Ich sah in den Spiegel und mir kam das Speiben: Vom Hals abwärts gefiel mir nichts mehr an mir.NICHTS. Ein paar Tage später sehe ich auf Facebook Werbung von „Challenge Yourself- Das Bootcamp“. Von der Motivation geküsst, buchte ich den Oktober- Kurs. So sahen die Regeln aus:
--> 16 Einheiten (4 Mal die Woche),
--> nur für Frauen (8-12 Teilnehmerinnen pro Kurs),
-->eine Einheit = eine Stunde,
--> einen  Ernährungsplan bekommt man auch zugeschickt.

1. Woche:  Bad Romance
Als die Trainerin von uns wollte, dass wir Seilspringen, kam mir das Lachen. Das ist doch voll der Babykram, aber okay. Und schon nach den ersten 20 Sekunden musste ich feststellen: Alter, Seilspringen ist Mord! Wo ist meine Kondition geblieben? Mir bleibt beim Seilspringen die Puste weg? Mir? Das kann es ja wohl nicht sein! Im Hintergrund singt Lady Gaga laut „Bad Romance“ und ich denke mir nur:“ Ja, es ist tatsächlich sehr bad, dass ich hier den 7 Uhr in der Früh Kurs besuche, welcher Affe hat mich denn gebissen, dass ich als Nicht- Morgenmensch und überzeugte Nachteule so etwas tue?“
„Weiter Mädels, weiter, weiter, nicht aufgeben“, motiviert uns die Trainerin, deren zierliche Oberarme ich gerne hätte. Ich habe leider einen Kopf in der Größe einer Erbse und Oberarme wie der Hulk – einfach nur schrecklich!
Das Gute an den Übungen ist, dass man sie auch zu Hause machen kann, nur höre ich da auch meistens nach wenigen Minuten auf, bestell´ mir eine Pizza und habe eher wenig von dem Ganzen. Hier werde ich auf liebe Art dazu gezwungen weiterzumachen- aufgeben geht nicht!
Einer der schlechten Punkte, von dem es aber kein Entkommen gibt: Der Muskelkater danach. Ich konnte nach den ersten Tagen weder gehen, noch sitzen und da wir tatsächlich den ganzen Körper trainieren, waren auch meine Arme taub. Ich hatte einen Muskelkater an Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass sich dort Muskeln befinden.
 

2. Woche: Kleidung macht Bauch-Beine-Po
Für mich war Sportkleidung nie interessant. Ich habe diese bunten Stretchhosen in jeder Shoppingmall übersehen und hielt Menschen, die extra für das Laufen Sportklamotten und Schuhe shoppen gehen für Idioten mit einem Hauch zu viel Geld. Falsch gedacht!!! Im Trainingsraum des Bootcamps trainiert man vor einer Spiegelwand und das in einem Raum, wo das Licht sehr hell ist. Beim Springen sah ich mir also selbst direkt in die Augen und sah leider viel zu deutlich, wie mein nicht sehr straffer Brauch mitsprang: Hopsi, Hopsi, Hopsi! EKELHAFTER ANBLICK! Wie sich die Sportkleidung anfühlt und wie sie beschaffen ist, spielt echt eine große Rolle! Ob der Busen fest angeschnallt ist, oder fröhlich mit-jumpt, oder sogar aus dem BH hinaus jumpt- spielt eine entscheidende Rolle. Ob meine Wampe zu viel Freiheit hat, oder die Stretchhose so eng anliegt, dass der Bauch nicht zu sehr mitschwingt- spielt ebenso eine Rolle. Ob meine Schuhe einfach nur alte Turnschuhe sind, oder feste Sohlen haben, die einiges aushalten- spielt auch eine Rolle. Ich war zum ersten Mal extra für das Sporteln shoppen und ich habe es nicht bereut. Im Gegenteil, ich sehe jetzt in jedem Geschäft die Sportkleidung zuerst und muss mich teilweise zurückhalten, damit ich nicht mehr kaufe, als ich mir leisten kann.

 

3.Woche: Kettlebell & Burpees
Was ist ein Burpee? Ich kannte diesen Miesmacher vor dem Bootcamp nicht. Ein Burpee ist eine Hocke, gefolgt von einem Liegestütz, wieder gefolgt von einer Hocke, gefolgt von einem Sprung und Klatscher. All das zusammen ist eine Übung, die sich „Burpee“ nennt und in jeder Einheit zu machen.
Ich hasste Burpees. Burpees sind böse. Burpees erinnern dich daran, dass du ein Loser bist und weder eine Hocke, einen Liegestütz, noch springen kannst. Alles was du kannst ist klatschen und selbst nach einem Burpee kannst du das nicht mehr.
Kettlebells sind Gewichtkugeln mit Haltehaken. Wir haben sie für alle Arten der Squats (Kniebeugen) gebraucht. In dieser Woche waren diese beiden Übungen nicht nur intensiv vorhanden, sondern wurden zu meinem persönlichen Begleiter, selbst in meinen Träumen- Albträumen, versteht sich. Mein Ego konnte es nicht ertragen, dass ein sogenannter Burpee mir die Laune vermiesen konnte. Ich habe zu Hause richtig viele Burpees gemacht. Ich habe eine 12 Stunden Geburt ohne PDA hinter mich gebracht, ich habe ein Studium abschgeschlossen und ich habe eine Persönlichkeit, die es mir nicht erlaubt, dass ein Burpee mich niedermacht! Ich lass´ mich nicht von einem Burpee runterkiregen! Und tatsächlich. Nach intensivem Burpeetraining, hab ich diesen Kerl sogar richtig lieb gewonnen.

4. Woche: (Selbst)Disziplin & (Selbst)Respekt
In der 4. Woche geschah das, was jeder Mutter passieren kann: Mein Kind wurde krank. Meine Tochter hatte Fieber und ich musste zu Hause bleiben. Ich habe die komplette 4. Woche das Training ausgesetzt – jedenfalls mit den Mädels und der Trainerin. Zu Hause habe ich weitertrainiert und habe einen krassen Unterschied bezüglich Ausdauer und Selbstliebe gemerkt. Erst nun kam ich darauf, dass ich mich nicht für die Challenge angemeldet habe, weil ich meinen Körper hasse, sondern eher, weil ich ihn liebe und ihm etwas Gutes tun wollte, das sich nun auch sichtbar machte. Und genau das ist es, was ich in der Challenge gelernt habe: Selbstdiziplin. Selbstliebe. Selbstrespekt. Sport ist wichtig im Leben, noch wichtiger jedoch, ist die Disziplin diesen regelmäßig zu treiben und die Liebe zu sich selbst. Ich gebe zu: Pasta& Pizza stehen immer noch auf meinem Essensplan und das wird sich auch nicht ändern. Wozu auch? Es ging mir von Anfang an nicht darum Größe 34 zu tragen, sondern, mich in meiner eigenen Haut wohler zu fühlen und das tu´ ich jetzt endlich. Ich habe keine Waage mehr zu Hause und jage keinen Zahlen mehr hinterher, sondern nur noch meinem Glück.

 



 

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