Von Bloggermamas und Instagramistas

January 26, 2017

Wie alles begann...

Es war der erste Abend, an dem ich meine Tochter nicht mitgenommen habe. "Geh´ und triff deine Freunde, du brauchst mal eine Auszeit, ich passe gerne auf", sagte meine Mutter zu mir und ich war dankbar für das Angebot. Es war schon Monate her, dass ich mich schick machte, High Heels trug und alleine aus dem Haus ging. Herrlich! Es tat auch gut die Mädels wieder zu sehen. Nach dem Essen saßen wir noch da und tratschten. Eine meiner Freundinnen sah mich an und fragte neugierig:" Wann schreibst du wieder etwas? Ich vermisse deinen Witz, deine Worte, kommt jetzt nix mehr?" Ich habe damals einen Schmerz gespürt, den ich nicht beschreiben kann. Schreiben ist das einzige, was ich kann. Ich habe mir damit meine Brötchen verdient, ich hatte immer Zeit dafür, aber nun, als frischgebackene Mutter, hab ich nicht einmal mehr Zeit um in die Nase zu bohren. "Ich denke, da kommt jetzt nix mehr, nein", sagte ich und versuchte das Thema zu wechseln. Sie aber, beharrte darauf:"Du kannst doch nicht einfach aufhören. Was wird aus deinem Buch? Was wird aus deinem Aktivismus für Musliminnen in Österreich und Frauen generell? Was wird aus dir?"
Danke für das Salz in meine Wunde, dachte ich mir, lächelte und sagte :"Ich bin jetzt Mutter."
"Na und", kam von ihr ganz salopp und ich war kurz davor meine Nerven zu verlieren :" Hör´ mal, das ist nicht so einfach, wie du es dir vorstellst. Schreiben braucht Zeit, viel Zeit, Lust und einen freien Kopf. Mein Kopf ist grad alles andere als frei. Können wir bitte das Thema wechseln? BITTE!" Sie sah mich an und sagte selbsbewusst:" Wenn ich dich im Fernsehen gesehen habe, war ich stolz darauf, deine Freundin zu sein. Du bist auch eine tolle Mutter, das weiß ich, aber wo ist deine Passion zum Schreiben geblieben?" Stille. Lange Stille.

 

Passion

Auf dem Heimweg saß ich in der Straßenbahn, lehnte meinen Kopf gegen die Fensterscheibe und dachte über mein Leben nach. Passion. Ja, wo war sie denn geblieben? Irgendwo zwischen Windeln und Beißringen verschwunden, rate ich einmal. Ihre Worte haben mich so sehr getroffen, wahrscheinlich weil sie wahr sind. Ich hatte früher  schon einmal einen Blog, wo ich meine Gedanken veröffentlicht habe, aber dieser hat kläglich versagt. Ich habe Freunde, Verwandte und Bekannte auf Facebook dazu genötigt die Seite zu liken, zu teilen und zu lesen. Ich denke damals haben mich sogar einige gelöscht, so genervt waren sie von mir. Ich hatte kein spezifisches Thema und genau das war mein Problem, neben der Unfähigkeit mit der Technologie auszukommen. Außerdem, wer würde das schon lesen wollen, was ich schreibe? Ich schreibe weder über Mode, Make Up, oder veganem Lifestyle, also bin ich uninteressant für alle Menschen. "Nicht für alle Menschen. Mütter würden dich gerne lesen. Ich bin Mutter und ich lach mich immer kaputt, wenn du mir von deinem Alltag  mit deiner Tochter erzählst, schreib doch darüber", rät mir eine Freundin. Gut, ich hätte schon einmal ein konkretes Thema: Mamasein
Nicht, dass ich mich immer damit auskenne, aber ich würde trotzdem unheimlich gern über mein Muttersein schreiben. Und was soll das Ziel sein? Unterhaltung, aber auch Information. Ja, das gefällt mir. "Du musst aber auf jeden Fall ein Instagram-Account haben für deinen Blog, das ist jetzt trendy, ohne dem brauchst du gar nicht anfangen", erzählt mir eine andere Freundin, die ein richtiger Social-Media-Freak ist.

The World of Instagram:
Ich habe irgendwann einmal einen Instagram-Account erstellt: 11 Beiträge und 5 Follower. Ich habe mich nie für Instagram begeistert, weil ich mich damit nicht auskannte. Wieso um alles auf der Welt soll ich Fotos aus meinem Leben posten? Für wen? Wen interessiert das was ich gegessen habe, oder wie ich morgens im Bett beim Frühstücken aussehe (als Mutter ist Frühstück im Bett sowieso eher eine Traumvorstellung)? Und warum um alles in der Welt muss man dabei seine Beine zeigen? Und wer ist das arme Schwein, das über meinen Kopf steht und den Blödsinn auch noch fotografieren muss?
Aber okay, wenn ich dadurch den Kontakt zu meinen Lesern nicht verliere, dann möchte ich es probieren. Ich habe mir vorgenommen Instagrammütter über Instagram zu beobachten und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: Sie
ALLE lieben Yoga, haben ein Home-Office mit schönen Blumen am Schreibtisch, haben eingerahmte Sprüche auf der Wand hängen, sehen aus wie Fitnesstrainerinnen (oder sind sogar welche), können perfektgeschnittene Avocadoscheiben auf Brot herrichten, oder das sogenannte #nicecream (keine Ahnung was das ist). Sie schneiden Drachenfrucht in Sternförmchen auf ihr Müsli und sind tolle Fotografinnen, die so nebenbei auch das Muttersein meistern und all das, natürlich, mit perfekter Frisur. Das ist noch nicht alles: einige von ihnen posten jede Stunde ein Foto, oder eine sogenannte Story und das jeden Tag.

 

Meinstagram:

Ich kann kein Yoga. Zwischen Yoga und mir gibt es kein Namaste. Wir verstehen einander einfach nicht, weil ich nicht gelenkig bin und man während dem Yoga nicht reden sollte- tja, daran hat mich Yoga verloren. Ich habe zwar eine Yogamatte, aber auf der liege ich am Strand und lass mich sonnen, also ist es meine #YogaSonnenMatte. Mein Home-Office ist mein Bett, oder unser Esstisch, das nicht mit frisch gepflückten Blumen, sondern mit Windeln(manchmal halbvoll)  und Spielzeug geschmückt ist. Ich mag keine Avcados. Ich finde nicht, dass diese auf dem Brot schmecken. Wenn ich sie kaufe, dann kommen sie in den Salat und der Kern in die Erde in einem Topf, wir haben schon zwei Avocadopflanzen: Elma und Luise. Ich liebe exotisches Obst, ich liebe es zu fotografieren, aber bevor ich Obst in Förmschen schneide, esse ich es und ich würde niemals behaupten ich sei eine Fotografin, nur weil ich im Besitz einer Kamera bin. Ich traue mich kaum zu sagen, dass ich Journalistin bin, ich sehe mich eher als jemand, der gerne schreibt und damit eben sein Geld verdient. Auch meine Haare sitzen nicht so, wie sie sollten- NIE!!! Wenn ich kein Kopftuch tragen würde, wäre mein zweiter Name Struwwelpetra. Und hier hat mich folgender Gedanke gepackt: Welches Mutterbild soll mein Instagram zeigen? Und mach ich bei diesem Eine-Mutter-muss-alles-können-Marathon mit? Nein!
Das Bild vieler Mütter auf Instagram ist nicht jenes, das ich meinen Lesern vermitteln möchte. Ich finde es nicht (immer) echt. Ich habe mich dazu entschieden sehr wohl mit einem Blog zu starten und auch auf Instagram etwas mehr Life als Style zu posten. Ich möchte damit niemandem zu nahe treten, mir ist schon klar, dass man niemandem folgen möchte, der ein "gewöhnliches" Leben hat, immerhin ist ja das eigene schon gewöhnlich genug. Und dennoch: Ich bin froh mit dem Blog angefangen zu haben und vor allem, dass ich auch mein

 Instagram-Account mit meinem "gewöhnlichem" Mamaleben fülle. Ich freue mich über jede einzelne Nachricht meiner Leser und bin dankbar dafür, dass der Kontakt zwischen ihnen und mir nicht abgebrochen ist. Ich erwarte auch nicht, dass ich über hunderttausende von Follower habe, sondern, dass die paar, die ich habe, am Ende des Tages unter ihrer Bettdecke ihr Instagram durch-scrollen und sich in diesem ganz normalen Wahnsinn des Mamaseins nicht alleine fühlen. Da ich auch dutzende Nachrichten bekomme, von Müttern, die sich über meinen Alltag als Mami totlachen, bin nun auch ich ein Fan von Instagram. Es macht auch wirklich süchtig, vor allem dann, wenn man andere "Normalo-Mütter" dort findet. Jede Mama könnte so viel über dieses Abenteuer "Mamasein" erzählen, schreiben und fotografieren, ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und noch glücklicher darüber bin ich, dass ich auch andere stinknormale Mütter auf Instagram gefunden habe und meine Leser einen ganz persönlichen Kontakt zu mir haben können.

 

 

 

 

 

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