Als Baby ist das Leben hart

March 30, 2017

 

Der Schein trügt:

Wir Mamis regen uns immer darüber auf wie schwer das Mamasein so ist. Ja, überall im Internet sind Foren voll von unserem Gejammer, dass wir zu wenig Schlaf kriegen, unsere Karrieren beendet und Strandfiguren baden gegangen sind. Nix und wieder nix kann man uns Recht machen. Dabei vergessen wir eine ganz wichtige Sache: Haben wir uns je auch nur kurz Gedanken darüber gemacht, wie es wohl unseren Putzis geht? Nein! Denn es scheint so, als ginge es ihnen gut. Die kleinen Hosenkackser schlafen, trinken, werden gebadet, beschmust und es gibt eigentlich nichts, worüber sie sich aufregen sollten (wenn sie könnten). Nun ja...ist es denn wirklich so?? Gehen wir es doch einmal Schritt für Schritt durch...
 

Deine Geburt:

Da sitzt du monatelang in einer feuchten Seifenblase, hast es warm und kuschelig, bis plötzlich das Wasser ausläuft. HIIIIIILFE! Was jetzt??? Es wird immer enger, du spürst einen festen Druck, der sich alle paar Minuten wiederholt und das STUNDENLANG! Bis du des Wahnsinns?! "Wo soll ich denn bitte noch hinrutschen", denkst du dir und siehst dann ganz weit weg im Dunklen, einen kleinen hellen Punkt. Es ist das bekannte "Licht am Ende des Tunnels". Gut, dann wollen wir dort einmal hin. Du drückst dich so gut es geht dorthin und spürst, dass dir eine höhere Macht dabei hilft. Irgendwer oder irgendetwas drückt dich nämlich genau in die Richtung, in die du willst. HoRuck, HoRuck, noch einmal mit ganz viel Kraft, raus da, du drückst dich mit aller Kraft in Richtung Licht, dort muss etwas auf dich warten, das spürst du ganz tief. Und dann, nach ganz vielen Stunden, viel Drückerei von oben und dir selbst, kommst du tatsächlich ans Licht und man legt dich auf jemanden drauf. Und obwohl du ganz erschöpft, hungrig und müde bist, schaust du aber zu diesem Wesen, das du nur verschwommen sehen kannst. Und du stellst fest: Das ist das Allerschönste, das du je erblickt hast. Sogar schöner als die Blase, auf die du wochenlang herumgedrückt hast- so zum Spaß. Sogar schöner als die Plazenta, von der du Kuchen und leckere Smoothies bekommen hast- FAST JEDEN TAG. Du hättest nicht gedacht, dass irgendetwas auf der Welt die Plazenta toppen könnte! Tja, falsch gedacht. DAS hier ist das Allerschönste. Das ist bestimmt deine Hilfe beim Drücken gewesen, dein Schutzengel, der dich befreit hat. Und er riecht so gut, dieser Engel, so lecker, lieb und angenehm. Du kannst diesen Engel zwar nicht richtig sehen, aber du spürst seine Liebe und fühlst dich auf seiner Brust geborgen.
 

Deine Sicht als Baby:
Das ist alles zuckersüß, aber nur eine Frage der Zeit. Denn bald schleichen sich Störenfriede ein. Der erste Störenfried: Nahrung. Stillen ist nicht nur für manche Mamis am Anfang anstrenged, sondern auch für Babys. Immer dann, wenn du versuchst nach dem Nippel zu schnappen, hält Mama die Brust falsch und erdrückt dich halbert damit. Und immer dann, wenn du richtig gut im Trinkrhythmus steckst, wechselt sie die Brust, weil irgendeine Freundin, die schon länger Mama ist, ihr das so empfohlen hat. Außerdem hast du schreckliches Bauchweh und Papa denkt, dass der Fliegergriff reicht, um den Schmerz zu lindern. Mama dagegen steckt dir alle paar Stunden Kümmelzäpfchen ins Popscherl, damit sich diese Angelegenheit erledigt. Autsch, Autsch, Autsch!
Trinken funktioniert jetzt etwas besser, weil Mama und du ein bisschen geübt habt. Diesbezüglich kannst du dich eigentlich nicht beschweren. Nein, nur der Schlaf ist nicht so angenehm. Da schläfst du tief und fest und träumst von einer vollen Milchbrust und Kuscheleinheiten und was dann? Dann spürst du Nässe.  Was ist es mit dem Auslaufen von Wasser in deinem Leben? Einmal ist es die Fruchtblase, dann ist es ständig deine eigene Blase?! Und was jetzt? Jetzt juckt es untenrum, ist extrem unangenehm und du kannst dich nicht einmal kratzen!! Gut, dann schreien wir eben. Der allerlauteste Schrei weckt Mami und sie kümmert sich um die Sache und nimmt dich zu ihr und Papa ins Bett. Eigentlich willst du sie ja gar nicht wecken, aber sie ist nun einmal deine Hände und Füße, bis du deine kontrolliert einsetzen kannst. "Ich hoffe sie weiß, dass ich sie nicht wecken will, sondern muss", denkst du dir. Mama und Papa geben sich so viel Mühe mit dir. Auch deine junge Tante, die ständig Selfies mit dir aufnimmt und auf FaceBook postet, wie glücklich sie über deine Anwesenheit ist, hast du gern. Immerhin hat sie dir ganz viele tolle Sachen geschenkt. Aber sobald du sie einmal ansabberst- und das tust du ziemlich oft- gibt sie dich sofort deiner Mama zurück. Damit Mami ein bisschen ausschlafen kann, besucht uns Omi. Mutti ist immer so müde, wahrscheinlich weil Papa beim Windelwechseln so viel Hilfe von ihr braucht und sonst auch etwas hilflos durch die Gegend schaut. Sie muss ihm bei so vielen Dingen unter die Arme greifen, seitdem du da bist. Ja, es muss an ihm liegen, dass sie so müde ist, du kannst es ja wohl nicht sein! Omi hat dich ganz lieb, auch wenn sie dir ganz bunte Kostüme kauft, die du niemals tragen würdest, hättest du die freie Entscheidung dazu. Außerdem füttert sie ständig mit Tee zu. "Der schmeckt mir nicht", würdest du ihr gerne sagen, aber da hilft wohl nix, nicht einmal weinen. Die Frau ist stabil, ein Schrei hilft bei ihr nicht viel. Jetzt ist das ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wer gewinnt? Hosenkackser oder Omi? Ihre Geheimwaffe ist der Tee begleitet von massiver Muttererfahrung- gut, aber schwach. Du hast nämlich die Waffe aller Waffen: Dein Popscherl! Einmal draufgedrückt und wortwörtlich "Gas geben" und die allerliebste Omi, mit dem allerbesten Tee und der allerlängsten Erfahrung, ergibt sich. "Bitteschön, da hast dein Kind, der Geruch ist ja fürchterlich, ich hab schon Tränen in den Augen", mit diesen Worten weckt sie deine Mama und du bist heilfroh, dass du gewonnen hast.

Mamasein ist schwer. Babysein auch. Unsere Kinder können es uns als Babys noch nicht selber sagen, aber sie wissen sehr wohl zu schätzen was wir tun. Sie spüren es. Oft scheint es nicht so zu sein, aber dieser Schein trügt gewaltig. Denke immer daran: Dein Kind liebt dich. Und ja, wir dürfen und müssen auch manchmal darüber jammern, dass das Mamasein nicht leicht ist- besser rausschreien als hineinfressen. Aber wir müssen auch daran denken: Auch als Baby ist das Leben manchmal hart.

 

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