Mamasein

April 7, 2017

 

 Fotocredit: Maggie Kramer

 

Wir sind laufen. Meine beste Freundin und ich. Einmal in der Woche spielt mich mein Mann frei, und ich kann so ganz ohne Kinder für zwei Stunden etwas für meinen Körper und meine Seele tun. Für meinen Körper gehe ich laufen, für meine Seele mache ich das gemeinsam mit meiner besten Freundin.

Es tut gut, mal etwas abzuschalten und über Belangloses oder über lebensverändernde Entscheidungen  zu sinnieren.

Und so laufen wir und plötzlich platzt es aus ihr heraus:

„Maggie, wenn ich dir zuhöre wie du über deine Kinder erzählst und über die Elternschaft, dann vergeht mir die Lust, selber Kinder zu bekommen.“

BAMM! Das hat gesessen.

Ich frage nach. „Erzähle ich nur schlechtes?“ Sofort muss ich mich selbst relativieren. „Na, ich mein, willst du die Wahrheit oder nur das abgedroschene  „Ich liebe meine Kinder über alles – blablabla“ hören?“

Meine Freundin versucht sich zu erklären: „Schau, wenn ich dich frage, wie es mit Kindern ist, dann erzählst du mir, dass es kein Zuckerschlecken ist. Du sagst, dass du seit 4 Jahren nicht mehr durchgeschlafen hast, dass du kaum Oberteile hast, die nicht nach Kotze riechen, dass dein letzter Film den du im Kino gesehen hast, mittlerweile um € 3,99 erhältlich ist und dass du nicht mal mehr Zeit hast dich wirklich richtig gesund zu ernähren.

Gibt es denn keine schönen Momente, in denen du denkst „JA! Das war die richtige Entscheidung!“ 

 

Ich keuche - bin mir nicht sicher, ob es der leichte Anstieg ist, oder ob mir die Worte meiner Freundin die Luft rauben.

 

Ich kann ihr nicht antworten. Natürlich liebe ich meine Kinder. Natürlich war es die richtige Entscheidung. Trotzdem – ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich es keine Sekunde bereut hätte. Die vielen Nächte die ich im Kinderzimmer mit einem schreienden Kind in den Armen verbracht habe. Die vielen (wirklich vielen) Kack-Explosionen, die sämtliche Bezüge und Outfits verdreckt haben. Und die vielen Events, die ich jetzt, als Mutter von zwei kleinen Kindern, einfach nicht besuchen konnte. In all diesen Situationen gab es Sekunden (manchmal mehr, manchmal weniger) in denen ich wünschte, ich hätte mich anders entschieden.

Aber.

Ja, es gibt ein „Aber“...

Aber, in all diesen Situationen, nach all den (mehr oder weniger) Sekunden, sah ich meine Kinder an, und es war einfach gut. Es war okay.

Plötzlich war es in Ordnung, dass das Baby sich die Seele aus dem Leib brüllt. Ich war ja da, und versuchte so gut es geht es zu beruhigen und in den Schlaf zu schunkeln.

Es war in Ordnung, dass die Windel, der Maxi-Cosi-Bezug und meine ohnehin schon alte Jeans voller Kacke waren. Ich war ja da, wickelte, wusch, überzog alles neu, und mein Baby strahlte mich dabei an.

Es war in Ordnung, dass ich nicht mitfahren konnte zu dem Wellness-Wochenende mit den Mädels. Ich war daheim, und kuschelte mit meiner Familie im Bett und wir waren dabei glücklich.

 

Wie sollte ich das aber jemanden erklären? Wie soll ich das Gefühl beschreiben, dass man empfindet, wenn man seine Kinder ansieht und sich denkt: „Oh mein Gott, du bist das schönste Wesen auf dieser Welt und ich werde alles in meiner Macht stehende tun um dich glücklich zu machen!“. Ich erinnere mich daran, wie mich meine Kinder mit ihren entzückenden kleinen Händchen beim Stillen streichelten und ich dabei fast in Tränen ausbrach, weil es einfach sooo schön war.

Ich denke an die Nächte, in denen es mich innerlich fast zerreißt, bei dem Gedanken, dass mir etwas passieren könnte, noch bevor ich meinen Kindern sagen könnte, dass ich sie über alles liebe.

Wie kann man einem Außenstehenden Einblick in diese bedingungslose Liebe zu den eigenen Kindern ermöglichen?

 

Ich blieb stumm. Einerseits, weil ich ohnehin schon fix und fertig war und dieser verfluchte Anstieg einfach nicht aufhörte, andererseits weil ich nicht wusste wie ich meine Gefühle in Worte packen sollte.

Seltsam. Sonst war ich ja auch nicht auf den Mund gefallen.

Text von: Maggie Kramer

 

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