Mitten ins Gesicht

May 3, 2017

Note: #MAMASTE ist durch Zufall enstanden. In den letzten 10 Jahren habe ich Frauen/ Mütter auf der ganzen Welt zu unterschiedlichsten Themen interviewt und dabei sind einige interessante Geschichten entstanden. Bis dato hatte ich noch nicht die Gelegenheit diese überaus einzigartigen Erzählungen auf eine passende Plattform zu posten. Da ich nun eine eigene Mama-Seite habe (endlich) , wurde aus dem Wort #Namaste für mich #Mamaste. Die Leben dieser besonderen Frauen, die mir höchstprivate Dinge (mit dem Wissen ich würde sie irgendwann veröffentlichen) anvertraut haben, finden nun hier ihren verdienten Ehrenplatz. #Mamaste

 

 

Wenn es passiert, dann kommt es plötzlich. Unerwartet. Schmerzhaft und schockierend. Keiner kann dich darauf vorbereiten, dass dein Partner dich schlägt- mitten ins Gesicht, mehrmals.
Wir hatten einen Streit- wieder einmal- weil er zu selten zu Hause war. Das übliche Schema passt nicht auf uns, er war kein ungebildeter Trinker, er ist heute ein anerkannter Universitätsprofessor. Und wissen Sie was er unterrichtet? Psychlogie! Ha! Dass ich nicht lache! Da hat man fast Mitleid mit ihm und das hatte ich leider auch. Ich habe ihm verziehen, immer. Aber das ist nicht der Anfang, so fing unsere Geschichte nicht an....

Als wir einander kennenlernten, waren wir noch Maturanten. Er war in der Parallelklasse und an einem Abend, wo eine größere Gruppe fortging, kamen wir uns näher. Vielleicht etwas zu nah, denn ich wurde schwanger.

Zu meiner Überraschung, stand er zu mir und vor allem zum Kind. Wir heirateten nicht, aber nach der Matura hatten wir eine gemeinsame Wohnung. Seine Mutter mochte mich nicht und meine mochte ihn nicht. Wir hatten wenig Kontakt zu unseren Familien deswegen. Als das Kind kam, war ich böse auf es. Blöd gesagt, aber ich mochte das Muttersein überhaupt nicht. Ich mochte auch mein Kind nicht. Ich liebte es, ja, aber ich mochte es nicht. Ich wollte keine Windeln wechseln, sondern studieren. Ich wollte nicht stillen, sondern feiern, leben, reisen, mich weiterbilden, so wie er es auch tat. Er hatte zwei Jobs neben dem Studium und ich muss zugeben, dass er zu dieser Zeit finanziell gut für uns sorgte. Sobald unser erstes Kind- ein Mädchen- alt genug für den Kindergarten war, wollte nun auch ich mich weiterbilden dürfen. Darüber lachte er. Und zum ersten Mal merkte ich, dass er mich als weniger intellektuell wahrnahm. Ich war schließlich die, die zu dumm war, um die Pille zu nehmen und jetzt Babykotze von ihrer Kleidung wegwischte. Er hingegen war Student, der neben schlauen und vor allem wunderschönen Studentinnen in einem Hörsaal saß, die nicht nach Babyscheiße rochen. Alles was es draußen gab, war viel verlockender als seine Freundin, die ihm ein Kind schenkte, das weder er noch sie haben wollten. Ich mutierte also zur stillen Hausfrau, glaubte ihm, dass ich nicht aus seinem Schatten hinauswachsen konnte und kümmerte mich um meine Tochter.


Irgendwann wurden ihm Studium und Jobs zu viel. Um seinen Magister zu schaffen, musste er sich viel mehr auf das Studium konzentrieren. Wenn er etwas - mit seinen Worten "für uns"- erreichen wollte, musste ich auch arbeiten. Wir träumten davon eines Tages ein Haus zu besitzen, er würde Professor werden und ich die Frau des Professors. Dafür müssten wir aber jetzt gemeinsam arbeiten, verzichten und bauen. Die Kleine war nun in der Volksschule und ich arbeitete als Leiharbeiterin und Kassiererin um ihm finanziell unter die Arme zu greifen. Wissen Sie, wann immer ich eine junge Dame sah, die ein Buch in der Hand hielt, habe ich meine Tochter umso mehr gehasst. Ich wäre gerne diese Dame gewesen, die so unbeschwert ein Buch lesen kann und einen Job hat, den sie sich für sich ausgesucht hat. Diese Frau wäre ich gerne.

 

Mit der Zeit kam er immer später nach Hause. Und irgendwann, hat er draußen übernachtet- mehrmals- und war dann nicht erreichbar. Als er nach Hause kam, gab es Streit und da schlug er mich das erste Mal. Ich dachte, dass es bei den wöchentlichen Vergewaltigungen aufhören würde, da "es meine Aufgabe sei" und " es mir sowieso gefiel". Ich weiß nicht was mehr weh tat, der Schlag ins Gesicht, oder jener in meinem Leben. "Du bist nichts ohne mich." Das hat er mir sehr oft gesagt. Und ich habe es zu oft geglaubt. Er verschwand dann für einige Tage, kam dann wieder und entschuldigte sich aufrichtig bei mir. Ich verzieh ihm und es war gegessen.
Später wollte unsere Tochter unbedingt das Klettern lernen und es gab eine Dame in ihrer Schule, die eine Kletter- Halle für Gruppen günstig mietete. Eine der Mütter in dieser Gruppe war eine gute Bekannte. Sie hat mir die Augen geöffnet. Sie erzählte mir immer von ihren Ehemann und wie dieser so ist. Sie hatte eine körperliche Behinderung und schilderte immer, wie dankbar sie doch für ihren Mann sei, der sie als vollkommene Frau sieht und behandelt. Ich erzählte ihr meine Geschichte so, als sei sie die einer Freundin, die um Rat bittet. Ich werde ihre Worte nie vergessen:" Sag´ ihr, sie soll abhauen. Männer die schlagen, schlagen immer. Es hört nicht auf, es kommt wieder. Und eines Tages, wird er auch ihre Tochter schlagen."


Mein Vater hat meine Mutter geschlagen. Ich dachte, es sei normal. Ich dachte, es kommt eben mal vor. Ich dachte, es käme vor, wenn Frauen zu laut werden, provozieren und zu weit gehen. Ich dachte, ich ging zu weit. Ich dachte, es ei meine Schuld.
Ich sagte ihm, dass ich mich trennen wollte. Er lachte:" Geh´ doch, wenn du denkst, dass du es schaffen wirst, ohne mich. Bitte, die Türen stehen dir offen." Unsere gemeinsame Tochter und ich waren ihm egal. Er war sich so sicher, ich würde wieder zu ihm zurückkehren, dass er mich gehen ließ, einfach so, ohne wenn und aber. Ich ging, ich hatte einen Job und besuchte abends einen Kurs. Meine Tochter hatte ich oft bei meiner Mutter, zu der ich nun eine bessere Beziehung hatte. Ich fand sehr kurz danach heraus, dass ich schwanger war. Als ich es ihm sagte, bezeichnete er mich als Hure. "Ich will dein Geld nicht, nichts will ich von dir, mache bitte nur den DNA-Test nach der Geburt, dann weißt du, dass es dein Kind ist." Ich drohte ihm, seinen Ruf zu schädigen, sollte er den DNA- Test nicht machen. Ich wollte kein Geld, nichts wollte ich von ihm, nur, dass er wenigstens am Papier dazu gezwungen ist, seine Kinder anzuerkennen. Ich ging bis zum Tag der Geburt in die Schule, legte die Prüfungen ab und in derselben Nacht, bekam ich noch ein Mädchen. Meine Mutter stand mir bei. Sehr. Heute bin ich sehr dankbar für sie. Meine Trennung von ihm hat uns die Chance gegeben, wieder zueinander zu finden. Und meine ältere Tochter, die ich hasste, ist diejenige, die mir Trost spendet, wenn mir alles zu viel wird. Manchmal sehe ich sie an und frage mich, woher all diese Liebe mir gegenüber kommt, immerhin hat sie davon nicht viel von mir bekommen. Heute bin ich Kindergartenlehrerin. Ich mache diesen Beruf schon seit fast zehn Jahren mit ganz viel Liebe und Freude, habe zwei wunderschöne, gesunde und glückliche Töchter. Wir sehen ihn nicht, er würde seine Töchter nicht einmal erkennen, wenn er ihnen zufällig auf der Straße begegnen würde. Naja, die Ältere vielleicht, aber die Kleine sicher nicht, er hat sie kein einziges Mal gesehen, obwohl sie ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

 

Ich habe gelernt, dass eine Frau, keinen Mann braucht, um zu leben. Wir sind nicht deren Schatten, unsere Schatten, sollten nebeneinander sein und seiner dich nicht verdecken.

Bei Partnern funktioniert das nicht so, dass einer den anderen vergewaltigt und schlägt. Wenn ich zurückblicke, bin ich wütend auf mich selbst und stolz zugleich. Wütend, weil ich so viel zugelassen habe, das mir wehtut und stolz, weil ich mich da wieder herausgeholt habe. Und ich würde es jeder anderen Frau empfehlen: Die Ketten der Zwänge kann dir kein anderer anlegen. Nicht ohne deine Erlaubnis. Breche sie!

 

 

Note: #MAMASTE ist durch Zufall enstanden. In den letzten 10 Jahren habe ich Frauen/ Mütter auf der ganzen Welt zu unterschiedlichsten Themen interviewt und dabei sind einige interessante Geschichten entstanden. Bis dato hatte ich noch nicht die Gelegenheit diese überaus einzigartigen Erzählungen auf eine passende Plattform zu posten. Da ich nun eine eigene Mama-Seite habe (endlich) , wurde aus dem Wort #Namaste für mich #Mamaste. Die Leben dieser besonderen Frauen, die mir höchstprivate Dinge (mit dem Wissen ich würde sie irgendwann veröffentlichen) anvertraut haben, finden nun hier ihren verdienten Ehrenplatz. #Mamaste

 

 

Fotocredit: wix.com

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