Liebe alleinerziehende Mami: Du bist die Beste von uns allen!

May 12, 2017

 Wie machst du das?

An einigen Tagen kommt es vor, dass meine Tochter ein Tantrum hat, das über meine Kräfte geht- weit darüber. Sie schreit dann im 10Sekundentakt, schaut mir in die Augen und haut Dinge willkürlich zu Boden, die dann zerbrechen, oder ein Saustall ensteht. Und wieder manchmal, sind es ruhige Tage und trotzdem bin ich mit meiner Energie am Ende, weil ich es vermisse, mich mit mir selbst zu beschäftigen. So oder so, an den meisten Tagen, wenn ich höre wie mein Mann von außen den Schlüssel in die Haustüre steckt, stehe ich schon mit meinem Kind dahinter und ehe er in die Wohnung eintritt, übergebe ich sie ihm. Wortlos. Ich habe dann 15 Minuten für mich. In dieser Viertelstunde kann ich schnell duschen, etwas trinken, weinen, oder einfach nur einmal ausatmen und nichts tun. Nichts tun. Ich vermisse es so sehr, einfach nichts zu tun. Und jedes Mal, wenn ich diese mir heiligen Minuten genieße, dann denke ich an dich, liebe alleinerziehende Mutti. Ich frage mich dann jedes Mal "Wie macht SIE das?"

Auf meinen Reisen durch die Welt, habe ich viele alleinerziehende Mütter kennengelernt. In Wien, Ägypten, Kuwait und Texas , habe ich mit einigen von ihnen sogar genau darüber sprechen dürfen. Und ich widme diesen Blogeintrag ihnen, denn ich finde, dass sie in allen Gesellschaften und immer zu kurz kommen. Hier sind ihre Zitate und Teile ihrer Geschichten, die ich heute mit der Welt teilfen darf.

"Wenn du mit 14 schwanger wirst, dann bist du eben die große Hure. Du bekommst ein Kind, der Typ hat kein Interesse mehr und den Titel der beschmutzten Frau bekommst du gratis dazu. Er war siebzehn Jahre alt und hatte anderes vor, als Vater zu werden. Ich hatte auch andere Dinge vor, aber als "die Frau" in der Beziehung trägst du das Kind. Du kannst dich von der Sache nicht so leicht loslösen wie der Vater, der auch sein Vatersein leugnet. Ich habe oft an Abtreibung gedacht. Oft an Adoption. Und dann habe ich sein Herz schlagen gehört und konnte nicht. Ich habe ihn bekommen und behalten. Während andere in meinem Alter feierten, habe ich im Internet gegoogelt wie man welche Flecke aus der Wäsche bekommt. Meine Eltern haben mir geholfen, so, dass ich meine Matura nachholen konnte und ein Abendkolleg besucht habe. Heute bin ich fast dreißig, habe einen Job und mein Sohn ist fünfzehn. Es ist komisch, weil andere Frauen in meinem Alter ihr erstes Kind bekommen und ich einen Teenager zu Hause habe, der größer ist als ich. Rückblickend muss ich sagen, dass es gut ist, so wie es gekommen ist. Damals habe ich aber oft geweint. Ich hatte Angst ich könnte ihm nichts bieten, weil ich lernen und Muttersein zusammen als unheimlich schwer empfunden habe. Meine Eltern haben mir oft angeboten mit Freunden auszugehen, aber so viele hatte ich nach der Rufschädigung nicht mehr. Das Problem ist, du wirst für das Schwangerwerden als Frau ganz alleine verantwortlich gemacht. Du alleine. Der Mann lebt weiter, kehrt zu seiner Exfreundin zurück, wirft die ekelhafte Blicke am Schulhof zu und jeder glaubt ihm. Wissen Sie was, es gibt kein männliches Wort für Hure. Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht? Ich nämlich schon."

"Wenn du in einer arabischen Gesellschaft alleinerziehende Mutter bist, noch dazu von drei Söhnen, dann hast du dieser Gesellschaft schon einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin unfreiwillig alleinerziehend geworden, denn mein Mann starb. Damals waren meine Söhne Teenager. Der Älteste war 15, der Zweite 13 und der Jüngste 11. Nach der Beerdigung meines Mannes hat mir sein Bruder angeboten ihn zu heiraten, kannst du dir das vorstellen? Und weißt du wieso? "Damit die Kinder in der Familie bleiben und kein fremder Mann dazukommt." Kannst du dir das vorstellen? Da stirbt sein Bruder und er denkt, dass ich an das Heiraten denke. Ich habe abgelehnt, natürlich. Wochen später kam dann mein Bruder und stellte mir ein Ultimatum: Entweder ich heirate, oder ich ziehe samt meinen Burschen zu meiner Mutter. Ich stellte ihm daraufhin auch eines: Entweder er haltet den Mund, oder ich möchte ihn nie wieder sehen. Anstatt mir unter die Arme zu greifen, haben alle versucht meinen Status der "alleinstehenden" Frau/Mutter zu ändern. Viele denken, eine Frau ist ohne einem Mann nicht stark genug für das Leben in dieser Welt. Ich denke das nicht, immerhin hatte ich drei Männer. Ich blieb stur. Ich habe es alleine gemacht. Ich habe alleine einen Arzt, einen Ingenieur und einen Lehrer zu verantwortungvollen Männern erzogen, auf die jede Mutter stolz wäre. Ich hatte nie das Verlangen wieder zu heiraten. Ein Flirt hier und da, aber mich so richtig zu binden, das wollte ich nicht. Weißt du, es gibt Menschen mit deren Abwesenheit, auch du irgendwie nicht mehr ganz da bist und ich denke nicht, dass sich irgendjemand mit einer Person binden würde, die noch gebunden ist."

"Wenn man jemanden heiratet, der eine andere Kultur und Sprache hat, dann ist es aufregend. Vor allem am Anfang ist es dann so, als würde man alles wieder von Anfang an lernen, wie bei einem Baby. Ich bin Italienierin und er Araber, ein sehr reicher Araber. Das wusste ich aber am Anfang nicht. Er hat mich nie gebeten zu konvertieren. Er hat mich nie gebeten meine Haare zu verdecken, oder mich zu ändern. Er nahm mich so an, wie ich war und so habe auch ich ihn angenommen und sehr geliebt. Es stimmt so vieles nicht, was wir in Europa über die arabische und muslimische Welt hören, das habe ich selber festgestellt, denn immerhin lebe ich nun seit über zwanzig Jahren hier und habe auch viele arabische Länder bereist. Wir hatten eine Beziehung, wie im Bilderbuch. Wir haben zwei Töchter zusammen und sie vereinen Westen und Osten sehr gut, sie sprechen mehrere Sprachen und lieben beide Kulturen, dennoch muss ich sagen, dass ich beide alleine erzogen habe, denn mein Mann hatte noch eine andere Frau. Seine Mutter wurde krank und wollte, dass er sich eine Araberin nimmt, oder sie würde den Kontakt zu ihm abbrechen. Seine Mutter mochte mich nie, sein Vater dagegen sehr, aber der starb sehr bald nach unserer Hochzeit. Sie erinnert mich an unsere Faschisten in Europa. Sie war sehr nationalistisch und wollte, dass er eine von ihnen heiratet. Sie wollte mich nicht. Sie tolerierte mich, aber gewollt hat sie mich nie. Ich wollte nicht zwischen ihm und seiner Mutter stehen, aber ich wollte ihn auch nicht teilen müssen, also habe ich die Scheidung verlangt. Damit seine Töchter aber in seiner Nähe aufwachsen blieb ich hier. Ich habe mein eigenes Geschäft, ich lebe in einer schönen Villa am Meer, er und ich sind noch Freunde, er hat mit seiner anderen Frau einen Sohn und auch sie kenne ich gut. Wenn ich heute meinen Töchtern Ratschläge bezüglich Männer gebe, dann hauptsächlich, dass sie sich für niemanden verbiegen sollen."


"Ich habe ihm gesagt, er soll es nicht tun. Er hätte in dieser Nacht nicht ausgehen dürfen, wir brauchten das Geld. Und was tut er? Er geht hin und hat eine Schlägerei in der Bar. Was haben wir jetzt davon? Ich darf ihn einmal im Monat mit seinen Töchtern im Gefängnis besuchen. Er hat mit seinen bloßen Händen jemanden umgebracht und wissen Sie wieso? Wegen zwanzig Dollar. Bei einem blöden Poker- Spiel in einer blöden Bar an einem blöden Abend. Es macht mich wütend und traurig. Ich wohne mit meiner Mutter und meiner jüngeren Schwester zusammen. Meine Töchter sind 6 und 3 Jahre alt. Ich arbeite hier im Hotel als Putzfrau und abends in einem Diner als Kellnerin. Wissen Sie, wie sehr ich mir den Arsch aufreiße, damit es meinen Töchtern eines Tages anders geht als mir? Und es sind die kleinen Dinge, die mich wütend machen. Wenn ich totmüde nach Hause komme und meine jüngere Schwester zu Hause nichts gemacht hat, dann darf ich auch noch kochen, meine Mutter baden, aufräumen und mit meinen Töchtern die Hausaufgaben machen, weil es sonst niemanden interessiert was aus ihnen wird. Ich möchte von ihm loskommen. Er sitzt im Gefängnis, für noch weitere Jahre und trotzdem komme ich nicht von ihm los. Es ist nicht mehr Liebe, aber ich möchte kein Arschloch sein. Und dann frage ich mich: Ist nicht eigentlich er das Arschloch, weil er uns das angetan hat?"

 

Es sind noch so viele Geschichten und viele Mütter mehr, aber ein einziger Blogeintrag kann nur einen Teil der Taten dieser Mütter wiederspiegeln. Fakt ist: ich bewundere jede Mami und jeden Papi, die die Erziehung ihrer Kinder (fast) allein in die Hände nehmen und stelle immer wieder fest, dass wir sie viel zu wenig erwähnen und aufmerksam auf sie machen.

 

 

Fotocredit: wix.com

 

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