Liebe Geduld, Pfiat di und Salam!

May 23, 2017

Kennt ihr das auch? Im Prinzip möchte man ja die Mami aus dem Bilderbuch sein. Man möchte die Mutter sein, die niemals ihre Geduld verliert. Man möchte die Mutter sein, bei der der Geduldsfaden nicht nur eeeeeeeendlos lang ist, sondern auch noch reißfest.
Leider bin ich aber manchmal einfach die Mutter, die ihren Faden verloren hat. Er ist nicht kurz oder lang, nicht fest oder zerrissen, sondern einfach weg und mit ihm eben meine Geduld. Man kann mich nicht leicht aus der Ruhe bringen. Es dauert und muss wirklich etwas Schlimmes sein, dass ich mich provoziert fühle, oder der genannte Faden beir mir reißt.
Seitdem ich Mutter bin jedoch, gibt es ein ägyptisches Sprichwort, das ich endlich verstehe:
"Willst du einen Mann verarschen, schicke ihm eine Frau. Willst du eine Frau verarschen, schicke ihr ein Kind."

Es gibt Tage an denen ich nur ein einziges Wort sage -eher brülle- "NEEEEIIN!" Und es geht so weit, dass das das erste Wort meiner Tochter war: Nein, La (Nein auf Arabisch) und No. Das ist das einzige Wort, das sie auf alle drei Sprachen kann, die wir zu Hause sprechen. Ich dachte bis vor kurzem, dass es nichts über mich aussagt, weil dieses Wort tagtäglich und von jeder Mutter mehrmals benutzt wird- tut es aber. Nicht nur das: Es raubt mir den Schlaf, zerknirscht mir die Nerven und meine Geduld ist schneller am Ende als ich "Mannerschnitten" sagen kann.

Die Logik meiner Tochter
Die existiert - noch- nicht. Für sie ist ein voller Becher etwas zum Spielen. Sie möchte damit experimentieren, einen Schluck davon nehmen und es dann ausschütten, damit sie in der Pfütze mit ihrem Finger zeichnen kann. Oder sie schüttet  sich den Inhalt über den Kopf. Für sie ist das experimentieren, spielen, interessant und spannend.
Für mich hingegen: Sofa putzen, Saft aufwischen, Kind sauber machen, umziehen und das ist nur eines der "Unfälle", die binnen einer Stunde geschehen. In manchen Fällen kommt noch ein "Nein" von mir, bevor sie zB in den Klo greift, oder in den Müll, sich die volle Windel auszieht, in die Steckdose greift, oder nach einem Messer. Sie weiß genau was "Nein" bedeutet, das sehe ich ihr an. Sie lacht mich an und möchte es dennoch tun. Ein weiteres "Nein" folgt dann. Bei jedem Versuch folgen von mir Erklärungen, wieso das nicht geht und darauf ein "Nein", weil sie es doch tut.  "Nein" hier und "Nein" da...überall nur noch "Nein". Manchmal sieht sie mich an und sagt schon mit gehobenem Finger "Nein, Mama." Und da hielt ich kurz inne: Ist das was sie in mir sieht? Die "NeinMama"? Das möchte ich aber nicht sein. Mutiere ich etwa zur Momzilla? Nein, bitte nicht! Und da ist es wieder, dieses verdammte "Nein".

 

Learnin by Doing
Ich habe dann herumexperimentiert, denn ich war mit meiner Geduld am Ende und diese brauchte wieder aufgeladene Batterien. Hier gilt es zu sagen: Ich bin keine Erzieherin. Ich kannte mich mit Kindern nicht aus, ehe ich Mutter wurde und denke, dass ich mich immer noch nicht mit ihnen auskenne. Muttersein ist ein Prozess des "Learning by Doing" und manchmal versage ich darin bitterlich. Hier mein Experiment: Einen Tag lang habe ich nicht "Nein" gesagt. Ich habe mitgemacht. Ich habe meinen Geduldsfaden so ausgedehnt, dass ich ihn um die Welt hätte drehen können und reißfest war er auch noch. Ich habe einen Laken auf den Boden ausgebreitet, darauf kam eine Box mit rohem Reis, den ich mit Lebensmittelfarbe gefärbt habe und noch ein paar andere Spielsachen lagen auch daneben. Sie experimentierte und spielte stundenlang damit. Ich hätte vor Freude weinen können.
Es kam kein Schreien und Trotzen von ihr und kein "Nein" von mir. Ich konnte problemlos daneben putzen, kochen und sogar ein bisschen schreiben. Ich weiß noch genau, dass dieser Tag nach einer Reihe von unruhigen Tagen kam und ich war sehr dankabr für diese Pause von Nervenreißerei. Es tut gut auch einmal das Gefühl zu haben, als Mutter nicht völlig abzukacken.

Sag´ auch einmal "JA"
Wie gesagt, ich bin keine Erzieherin und habe auch keine pädagogische Ausbildung. Dennoch habe ich diese Methode für meine Tochter gefunden, denn sie ist sehr interessiert und experimentiert- wie die meisten Kinder-  sehr gerne. Es gibt also bei uns in der Wohnung eine kleine Ecke im Wohnzimmer, in der sie das darf. Dort darf sie malen, spielen, den Saft auch ausschütten und mit neuen Dingen spielen, die ich ihr zubereite, wie selbstgemachten Plastilin, gefärbter Reis und auch einmal ganz wild sein, oder eben einen kleinen Saustall machen. Es war am Anfang schwer ihr beizubringen, dass dies "ihre Ecke" ist und sie das nur dort machen darf, aber mittlerweile weiß sie das. Seitdem sage ich viel weniger "Nein" und fühle mich auch nicht mehr so schlecht und gestresst. Ab und zu muss man aber "Nein" sagen und erklären warum. Was falsch ist, ist falsch und das müssen sie von klein auf schon lernen, ich möchte zB keine Füße am Tisch, wenn wir essen, aber es muss nicht zu jedem Missgeschick gleich der Zeigefinger her! Was für uns als falsch gilt, müssen die Kleinen erst noch lernen, denn für sie ist das noch wertelos und lustig.
 

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