Lasst uns den Burkini, wir gaben euch Hummus!

May 27, 2017

Kopftuch oder Zahl?
Entweder es juckt das Kopftuch, oder es stinkt der Burkini. Im Winter ist es ersteres, im Sommer zweiteres. Darüber regen sich einige Regionen Europas also hauptsächlich auf, aber wieso eigentlich, haben wir nichts Besseres zu tun?!
 

Background

Die diesjährige Causa: Das Badeschiff in Wien erlaubt nicht nur, sondern begrüßt es sogar, wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen gemeinsam schwimmen und Spaß haben. Vielen gefällt dieses friedliche Zusammenleben jedoch nicht und das Schwimmbad hat sich einem massiven Shitstorm stellen müssen.

Einen Burkini zu tragen ist wie vegan sein

Mich fragen sehr oft Leute, wieso ich mich als Muslima als Feministin sehe und ob das kein Widerspruch zum Islam ist? Um es für alle greifbar zu machen, erkläre ich es so: Ich kenne so viele Frauen, die emanzipiert sind und vegan. Wo liegt der Zusammenhang begraben? Als Veganerin entscheidest du aus freien Stücken, dass du auf bestimmte Lebensmittel verzichten möchtest. Keiner zwingt dich dazu. Du und nur du alleine verzichtest auf etwas, bist damit aber glücklich, weil du ganz persönliche Gründe dafür hast und so für dich besser lebst. Du fühlst dich so einfach besser und in dein Wohlgefühl soll dir niemand reinreden dürfen, auch, wenn es viele um dich herum tun. Was ich anziehe und was nicht, ist eine sehr private Sache, genauso, wie das was ich esse. So viel möchte ich bitte als Frau, aber vor allem als Mensch, alleine entscheiden dürfen.

Burkini à la Gigi Hadid
Wäre der Burkini die Kreation eines weltberühmten Designers, für den Gigi Hadid wirbt, würden ihn unzählige Frauen- auch Männer- tragen. Es geht gar nicht um den langweiligen Neoprenanzug, es geht auch nicht darum, dass er unhygienisch ist, (denn es ist viel unhygienischer ins Wasser zu brunzen und wie viele das tun ist uns wohl bekannt), oder frauenfeindlich ist (solange ich entscheiden darf was ich anziehen möchte, ist es nämlich Freiheit), sondern um puren Fremdenhass. "Unsere Frauen dürfen anziehen was sie wollen."

Eure Frauen? Und verdienen "eure" Frauen auch so viel wie Männer für dieselbe Leistung? Und wieso sind euch "eure" Frauen nur dann wichtig, wenn es um die Kopftuch-/Burkinidebatte geht? "Wie viel müssen wir noch im eigenen Land tolerieren?"

Es ist auch mein Land. Ich bin hier geboren, habe hier studiert, arbeite und zahle hier Steuern. Sorry, ich schau halt aus wie ein Tschusch, weil mich die Sonne ein bisserl härter geküsst hat, aber soll ich deswegen weniger Rechte haben? Und tolerieren braucht mich so oder so keiner, denn ich bin ja schließlich kein Pickel. "Wir sind hier nicht in Afghanistan."

Und genau deswegen trage ich was ich möchte, ohne Angst zu haben. Ich kann und darf. Und sollte man das mir wegnehmen, dann sind sich Österreich und Afghanistan viel ähnlicher, als wir es uns eingestehen.

Das Dümmste auf der Welt ist: Hassen ohne zu kennen und vor allem- ohne zu verstehen, oder verstehen zu wollen. Der Punkt ist nämlich der: Nicht jede Frau, die einen Burkini trägt, ist Muslima. Für einige Frauen ist das eine Option, um Bodyshaming in der Öffentlichkeit zu entkommen. Für wieder andere ist es praktisch, um keinen Sonnenbrand am Rücken zu bekommen. Und wieder andere finden ihn einfach schön- simple as that.  Es wird immer über "Die Muslima" geredet, aber "Die Muslima" gibt es nicht. Es gibt Frauen muslimischen Glaubens und jede ist unterschiedlich. Hier zu verallgemeinern wäre genauso doof, wie über "Die Blondinen" zu reden, als wären sie eine homogene Gruppe- was für eine gilt, gilt für alle.

 

Friede, Freude, Falafel
Als Frau, die ohne Kopftuch geboren wurde- ja, auch das gibt´s- und jahrelang einen Bikini getragen, eine eurpäische Mentalität im Köpfchen hausen hat und in einer islamischen Lebensphilosophie lebt, denke ich, dass "zusammen" schöner ist als "getrennt". "Gemeinsam" ist stärker als "gegeneinander" und es gibt wirklich andere- vor allem wichtigere - Themen, denen wir uns widmen sollten. Es mag sein, dass wir unterschiedlich sind. Es mag sein, dass wir nicht an dasselbe glauben. Aber das heißt nicht, dass wir nicht auch unendlich viel gemeinsam haben.

Ich bin die Mutter einer Tochter und mir ist es wichtig, dass sie eines Tages tragen kann was sie möchte, ohne, dass es kommentiert wird- von keinem.

 

 


Das erste Foto ist von: Marko Mestrovic

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