Multilinguale Erziehung- I haven´t damit gerechnet!

June 15, 2017

 

BlaBla auf three Sprachen
Schon als Schwangere habe ich zu meiner Tochter gesprochen. Meinen Bauch habe ich nonstop dabei gestreichelt und ihr die Außenwelt beschrieben. Ich habe ihr sogar damals schon Gutenachtgeschichten erzählt. Verrückt? Ein wenig, aber meine Kleine war damals sehr anwesend und eine starke Kickerin, ich konnte es kaum erwarten sie in meine Arme zu halten und ihr noch mehr zu erzählen.
 

My momentane Situation
17 Monate später schaut es so aus, dass sie wie ein Wasserfall labert. Ich habe zwar keine Ahnung was sie sagt, bin mir aber sicher, dass es ihr sehr wohl etwas bedeutet. Eine bestimmte Frage stelle ich mir da schon sehr oft "Wann müsste ein Kind anfangen zu reden?"
Laut Zwetelina Ortega, die Expertin schlechthin, wenn es um mehrsprachige Erziehung geht, heißt es " Jedes Kind ist individuell."

 

The guten alten Facts

Tatsächlich kann man nicht einmal ein Durchschnittsalter nennen, wenn es um das "normale" Sprechen geht, wie wir Erwachsene es verstehen. Sollte es mit dem Sprechen gegen Endes des dritten Lebensjahrs nicht losgegangen sein, dann aber unbedingt einen Logopäden oder Kinderarzt aufsuchen. Schön und gut, es gibt aber das Gerücht, Kinder die mehrsprachig aufwachsen, würden später anfangen zu sprechen als andere. Auch das kann Zwetelina nicht unterschreiben, denn Kinder miteinander zu vergleichen, wenn es um sprachliche Entwicklung geht, macht generell mehr Druck auf das Kind, als es abschafft. Was also sollen Eltern tun, die ihre Kinder mehrsprachig erziehen (wollen)? Eine beliebte und erfolgreiche Methode ist die OPOL (= One Person One Language). Soll heißen: Pro Elternteil eine Sprache. Bei uns zu Hause ist es zB so, dass ich mit Laila auf Deutsch spreche, und mein Mann übernimmt Arabisch. Wir sind so oft in der Welt unterwegs, dass unsere Umgebungssprache meistens Englisch ist. Auch hier ist zu beachten: Man soll mit seinem Kind auf die Sprache sprechen, die man selber als Muttersprache ansieht und empfindet, denn Sprache ist so viel mehr als einfach nur Worte sagen. Ja, wir quatschen mit unseren Kindern, aber weitergegeben werden auch Emotionen und vor allem: Bindung. Dieser Begriff bringt mich zu einem wesentlichen anderen Aspekt: Viele Leute denken, sie müssten ihre Muttersprache für sich behalten und nicht an ihre Kinder weitergeben, damit für die Umgebungssprache "Platz gemacht wird". Das ist laut Zwetelina eher ein Fehler, denn wenn ich mit meinem Kind auf eine Sprache spreche, die ich nicht gut beherrsche, ist somit auch die Bindung zu meinem Kind angekratzt. Nicht nur das: Ich gebe meinem Kind dann auch noch die Sprache in Akzent und möglicherweise falscher Grammatik weiter. Hier ist es ganz wichtig zu erwähnen, dass das Sprechen der Muttersprache das Lernen einer weiteren sogar fördert und nicht abhält, wie es viele annehmen. Der letzte und für mich persönlich einer der wichtigsten Punkte ist: der Dialog. Wir reden oft zu unseren Kindern und nicht mit ihnen. Wir sagen ihnen den ganzen Tag lang was sie tun und lassen sollen, dabei vergessen wir aber, dass dies keine richtigen Unterhaltungen sind, sondern Anweisungen.

Das tun wir natürlich unbewusst, deswegen hier das Kitzeln eures Bewusstseins: MITeinander reden, Blickkontakt aufrecht erhalten, auch wenn eure Kinder noch gar nicht richtig sprechen können, sondern begeistert auf ihre eigene Sprache brabbeln. Für die Kleinen ist das sehr wohl ein Gespräch von hoher Bedeutung.

All the Points on one GuckGuck

  • Sprachentwicklung ist individuell (wenn gegen Endes des dritten Lebensjahrs nicht vorhanden, unbedingt einen Logopäden oder Kinderarzt aufsuchen)

  • Mehrsprachigkeit von klein auf ist kein Hindernis, sondern fördert den Erwerb von weiteren Sprachen

  • OPOL(= One Person One Language) ist eine gute Methode, um die Mehrsprachigkeit von zu Hause aus zu fördern

  • Die Wichtigkeit der Muttersprache nicht unterschätzen

  • Dialog MIT unseren Kindern führen, auch wenn sie (für uns) noch nicht verständlich sprechen können

 

Über Zwetelina Ortega:

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mag.ᵃ Zwetelina Ortega ist Sprachwissenschaftlerin, Autorin und Expertin für Mehrsprachigkeit. 2014 gründete sie das Beratungszentrum Linguamulti. Sie berät Eltern in Form von Coachings zu Ihrer individuellen, familiären, mehrsprachigen Situation und bietet monatlich Workshops zum Thema mehrsprachige Erziehung für Eltern an. Außerdem hält sie Fortbildungen und Vorträge in Kindergärten und Schulen ab. Darüber hinaus bietet sie vielseitige Workshops für Kinder und Jugendliche an. Ortega ist dreisprachig mit Bulgarisch, Spanisch und Deutsch aufgewachsen. Sie ist Dozentin an der Universität Wien, Institut für Romanistik. Und erzieht auch ihre eigenen Kinder dreisprachig. Über „gelebte Mehrsprachigkeit“ bloggt sie für den Standard. Hier geht’s zu ihrem Blog. Alle Infos zu den Angeboten findet ihr unter: www.linguamulti.at oder +436769669775
Facebook: www.facebook.com/linguamulti/
Der nächste Eltern-Workshop:
Mehrsprachige Erziehung von Geburt an, 23. 6. 2017, 10.00 – 14.00

 

 

Titelbild:

Fotocredit: wix.com

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