Lass dich heilen

August 9, 2017

 Illustration: Kathrin Honesta

 

Worte der Erinnerungen

Wörter tun weh. Und manchmal, da tun sie noch mehr weh, als uns lieb ist. Komplimente geben uns ein gutes Gefühl, ja, aber das ist sehr kurzlebig. Böse Wörter, die bleiben. Sie graben sich ein kleines Zu Hause in deine Seele ein und leben dann dort- für immer weiter. Man vergisst mit der Zeit, dass sie da sind, aber sobald du fällst, da kommen sie aus ihren winzigen Löchern heraus und steigen in deinen Kopf hoch. Laut werden sie auch noch. Laut, mächtig und sie überkommen dich, weil du nicht stark genug bist. Wir alle kennen solche Momente, wir alle werden von Leuten geliebt und von anderen weniger geliebt, oder sogar gehasst. In solchen Zeiten erinnere ich mich gerne an Kate. Kate war ein semesterlang meine Mitschülerin in der 3. Klasse Volksschule. Sie war Engländerin und die Lehrerin hatte sie zu mir gesetzt. (Ich saß alleine an einem Tisch, weil ich immer mit den Tischnachbarn gequatscht habe). Kate konnte kein Deutsch. Kein Wort. Sie hatte die schönsten Augen, die ich jemals erblickte. Sie waren nicht einfach Blau, sondern richtig meeresblau. Für jemanden wie mich, wo Iris und Pupille fast die gleiche Farbe haben, ist das sehr aufregend gewesen. Ich habe ihr in allen Gesprächen immer tief in die Augen geschaut und teilweise vergessen, was ich sagen wollte, oder ihr gar nicht zugehört, sondern sie einfach nur angestarrt. Sie war ein Mathegenie. Das Mädchen war uns allen in der Klasse voraus (sie war auch schon etwas älter, ich glaube 11), wenn es um Mathematik ging- noch so ein Punkt, der mich total faszinierte, denn ich war (und bin) in Mathe nicht zu gebrauchen. Am letzten Schultag verlangte die Lehrerin von uns, dass jeder etwas Nettes auf Papier schreibt, dieses faltet und seinem Sitznachbarn schenkt. Ich weiß noch genau was Kate mir schrieb:

"You have a lovely and funny laugh. Don´t let anything destroy it."

Ich habe es damals nicht verstanden. Ich habe den Zettel eine zeitlang aufgehoben. Mit den Jahren verlor ich ihn jedoch. Ich habe ihn auswendig gelernt und immer dann, wenn die Stimmen gegen mich lauter werden, werde ich leiser, einfach ruhig. Ich wehre sie nicht mehr ab, um ihnen zu beweisen, dass ich stark genug bin, um den Schmerz der Inakzeptanz zu ertragen. Im Gegenteil-  ich lasse sie zu. Dann bin ich eben letztklassig, faul schirch, fett, heuchlerisch, dumm, nicht gut genug, blöd, unterdrückt, ein Nichts, "nur" Mutter,....ich lasse alles zu und wenn der Sturm vorbei ist, erinnere ich mich daran, dass ich ein liebes, komisches Lachen habe, das ich mir von der Welt bitte nicht kaputt machen soll. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, weil ich sonst nicht viel habe, im Kampf gegen die verdammten Stimmen, die mich in der Seele blutig zwicken. Im Kampf uns gegen andere zu beweisen sind wir so motiviert und blind vor Sturheit, dass wir vergessen, wem wir das eigentlich beweisen möchten...denn die, auf die es ankommt, kennen unseren Wert doch schon. Und noch wichtiger: DU musst ihn kennen. Wenn du also dabei bist, dein Lachen zu verlieren, dann hol´ es dir zurück, einfach nur für dich. Und in diesem Marathon, in dem es nur um dich geht, wirst du schnell merken, dass diese bösen Wörter, die Löcher in dich graben da sind, nicht um dich zu schwächen, sondern um dir zu zeigen, wo du noch heilen musst: FÜR DICH!

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