About Grace

August 21, 2017

 

 Fotocredit: Pirvat, Jennifer Patterson

 

Einleitende Worte von Hotel Mama

Normalerweise werden die Geschichten der Mamaste-Serie anonym veröffentlicht. Damit möchte ich den Frauen hinter den Geschichten einen Schutz bieten und sie können sich auf dieser Weise bedenkenlos alles von der Seele reden. Die folgende Geschichte handelt um Grace. Grace wurde nicht geboren, aber sie lebt in den Gedanken ihrer Mutter weiter und diese ist eine sehr liebevolle Frau, die nicht anonym bleiben möchte. Jennifer Patterson und ich haben einander zufällig gefunden. Sie ist eine starke Frau, die viel durchgemacht hat und trotzdem noch zu lachen und zu lieben weiß.

About Grace

Ich war 19 Jahre alt, als ich erfuhr, dass ich schwanger war. Zu dieser Zeit hatte ich schon einen fast zweijährigen Sohn, wohnte arbeitslos bei meiner Mutter und hatte nicht einmal einen Führerschein. Ich war ein wandelndes Klischee. Meine Mutter hatte damals das gemeinsame Sorgerecht für meinen Sohn mit mir, da ihr eine "Freundin" erzählte, ich wäre meinem Sohn gegenüber gewalttätig. Sie glaubte ihr und drohte mir, sie würde mich tatsächlich vor Gericht ziehen, würde ich diese zweite Schwangerschaft durchziehen. Sie wollte mir tatsächlich meinen Sohn wegnehmen und mich aus der Wohnung schmeißen, würde ich dieses Kind bekommen. Sie verlangte eine Abtreibung von mir. Der Kindesvater hatte eigene Trubel, da sein Vater schwerkrank war. Die Ärzte meinten, er hätte nicht mehr lange zu leben. Ich wollte das Kind behalten, also hat sie mich rausgeworfen und ich lebte eine kurze Zeit bei meinem Freund und seiner Familie, konnte aber nicht über mein Leid sprechen, da diese selber litten. Es wurde dort aber eng und auch finanziell untragbar, also rief ich meine Mutter wieder an, die einen Termin für mich ausmachte, damit ich das Kind abtreibe. Ich saß dort in der Klinik und man gab mir keine Medikamente, weil ich allergisch auf diese reagieren würde. Ich lag auf einer kalten Unterlage und ein äußerst hochnäsiger und unsensibler Typ hat mir mit einer Maschine mein Kind rausgesaugt- so fühlte es sich an. Ich durfte sie nicht sehen. Es war ein Mädchen. Ich sollte die Wochen danach im Bett liegen, durfte nichts Schweres tragen usw. Ich habe aber genau das Gegenteil getan. Ich hatte das Gefühl, mich schuldig fühlen zu müssen. Ich wollte dieses Kind. Ich wollte es so sehr. Ich wäre aber dann auf der Straße gelandet und hätte meinen Sohn an meine Mutter verloren. Ihr fiel damit ein Stein vom Herzen und mir fiel er auf den Kopf. Die Familie meines Freundes wusste, ich habe das Kind "verloren". Keiner von ihnen wusste etwas über die Abtreibung. Am Tag der Abtreibung starb sein Vater. Ich bin aber mit ihm nicht mehr zusammen. Zirka ein Jahr später hatte ich einen anderen Freund (mein jetztiger Ehemann- seit 10 Jahren schon). Seine Ex- Freundin hatte gegen seinen Willen eine Abtreibung und er hatte es noch nicht verarbeitet. ich habe ihm trotzdem meine Geschichte erzählt und er war überraschenderweise sehr unterstützend. Ich wurde schwanger und hatte das Gefühl, der Himmel gibt mir eine zweite Chance. Ich hatte es ihm noch nicht gesagt, da wurde ich von seinem "besten Freund" vergewaltigt. Dieser hat es natürlich so hingestellt, dass es meine Schuld ist. Es hat einen Keil in unsere Beziehung getrieben, aber ich wollte dieses Baby und ich habe es ausgetragen. Wir bekamen eine wunderschöne Tochter, die uns Kraft schenkte. Er hat den DNA-Test gemacht, es ist seine Tochter und seit ihrer Geburt sind wir zusammen. Ich habe heute drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Der Jüngste ist neun Jahre alt und der Tag seiner Geburt, ist der Tag von Graces Abtreibung. Es war eine sehr schwere Geburt und ich glaube tief und fest daran, dass sie ihrem Bruder geholfen hat, damit er den Schritt in die Welt schafft. Ich fühle mich so viele Jahre danach immer noch schuldig. Ich vermisse sie und stelle mir vor, wie sie wohl ausgesehen hätte. Ich war damals jung, alleine und ratlos. Heute würde ich mich anders entscheiden. Am Geburtstag meines Jüngsten feiern wir für Grace mit. Er weiß, dass sie sein Schutzengel ist. Mit meiner Geschichte will ich Frauen bestärken, die zur Abtreibung gezwungen werden dagegen anzukämpfen. Ja, uns gibt es. Frag´ eine Mutter von zwei Kindern für welches ihrer Kinder sie sich entscheiden würde und sie zeigt dir den Vogel. Eine Abtreigung ist niemals eine leichte Entscheidung. Wir werden als verantwortungslose Mörder dargestellt, dabei ist es doch die Mutter, die tagtäglich mit dem Schmerz zu leben hat und noch schlimmer: mit der Erinnerung und der Tatsache, dass wir nichts daran ändern können.

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