Abgestillt

August 27, 2017

 

              Dieses unglaubliche Artpiece ist von der talentierten Katherine Stocking Lopez

 

Tabu Tabu

Ich weiß, das ist ein heikles Thema, das viele Meinungen mit sich bringt, aber es ist ein Tabuthema, das meiner Ansicht nach gebrochen werden muss. Seit fast zwei Wochen ist meine Tochter trocken - vong Zweideutigkeit her *haha* - und es lässt mich überraschenderweise etwas melancholisch werden. Aber das ist nicht der Anfang der Geschichte, das ist eher das Ende...

 

Der Anfang geht so:
Als ich von meiner Schwangerschaft erfuhr, habe ich mich sofort in die Idee des Stillens verliebt und sehnlichst darauf gewartet, mein Putzerl stillen zu können. "Breast is Best" war  noch lange vor dem Entbindungstermin mein Motto und für mich kam gar kein Fläschchen in Frage, denn immerhin trug ich die frischeste und gesündeste Nahrung meines Kindes schon in mir.
Und als sie dann kam, schlief sie die ersten zwei Tage fast durch. Als ich am dritten Tag versuchte sie zu stillen, kam mir der Schreck: Nicht nur, dass es unheimlich schmerzte, ich brauchte fast eine ganze Woche, um sie richtig stillen zu können. Sie hatte diesen winzigen Mund und ich schaffte es einfach nicht, sie am Anfang richtig zu füttern. Es hat sich ein Milchstau gebildet und ich musste die Milch abpumpen, was sehr schmerzhaft war. Für mich war das ein großer Schock, weil ich mir das Stillen ganz anders vorgestellt habe. Wieso hat mir keiner gesagt, wie weh das tut? Wieso dachte ich, dass es das Einfachste auf der Welt sei? Dieser Schock verging jedoch nach zirka zwei Wochen und ab hier, war das Stillen eines der schönsten Momente, die ich mit meiner Tochter teilte. Ich habe gemerkt, dass es sie stärkt, ihr schmeckt und für sie weit mehr als nur Ernährung ist. Für sie ist es Sicherheit, Geborgenheit und Schutz.

 

Trauriges Erwachen
Nach zirka einem Jahr stillen wurden meine Rückenschmerzen unerträglich, da meine Mädels 3(!) Körbchengrößen zugenommen hatten. Mit dem Verfliegen der Monate hatte ich mich daran gewöhnt, dass meine kleine Madame hier und da Kratzer hinterlässt und mir mit ihren kleinen Zähnchen in die Nippel beißt. Das war unangenehm, aber okay. Dass man ständig halbnackt herumläuft und sie mal die eine Seite will, nach einem Schluck die andere und dann wieder wechseln, auch das war okay, aber was mir ernsthafte Sorgen bereitete war, dass sie nicht mehr an Gewicht zunahm, weil sie den ganzen Tag nur an der Brust hing und sehr wenig aß. Sie wollte einfach nichts essen. Ich habe daraufhin versucht, das Stillen zu verringern. Darin habe ich jämmerlich versagt. Das ist aber nicht der einzige Grund: Ich fühlte mich dabei einfach nicht mehr wohl. Und ich weiß nicht wieso sich Frau immer dafür rechtfertigen muss, wenn sie sich dazu entscheidet abzustillen, bevor das Kind den zweiten, oder dritten Geburtstag hinter sich hat. Ich hatte einmal eine lustige Begegnung mit einer Mutter, die sich gegen das Stillen entschieden hat (ich weiß den Grund nicht). Wir saßen bei einem Playdate und sie hat dann amüsiert festgestellt:"Wenn ich mir meine Tochter so ansehe, die nicht gestillt wurde, muss ich immer so lachen- sie ist genauso eigenartig einzigartig wie die anderen Kinder. Wozu also der ganze Stress?" Diese Worte blieben bei mir hängen. Wieso machen wir ein so großes Thema daraus? Und wieso fühlen sich einige Langzeitstillmütter anderen überlegen?

Irgendwie gehörte mein Körper nicht mehr mir und ich war die ganze Zeit schelcht drauf, weil der Rücken schmerzte und hatte nicht das Gefühl, dass ich sie weiter stillen möchte. Ja, ich wollte sie nicht mehr stillen und ich werde nun keine Ausrede dafür erfinden, weil ich keine brauche.  Stillen ist eine Beziehung zwischen Mutter und Kind und es müssen beide wollen. Ich dagegen, konnte einfach nach 19 Monaten nicht mehr. Und sie lieblos stillen, möchte ich auch nicht. Eine Sache habe ich mir aber doch gedacht: Sollte ich es ausprobieren und sie laut protestieren, würde ich sie weiterhin stillen.

 

Abgestillt

Vor zirka zwei Wochen bin ich aufgestanden und habe mich dazu entschieden, sie einfach nicht mehr zu stillen. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich war ausgelaugt. Ich konnte ihr das einfach nicht mehr geben. Eine Freundin hatte mir einmal erzählt, sie hätte es ihrer Tochter "erklärt". Damals war ihre Tochter ungefähr so alt wie meine Tochter. "Ob sie das versteht?", dachte ich mir. Als meine Tochter sich näherte und meinen Busen rausholen wollte, habe ich ihr erklärt, dass sie die Brust nicht mehr braucht und, dass diese nun nur noch mir gehöre. Ich habe mit Geschrei und schlechter Laune gerechnet, aber dies ist nicht passiert. Sie hat mich auf der Brust geküsst und ging mit ihrem Vater spielen. Ab und zu kam ein Winken und als sie einschlief, umarmte sie meinen Busen. Wir kuscheln nun viel öfter und intensiver. In diesem Moment hätte ich sie am liebsten noch ein letztes Mal gestillt, tat dies aber nicht. Bis heute- kein einziger Tropfen. Ich hatte sehr große Angst, es sei die falsche Entscheidung gewesen und dachte, ich müsse nun ein schlechtes Gewissen haben, aber sie reagierte viel besser darauf, als erwartet und ich habe diesen Schritt nicht bereut. Anscheinend war es für uns beide der richtige Zeitpunkt gewesen.
 

Wie war eure Erfahrung mit dem Abstillen und wie steht ihr zu diesem Thema?

 

Fotocredit: wix.com

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