Eine Urliomi erzählt- Muttisein wie damals...

October 19, 2017

Die außerordentlich fesche Frau auf dem Foto ist die Frau Schandl. Diese Dame ist seit über 16 Jahren die Nachbarin meiner Mama in Wien. Und weil ich diese Frau so gern habe, dachte ich:"Wieso frage ich sie nicht einfach über das Mamasein aus?" Immerhin ist sie 1961 das erste Mal Mutter geworden und hat sicher zu einigen Dingen ihren Senf abzugeben. Sie hat natürlich eingewilligt und während meine Tochter ihre Wohnung verwüstet hat, war sie im Erzählen vertieft:

"Wir hatten es finanziell nicht schwer, sondern kamen einfach über die Runden. Wir sind mit dem ausgekommen, was wir hatten. Ich würde trotzdem sagen, dass die heutigen Mütter es leichter haben. Ihr könnt zB alle Informationen vom Internet runterladen, wir mussten die Bücher kaufen. Da gab es ein Buch, es hieß "Das große 1x1 der Gesundheit". Dieses Buch kostete 200 Schilling. Das war echt wie ein Hausarzt daheim zum Nachschlagen, aber ich hatte keine 200 Schilling. Die Frau in der Bücherei hat es mir weggelegt und nach 10 Monaten des Sparens, habe ich es mir kaufen können und ich habe das Buch immer noch. Es ist ein Familienerbstück."

 

"Es gibt Hilfen, die es damals auch schon gab. ich habe zB auch schon die Familienbeihilfe bekommen, aber es war nicht viel. Dann gab es aber auch Barrieren, denn wir hatten zwar einen Kinderwagen, aber damit durften wir nicht in die öffentlichen Verkehrsmittel hinein. Als dann mein zweiter Sohn auf die Welt kam, musste ich also den älteren an der Hand halten und das zweite Kind im Arm tragen. Wo wir es auf jeden Fall besser hatten ist, dass wir keinen gesellschaftlichen Druck hatten. Oder, ich weiß gar nicht woher der Druck kommt, den ihr Mütter heute habt, aber da ist er auf jeden Fall. Was wir damals getan haben, sei es das täglich gesunde Essen, oder das Benutzen von Stoffwindeln, eben all diese Sachen, die nun als Trends zurückkommen, taten wir, aus Armut. Ich hatte kein Geld, um mir diese Breigläschen zu kaufen und diese Einwegwindeln waren auch sehr teuer. Ich war zu Hause und habe eben jeden Tag gekocht. Erst als die Kinder im Kindergarten waren, habe ich wieder gearbeitet und zwar als Hausbesorgerin, eben, damit ich in der Nähe meiner beiden Söhne sein konnte. Wir alten Mütter hatten diese innere Ruhe. Es ging nicht um Karriere, oder sich selbst zu beweisen, alles haben zu wollen und dieses Präsentieren des eigenen Könnens vor anderen Müttern. Es ging einfach nur um die Kinder. Es ist heute schon so eine Präsentiergesellschaft und das tut vielleicht ein wenig gut, aber ich denke auf Dauer, tut es einem nur schlecht. Meine Enkelin ist jetzt Zweifachmutter, ich finde, dass sie die Sache gut meistert. Sie ist wieder in der Arbeit, aber sie setzt keinen Druck auf sich selbst. Ich finde das sehr wichtig. Mir tun die Mütter immer Leid, die ihre Kinder in der Straßenbahn nicht unter Kontrolle haben und sie während die Bim fährt in der Bim turnen lassen. Es fehlt an Respekt und das schon vom Kleinkindalter, aber das hat jetzt einen Namen und es ist modern, dass Kinder tun und lassen sollen, was sie halt wollen. Ich muss aber zugeben, ich war eine strenge Mutter. Mein Mann starb sehr jung, er war erst 46 und ich hatte zwei Buben. Der Große ist kurz nach dem Tod seines Vaters selber Vater geworden, eben von meiner genannten Enkelin, die nun Mutter ist. Sie war mein Pflaster, mit ihrer Geburt habe ich den Tod meines Mannes überlebt. Sie durfte auch alles bei mir tun. Ja, weißt du was, vielleicht ist es nicht sooo schlecht, wenn Kinder auch einmal Dinge dürfen, die sie normalerweise nicht dürfen. Denn wenn ich meine Enkelin so ansehe, dann hat das mein Sohn echt gut gemacht mit ihr. Auf sie bin ich ganz besonders stolz. Und wenn ich anderen Müttern einen Rat geben sollte, dann würde ich ihnen sagen, dass Druck nicht gut tut. Auf Dauer zergeht man daran. Man muss sich immer überlegen was man will, was den Kindern, aber auch einem selbst gut tut und einen Weg finden, um alle, oder die wichtigsten Bedürfnisse im Leben einzuschließen. Denn wir hoffen ja auf ein langes und gesundes Leben, oder etwa nicht?!"

 

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