Jung und schön

November 20, 2017

Note: #MAMASTE ist durch Zufall enstanden. In den letzten 10 Jahren habe ich Frauen/ Mütter auf der ganzen Welt zu unterschiedlichsten Themen interviewt und dabei sind einige interessante Geschichten entstanden. Bis dato hatte ich noch nicht die Gelegenheit diese überaus einzigartigen Erzählungen auf eine passende Plattform zu posten. Da ich nun eine eigene Mama-Seite habe (endlich) , wurde aus dem Wort #Namaste für mich #Mamaste. Die Leben dieser besonderen Frauen, die mir höchstprivate Dinge (mit dem Wissen ich würde sie irgendwann veröffentlichen) anvertraut haben, finden nun hier ihren verdienten Ehrenplatz.In diesem Sinne: #Mamaste

 

Wir sind schon seit einigen Jahren geschieden. Ich wollte es so. Es war kein Streit, keine Auseinandersetzung, keine Situation, sondern einfach nicht mehr das Leben, das ich mir mit ihm vorgestellt hatte. Ich denke, dass die Liebe zwischen uns ausgeliebt und das Leben ausgelebt waren. Wir haben zwei Töchter, beide Teenager. Meinem Wunsch uns scheiden zu lassen, hat er bejaht. Zögerlich, aber weil er ein Gentleman ist, hat er dann meinem Wunsch zugesagt, weil er ein anständiger Mensch ist, der nicht mit einer Frau leben würde, die die Scheidung will. Wir blieben gute Freunde. Weil wir zwei Töchter haben, aber auch, weil nichts Schlimmes zwischen uns vorgefallen war. Bei einer Scheidung muss es nicht einen Schuldigen und einen Unschuldigen geben. Es muss keinen Guten und einen Bösen geben. Unsere Scheidung war sehr unkompliziert, wir waren danach sogar gemeinmsam mit den Mädchen Mittagessen und sie haben unsere Entscheidung respektiert. Mein Ex-Mann zog bald aus und jeder von uns startete sein eigenes Leben. Kurze Zeit darauf habe ich ein Techtelmechtel mit meinem Yoga-Lehrer angefangen. Er war jünger als ich, viel jünger. Er war Mitte zwanizg, also halb so jung wie ich. Aber hatte etwas Erfrischendes, Exotisches an sich. Es wurde schnell ernst zwischen uns. Er war halb Inder, halb Engländer und wuchs teilweise in Brasilien auf. Seine Unreife war für mich teilweise erregend. Mein Ex-Mann wusste schon genau wo er mich wann wie zu berühren hat, aber diese neue, junge Flamme, hat das alles erst noch ausprobieren müssen und es hat mir Türen für Neues geöffnet. Nicht nur im Bett, sondern viel mehr im Leben. Neue Sprachen, neue Kulinarik, neue Kulturen und Literatur. Es hielt aber nicht lange an. Etwas kürzer als ein Jahr.  Dann hat er eine Tänzerin kennengelernt. Eine, die so alt war wie er. Wir sind freundschaftlich auseinandergegangen. Das war das erste Mal, dass ich mich alt fühlte. Ich dachte immer, ich sei jungbelieben, eine Alte, mit junger Seele. Meine Mädchen mochten ihn, mein Ex-Mann hatte ihn ein paar Mal getroffen, sie verstanden sich gut. Ich hatte da ein Gefühl des Triumphes, als mein Ex-Mann meinen damaligen Freund traf. So, als würde ich ihm nun beweisen, dass ich die jüngere, bessere, begehrenswertere von uns beiden wäre. Und was war nun, nun stand ich alleine da. Vielleicht sollte es mir eine Lektion sein? Vielleicht brauchte ich das, um den Mann wertschätzen zu lernen, der mich schon als Teenager kannte und genau wusste, wor er mich wann und wie zu berühren hatte, um mich zum Höhepunkt zu bringen? Manchmal muss man das verlieren, was man liebt, um es wertzuschätzen, richtig? Ja, in meinem Fall war das richtig.

 

Mein Ex-Mann war auf seinem Weg zu uns, um die Mädchen übers Wochenende zu sich zu nehmen. Er kündigte eine Überraschung an, er wusste, dass ich nicht mehr mit dem Yoga-Lehrer zusammen war, also war ich felsenfest davon überzeugt, dass er mir einen zweiten Versuch für unsere Ehe anbieten würde. Ich war an dem Tag hergerichtet, wie schon lange nicht mehr. Ich sah sehr gut aus, roch süß und als es an der Tür klingelte, pochte mein Herz wie beim ersten Kuss. Ich öffnete die Tür und da stand er vor mir. Auch hergerichtet, er roch wie früher, als wir noch ein Liebespaar waren, das noch keine Verantwortungen trug und von Liebe und Luft lebte. Meine Annahme muss richtig sein, er will es auch versuchen, so wie ich. Er gab mir einen Kuss auf die Wange, fragte nach den Mädels, diese kamen die Treppen runter und die drei gingen gemeinsam weg. Das wars? Hallo? Was ist mit mir? Ich dachte, es gäbe eine Überraschung. Ich saß stundenlang da und überlegte, was denn wohl die Überraschung sein könnte? Wieso weiß ich nichts davon? Wieso hat er nicht mit mir darüber geredet? Vielleicht möchte er zuerst mit den Mädels darüber reden, bevor er mich fragt, ob wir wieder zusammenkommen? Das war mit Abstand das längste Wochenende, das ich je erlebte. Er brachte nach dem Wochenende die Mädels zurück und verschwand schnell. Die Jüngere meiner Töchter ist zwölf Jahre alt, als sie hereinkam, wollte hatte sie nur ein Thema, über das sie sprach: Papas neue Freundin.

 


Es war wie ein Dolchstich. Als ich dann meine Tochter darum bat, mir diese "neue Freundin" zu beschreiben, sagte sie nur:"Sie ist jung und schön."

Also durch die Blume gesagt, ist sie alles, was ich nicht mehr bin. Er sah glücklich aus. Wochen später durfte auch ich sie kennenlernen. Ich würde gerne sagen, sie sei jung und dumm, aber das ist sie nicht. Sie ist jung, bildhübsch, intelligent, hat einen tollen Job, die Mädels verstehen sich mit ihr und nein, sie hat keinen Vaterkomplex. Sie und er erwarten nun ein gemeinsames Baby und ich fühle mich, wie die Oma dieses Kindes (lacht). Ich weiß nicht, aber es fühlt sich nicht falsch an, dass ich damals die Scheidung verlangt habe. Unser Leben war eine Zeitschleife, die sich nonstop wiederholte. Es musste so wie es war, aufhören. Zugegeben, ich dachte, ich würde glücklicher werden als er. Zugegeben, ich dachte, ich würde mich mit jemanden anderen binden, er aber nicht. Zugegeben, ich beneide ihn dafür, dass er nun wen hat, mit dem er älter wird, ich aber hier hilflos meiner Einsamkeit ausgeliefert bin.

 

 

Note: #MAMASTE ist durch Zufall enstanden. In den letzten 10 Jahren habe ich Frauen/ Mütter auf der ganzen Welt zu unterschiedlichsten Themen interviewt und dabei sind einige interessante Geschichten entstanden. Bis dato hatte ich noch nicht die Gelegenheit diese überaus einzigartigen Erzählungen auf eine passende Plattform zu posten. Da ich nun eine eigene Mama-Seite habe (endlich) , wurde aus dem Wort #Namaste für mich #Mamaste. Die Leben dieser besonderen Frauen, die mir höchstprivate Dinge (mit dem Wissen ich würde sie irgendwann veröffentlichen) anvertraut haben, finden nun hier ihren verdienten Ehrenplatz.In diesem Sinne: #Mamaste

 

Fotocredit: wix.com

 

 

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