Women, know your Place

December 6, 2017

Das Projekt #EinefürAlle soll zeigen, dass Frauen gemeinsam viel erreichen können. Internes Womenbashing steigt und diese Arbeit ist die klare Antwort darauf:
*I see all my Sisters together and i see them united*

Zusammenhalt statt Riesenspalt! Ja, wir sind unterschiedlich, aber ist das nicht ein Grund, um erst recht Hand in Hand durch diese Welt zu gehen und zu zeigen, dass unsere Weiblichkeit Gemeinsamkeit genug ist, damit jede von uns für alle anderen steht?
(Vorschauvideo: #EineFürAlle)


 

 

 

„Wie sieht die Alte denn aus?“, gibt sich eine Bekannte letztens schockiert. Sie meinte damit Pamela Anderson, von der sie online Fotos gefunden hat. Zu schnell gealtert, zu operiert, also zusammen, so ihre Einschätzung. Natürlich fanden sich genug Leute, die begeistert mitkommentierten. Frauen nach dem Äußeren zu beurteilen, das geht immer – auch wenn es noch so zynisch ist: altern geht nämlich nicht, plastische Chirurgie aber auch nicht.

Kaum eine Frau, die nicht früher oder später erfährt, welchen Platz ihr andere in der Gesellschaft zugestehen wollen - und welchen nicht. Das passiert in Österreich in den meisten Fällen nicht so drastisch wie etwa bei meiner Mutter, deren Vater sie nicht ins Gymnasium gehen ließ, weil sie als Frau später ohnehin einmal eine Familie gründen und Hausfrau sein würde: schade um die Zeit und das Geld also für den längeren Schulweg ins Gymnasium und etwaige anstehende Bildungsausgaben.

 

Schmatzgeräusche am Flughafen

Sexismus kommt heute oft subtiler daher: Ich erinnere mich an eine Szene am Flughafen, als die Mitarbeiterin am Security Check einen Geschäftsreisenden zwei Mal aufforderte, seinen Laptop zu öffnen. Er zwinkerte seinem Kollegen zu und raunte „Na, das ist aber a ganz a Strenge…“, gefolgt von Zungenschnalzen.

Beim Einkaufen lernte ich außerdem ein neues Wort: Da riet ein Vater seinem Sohn, er möge seine Freundin doch ein bisschen „einweiberln“. Übersetzt hieß das: Er solle ihr die Kleidung zahlen, denn so halte man sich die Frauen. Weniger neue Worte sind ins staubige Kellerfenster meines Wohnhauses gewischt: „Tamara, du blöde Fut.“
 

Journalismus kann Sexismus

In einer kaum anderen Liga spielte der Arbeitskollege einer Freundin, der ihr ungefragt empfahl, sie müsse nur mal wieder richtig durchgevögelt werden, dann wäre sie nicht so grantig.

Eine Freundin, HTL-Lehrerin in der Steiermark, schnappte im Lehrerzimmer erst kürzlich eine Unterhaltung zwischen Direktor und Kollegen auf. Thema: die immer weitere Kreise ziehenden Veröffentlichungen von #metoo-Erlebnissen. Was da abgehe, sei ja wie eine „Invasion“ auf Männer, protestierte der Direktor. Wie manche Frauen „daherkämen“, da bräuchten sie sich auch nicht wundern. Und: „Beim Hochschlafen haben die wenigsten ein Problem mit der Belästigung.“

Und auch meine Branche, der Journalismus, kann Sexismus gut: Ich denke an Redakteure, die einander aufklärten, dass es bei der Polizeipressestelle jetzt „ein paar neue Bitches“ gebe – also Pressesprecherinnen. Andere Journalisten klopfen sich bei besonders kreativen Ergüssen erquickt auf die Schenkel, wenn sie sich tippen trauen, dass Melania Trump „ihrem Donald die Stange hält“. Dass manchen die Sensibilität fehlt, Vergewaltigungen und Sex auseinanderzuhalten, wenn sie in Medien von „Sextätern“ schreiben, verwundert dann zumindest wenig.

 

War ja nur Spaß

Alles natürlich nicht so ernst zu nehmen, alles nur Spaß – und so alltäglich, dass ich solche Szenen ab und an in mein Handy klopfe, um sie mir in Erinnerung zu halten – vielleicht aber auch, um sie besser in Distanz zu mir selbst setzen zu können wie Theaterszenen, von denen ich nicht Teil bin. Und trotzdem sind sie Teil von uns allen. Sexistische (genauso wie rassistische oder klassistische) Vorurteile, Klischees und Erniedrigungen treffen uns in unserem Innersten, unserer Identität, können verletzten und bestimmen mit, wie wir uns selbst und andere wahrnehmen. Auch wenn sie von außen betrachtet nichts mit Frauen* an sich zu tun haben, sondern sich auf zugeschriebene Rollen beziehen, die von ausreichend Menschen aller Geschlechter gestützt werden. Diese Rollen mögen manchmal unter anderen Umständen bequem sein – bis sie uns im Weg stehen, bedrohen oder verwunden.

Nicht immer haben wir Lust und Laune, schlagfertig zu kontern oder uns selbst einen Spaß zu machen, indem wir vielleicht unserem Gegenüber mit Reverse Sexism ein herzliches „Geh scheißen, Schatzi“ als Denkanstoß mitgeben. Oft haben wir die ständigen, ermüdenden, individuellen Kämpfe einfach satt. Es reicht nämlich.

 

Reden wir drüber

Schon die immense Summe aus vermeintlichen Kleinigkeiten macht verständlich – um einen Schritt weiter zu gehen –, warum Betroffene von sexueller Belästigung oder Gewalt manchmal lange brauchen, um Erlebtes zu schildern: Viele Grenzüberschreitungen oder Objektivierungen von Frauen* wirken so normal, akzeptiert und sanktionsbefreit, dass erst Hashtags wie #aufschrei, #ichhabnichtangezeigt oder jetzt #metoo als Sprachrohr dienen. Selten aber doch zeigen sie: Wir sind nicht alleine und haben nicht individuelle, sondern als Gesellschaft strukturelle Probleme, die schon viel früher beginnen. Für sie braucht es laute und breite Antworten: die eines Kollektivs.

Genau deswegen ist Solidarität unter Frauen* (und von feministischen Männern*) so wichtig:

 

Gemeinsam lassen sich neue Räume definieren, Grenzen benennen und einfordern. Was es aber am wenigsten braucht, sind Frauen* (und Männer*), die sexistische Strukturen mitstützen, weil sie sich womöglich auf der Seite der vermeintlich Stärkeren in Sicherheit wähnen oder hoffen, für ihren Konformismus doch noch irgendwann belohnt zu werden. Auch das Überhören oder Wegkichern von alltäglichen Untergriffen zeigt Solidarität mit einem System, das alle Geschlechter schädigt. Es ist höchste Zeit, dass wir uns gegenseitig Gehör verschaffen, uns stärken und mutig sind. Und dafür braucht es nur Rückgrat.

Sandra Nigischer ist Journalistin und Obfrau des Frauennetzwerks Sorority


Fotocredit: Asma Aiad

 

 

 

ENGLISH VERSION
„Oh, look at that old boot!“ a friend said the other day surprised. She was commenting on a picture of Pamela Anderson she found online. Aging too fast, too many plastic surgeries, too much of everything to her judgement. Needless to say, there were many others willing to comment too. Judging a woman by her appearance, you can’t go wrong with that. How cynical it may ever be: growing older is a no go, but so is plastic surgery! Hardly to find a woman, who wasn’t allotted her role in society by others sooner or later.In Austria this normally doesn’t happen as obvious as it was in the case for my mother who’s father won’t allow her to attend academic high school, because as a woman she was expected to marry, raise a family and become a housewife. What a waist of time and money it would have been to spend it on a longer way to academic high school and emerging school fees.

Catcalling at the Gateway
Sexism finds its ways much more subtle nowadays: I keep remembering a scene at the airport, when a female security agent had to ask a business traveller two times to open his laptop. His eyes a-twinkle he turned to his companion saying “oh, that’s a tough one…” followed by clicking his tongue. The other day whilst shopping I witnessed a father advising his son to pay for his girlfriends’ clothes in order to bind her with the never-heard-before german word “einweiberln”, which could be translated like “inwifeing” Not as new are the words written in the ally dusty basement window of our apartement building: “Tamara, you stupid cunt.”

Even journalism does sexism T
The same difference is found in the comment of a workmate advising a friend of mine “to get properly fucked” in order to get rid of her grumpiness. Another friend of mine – she is a teacher at a polytechnic – overheard the conversation between another teacher and the schools headmaster about the #metoo campaign reaching out to more and more people: The headmaster felt it was like an “invasion” against manhood. The way some woman are “exposing” themselves shouldn’t let them wonder and last but not least: Only a very few would call it “harassment” whilst sleeping their way up to the ladder. And even in my field of work, journalism, sexism is found just around the corner:Talking about editors informing each other that there are “some new bitches” at the police PR department, meaning some female media spokesmen had started their work.Other journalists blowing their own horns for their boldness of writing that Melania Trumps “having a stiff job handling Donald”. Those who are simply missing the sensibility of keeping apart the terms of “rape” and “sex”, whilst writing about sexual predators don’t even attract attention.

Just kidding
And now please don’t take this too serious, it’s just joking – those scenes are simply part of the game, so common, that I have to note them on my phone to keep them in mind – or maybe to keep them in the right distance from myself, like scenes in a play I am not part of. But nevertheless they are a part of us, of our everyday life. Sexist prejudices (so as racist or social prejudices), clichés and humiliations are cracking our innermost parts, our identity, they harm and determine who we are and how we are appreciating others. Even though they might not refer to “women”, they refer to roles that a lot of people of all genders agreed on. You might even feel comfy with those roles sometimes, but only until they affect you, intimidate you and harm you. We are not always in the mood to give tit for tat, to counterattack and have ourselves a laugh through reverse sexism and a cordial “fuck off, sweetie!” Sometimes we are just tired off fighting this endless, exhausting battle alone. It’s enough already.

Let’s talk about it
The sum of all those allegedly peanuts might put across why it takes so long for some victims of sexual harassment or violence to come out with their experiences: all those violations of personal borders, those objectifications of women are so common, widely accepted and generally unpunished that it needed hasthtags like #aufschrei, #ichhabnichtangezeigt and #metoo to make them even visible. But what they are able to show is: you are not alone, it is not your own personal problem, but a problem of our society, starting at a point far beyond. And the answer to this problem has to be found in a loud and broad manner: it must be the answer of a whole collective. That is why solidarity amongst women (and feministic men) is a must: together we can define new boarders, name them and defend them. We don’t need women (and men) supporting sexist structures, considering oneselves to be on the strong end, in the safer zone, hoping to be rewarded for their conformism sometimes. Even laughing away or ignoring those hits below the belt shows solidarity with a system that harms all genders.It’s about time to find our voices, to empower us and be brave. It only needs to grow a spine.

 

Übersetzt von Kerstin Steiner (Die Königin tanzt)

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