Die Wunden dieser Welt

February 12, 2018

Wir laufen durch dich Welt und glauben sie besser als andere zu verstehen. Für jeden Menschen haben wir je nach Herkunft, Religion, Hautfarbe, Geschlecht und sexuelle Orientierung, auch eine passende Schublade. Wir schubladisieren- das tun wir alle. Die einen tun dies bewusst, die anderen eher unbewusst, aber so oder so, sind diese Vorurteile, mit denen wir anderen begegnen, eine angelernte Unart.

Als sichtbare Muslima (- weil Kopftuch), die auch ganz stark von der Sonne geküsst wurde, muss ich mich fas tagtäglich durch Rassismus, Sexismus und andere Urteile kämpfen, mein Leben rechtfertigen, erklären, verteidigen und am Ende des Tages bleibt oft nichts anderes übrig, als ein trauriger Mensch, der am liebsten den Planeten wechseln möchte. Aber ich bin damit nicht alleine, es geht nicht nur Muslimen so, ganz im Gegenteil:


"Geh dorthin zurück, wo du hergekommen bist."

Bei einem Playdate in Kuwait traf ich andere Mütter, wir waren echt ein bunter Haufen. Amerikanerinnen, Deutsche, Araberinnen, Asiatinnen- einfach alles durch die Bank. Unsere Kinder spielen miteinander und wir quatschen - eher lästern- über unsere Männer. Das war so ein Moment der inneren Ruhe, weil keine Hautfarbe, Religion, Geschlecht, oder irgendetwas eine Rolle spielte- DAS war schön. Es wurde aber schnell gestört: Zwei Kinder stritten sich um eine Schaukel, es wurde laut, dann kamen die Mütter dazu. Die eine Mama kommt aus England, die andere ist aus Jordanien. Sie versuchten ihre Kinder zu beruhigen, dies gelang ihnen aber nicht, da meinte die englische Mama:"Vielleicht kann ja Ahmed warten, bis Jake fertiggeschaukelt hat, ihm wird schnell fad, das weiß ich." Die andere Mutter lachte zynisch:"Wieso sollte mein Sohn auf deinen Sohn warten? Ihr seid es, die hier unsere Gäste seid, also stellt euch nicht so an." Die englische Mutter staunte nicht schlecht:"Wie bitte? Was sagst du da?" Die andere fuhr fort:"Sorry, aber unsere Kinder wachsen doch mit folgendem Satz in eure Länder auf, deswegen darfst du ihn auch hören, "Geh dorthin zurück, wo du hergekommen bist.""

Wir staunten alle nicht schlecht.
Im Gespräch mit der arabischen Mutter habe ich erfahren, dass sie immer mit rassistischen Übergriffe im Westen zu kämpfen hat- obwohl sie kein Kopftuch trägt und es einfach satt hätte, dass sie selbst in arabischen Ländern das Gefühl hätte, Westener hätten die Übermacht. Die englische Mutter hat mir erzählt, dass sie eigentlich einer der "Gutmenschen" ist, aber versteht, dass die allgemeine Meinung über "Western People" nicht gut ist, vor allem, weil sie durch den Kolonialismus an Reichtum kamen. Von mir kam dann nur ein verwundertes:"Ich dachte, wir san überall die Oaschlächer."

Die Schöne und die biestige Welt
Ich hatte mal eine Kollegin, die aussah wie eine Göttin. Sie war eine Bombenschönheit, hatte auch viel im Hirn. Ich habe mich unendlich gern mit ihr unterhalten, viele andere hielten sie aber "für schön und doof" und wagten deswegen gar nicht, sie anzusprechen. Wieso? Weil wir auf schöne Menschen neidig sind und nach einem Haken suchen, ganz nach dem Motto "Irgendetwas muss an ihr nicht stimmen". Aber was, wenn nicht nur das Aussehen, sondern auch der Charakter, die Intelligenz und die Kreativität da sind? Dann sind wir baff. Ja, dann gaffen wir, bis nichts mehr da ist, dass man sehen könnte- darin sind wir gut. Diese Frau hatte so gut wie keine weiblichen Freunde und fast nur männliche Freunde, die mehr wollten, als bloß Freundschaft. Von ihren Erzählungen her, war sie sehr einsam und dann sagte sie tatsächlich einmal "Ich wünschte, ich müsste mich nicht immer doppelt und dreifach beweisen, ich habe das wirklich satt."

Ganz egal welchen Kummer wir tragen, wir denken, es geht nur uns so. Jahrelang dachte ich, ich sei die Einzige, die mit so viel Gegenwind von der Gesellschaft kämpfen muss. Aber nein, wir sind viele. Ich denke, wir sind jeder...und dann kam mir ein verrückter Gedanke? Was, wenn Menschen, die solche Erfahrungen machen, selber damit aufhören, es anderen anzutun?


So auf die Art: Bewusst auf Menschen zugehen und sie in ihrer Menschheit anerkennen und respektieren. Die Tatsache verinnerlichen, dass all unsere Urahnen Schwarz waren, unsere Menschheit ein starkes Bündnis ist, ganz egal wo wer aufgewachsen ist, oder wie unterschiedlich wir sind. Wenn wir unsere Unterschiede hernehmen, damit sie uns verbinden, wie Puzzleteile, anstatt sie als hierarchische Podeste zu verwenden. Und was, wenn wir immer daran denken, dass die Stärke eines jeden Menschen einen weiblichen Ursprung hat, denn es war eine Frau, die dich in ihrem Körper getragen und genährt hat. Es war eine Frau, dessen Körper sich fast halbiert hat, damit du das Licht der Welt erblicken kannst. Und es war eine Frau, dessen Körper stark genug war, um dich - wie durch Magie- zu ernähren. Ja! Aller Ursprung von Mensch ist eine Frau! Aller Ursprung von Zusammenhalt ist Liebe- und ich habe mich bewusst dazu entschieden, alles andere aus meinem Gedankengut zu verbannen, denn jeder von uns hat eine innere Schlacht, die er mit sich trägt, im stillen bekämpft und versucht, tagtäglich in einem Versteck die Wunden dieser zu lecken. Wieso soll ich der Grund einer weiteren Wunde sein, anstatt für Heilung zu sorgen?

 

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