Von Liebespaar zu Eltern und wieder zurück...

March 9, 2018

 

Wo ist unsere Liebe geblieben?

Was passiert, wenn aus einem Liebespaar Eltern wird? Was passiert, wenn sich der aufregende Alltag der Zweisamkeit, langsam aber sicher als fade Rutine entpuppt und von der Liebe zweier Menschen nichts mehr als das tägliche Elternsein übrig bleibt? Natürlich, Elternsein verbindet in vielen Fällen, aber wo bleibt dabei die einst feurige Liebe?

 

Vor Monaten habe ich eine Mutter für die Kategorie #Mamaste interviewt. In dieser Kategorie erzähle ich (meistens) anonym die Geschichten von Frauen aus aller Welt. Sie hat davon erzählt, dass mit dem Dasein ihrer Kinder, ihr Mann und sie von Liebespaar zu Mitbewohnern mit Kindern geworden sind. Sie hätten schon drei Kinder und sie habe gar nicht mehr im Kopf, wann ihr Mann und sie das letzte Mal alleine essen, oder im Kino waren. Und mitten im Interview sagte sie dann zu mir "Wissen Sie was, ich wünsche mir manchmal echt, mein Mann und ich wären wieder Fremde und könnten alles, was wir gemeinsam erlebt haben, wieder erleben."

Und mich hat dieser Satz sehr tief getroffen. Wisst ihr wieso? Weil ich wusste, dass sie mit diesem Gefühl nicht ganz alleine da stand. Ich weiß, dass es vielen Müttern so geht und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte niemals dieses Gefühl. Ich denke auch oft, dass mein Mann und ich vor unserem Elterndasein ein romantischeres, aufregenderes und lebhafteres Liebespaar waren. Auch wir kennen jene Tage, an denen man kaum miteinander spricht, weil meine Tochter an mir hängt, ich nicht the sexiest woman alive bin und er in Arbeit versinkt. Am Ende des Tages sind wir dann beide viel zu müde, um auch nur "Gute Nacht" zu sagen- jeder von uns schläft dort ein, wo er zuerst hinfällt. Aber man spricht einfach nicht laut darüber. Weil es einem peinlich ist. Weil man über so etwas nicht spricht. Das gehört sich nicht. Man sagt es nicht laut, dass die Liebesehe zu einer Elternbeziehung geworden ist, viel lieber wahrt man bitte den Heiligenschein, ja?
 

Das neue "wir"

Ende November 2017 haben wir unsere damals 22 Monate alte Tochter bei den Eltern meines Mannes gelassen. Ich vertraue ihnen blind und unsere Tochter liebt ihre Großeltern sehr. Wir waren ein Wochenende weg. Zu zweit. Das erste Mal seit fast 2 Jahren. Für mich waren die ersten Stunden eine große Erleichterung, denn dieses Gefühl, sich selbst beschäftigen zu müssen und tatsächlich zu tun WAS MAN MÖCHTE, hatte ich vergessen. Einerseits habe ich meine Tochter unendlich vermisst, andererseits, vermisse ich mich- und vor allem uns als Paar- auch schon sehr lange. Und es war ein wunderschönes Gefühl, sich schick zu machen (sich dabei auch Zeit lassen zu können), hohe Schuhe und ein Abendkleid zu tragen, sich so zu schminken, wie man es möchte, nicht nur halbwegs die Augenringe zu verdecken, damit sich die Leute auf der Straße nicht erschrecken und sich selbst als Frau einfach hübsch zu finden. Das ist ein sehr schönes Gefühl. Wir waren dann gemeinsam essen. Ohne Hektik. Ohne, auf die Uhr zu schauen. Ich habe tatsächlich gegessen, nicht nur geschaut, dass Laila nicht vom Boden isst, dem Kellner durch die Beine läuft, oder so fadisiert ist, dass sie weint. Wir saßen da, haben gegessen, gelacht, geredet und da habe ich etwas bemerkt, dass mir wohl entgangen war:
 

Wir sind nicht mehr das Paar, das wir vor unserem Elternsein waren. Ich sah meinen Mann an und musterte ihn richtig, er ist erwachsener geworden, hat schon paar weiße Härchen, ist selbstbewusster, reifer. Und ich, ich bin nicht mehr so naiv, viel verantwortungsbewusster, immer noch ein Kasperl, aber trotzdem ernster. Seit fast sieben Jahren sind wir nun zusammen, davon zwei Eltern und erst jetzt, in diesem Moment merke ich, dass durch Lailas Geburt auch wir wieder geboren worden sind: Als Mutter und Vater. Ich dachte, ich würde an jenes Wochenede zwei Menschen aus der Vergangenheit wieder treffen, weil ich unser damaliges "uns" so vermisst habe, musste jedoch festgestellen, die zwei sind wir gar nicht mehr. Wir sind jetzt anders wir. Anders verliebt. Anders ein Paar. Anders zusammen.
 

 

Fotocredit: wix.com

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