#NotYourDoll

April 6, 2018

 

Kein Kopftuch für Kinder

Die österreichische Regierung diskutiert derzeit über ein Kopftuchverbot in Kindergärten und Volksschulen ab nächsten Herbst. Das Ganze läuft unter "Kindesschutz" ab und findet großen Zuspruch bei der Gesellschaft, denn kleine Mädchen können sich gar nicht freiwillig für so etwas entscheiden. Ich persönlich- wie der Rest der Muslime in Österreich- habe absolut nichts dagegen, die Frage ist hier nur: Wie sinnvoll es ist Geschwindigkeitsregeln für einen Baum zu erlassen, aber ok, gut- von mir aus.

 

Kein Kopftuch für Frauen
Nun ist aber plötzlich die Diskussion entfacht worden, dass es studierende Frauen auch noch betreffen soll. Es hat mit dem Burkaverbot angefangen- getarnt als Verummungsverbot- dann kommt das Kopftuchverbot für Kinder- ohne Fakten, Zahlen, oder Kinder, die es tatsächlich tragen- sehr bald sind erwachsene Studierende dran und irgendwann, ist es wahrscheinlich die Länge deines Minirocks, die der Staat mitbestimmen möchte.

 

Gesichter der Selbstbestimmung
Noch jubelt die Masse, denn das Kopftuch wird langsam aber sicher unsichtbar in Österreich. Hier wird aber eine altbekannte Strategie übersehen, denn dass Politik auf Frauenkörper betrieben wird, ist nicht neu für die Welt. Auch nicht für Österreich. Frauen werden immer auf das reduziert, was sie tragen und ihrer Kleidung werden Symboliken aufgeklatscht, um die Validität dieser Gesetze zu wahren- ganz egal was sie tragen. So gilt ein Kopftuch als Unterdrückungssymbol und ein Minirock als erkämpfte Freiheit. Wenn wir von den unterdrückten Musliminnen reden, dann traut sich niemand jene zu nennen, die in Österreich leben, denn die reden ja über sich selbst- sogar auf Deutsch- und haben längst bewiesen, dass sie nicht unterdrückt, sondern sogar auf Augenhöhe mit Nichtmusliminnen stehen. Deswegen werden gerne Vergleiche mit den Frauen aus dem Iran gemacht:
"Die Frauen im Iran kämpfen dagegen und hier wollen es die Affen weitertragen."
Bei diesem Thema mischt man sich gern in die Angelegenheit anderer Länder ein, geht es aber um die Politik Israels und Freiheitskämpferinnen wie Ahed Tamimi, ist der westliche Feminismus auf beiden Augen blind, denn in Angelegenheiten fremder Länder, mischen wir uns nicht ein.
Und daran erkennt man wie blind Fremdenhass machen kann, denn die Situation im Iran ist folgende:
Frauen dort versuchen die ihnen aufgezwungene Interpretation von Freiheit loszuwerden, weil es nicht die eigene Definiton ist. Und dreimal dürft ihr raten, was Musliminnen in Österreich versuchen?! Selbstbestimmung hat viele Gesichter, Geschichten, Definitionen, Kleidungsstücke und Einstellungen. Es wird immer stolz damit angegeben, dass Österreich ein säkularer Staat sei, aber wie säkular kann ein Staat sein, wenn er seine gesamte Säkularität von ein paar Tiacherl bedroht sieht?! Und inwiefern ist es fair, wenn wir eine einzige Glaubensgruppe mit Gesetzen und Verboten einengen und immer mehr in Ecken treiben, bis sie zum Feindbild werden? Echt jetzt? Schon wieder? Hatten wir das nicht schon einmal? Wer sich fragt, wie es Hitler damals geschafft hat, so viel Hass zu schüren und sich über seine vielen Anhänger wundert, der kann heute live in Österreich zusehen, wie es damals geklappt hat:
Different names, same shit.


Stelle dir vor...
Stelle dir vor, du gehst mit deinem Kind auf der Straße spazieren. Es ist ein schöner Tag, die Sonne scheint und ihr macht Pläne für den Rest des Tages. Ihr werdet vielleicht noch Freunde treffen, im Park picknicken, oder auf der Couch daheim einen Film schauen, ihr wisst es noch nicht so genau. Plötzlich wird dir vor deinem Kind ein Kleidungsstück von einem Fremden runtergerissen. "Du darfst das hier nicht tragen, das ist Gesetz, du musst das ausziehen", hörst du jemanden in deine Richtung schreien. Du ziehst dein Kind nahe zu dir, willst es beschützen, hast Angst, man könne ihm etwas tun. In Angst und Demut bückst du dich, willst die Person nicht in die Augen schauen, um sie nicht zu provozieren, der Typ soll einfach nur weg. Du spürst, dass dein Kind in deinen Armen zittert, es hält die Tränen zurück, es hat keine Ahnung was mit euch geschieht. Nachdem ein paar Mal auf dich eingeschlagen wurde, wirst du endlich in Ruhe gelassen. Alles gut, solange es deinem Kind halbwegs gut geht. Solange dein Kind keine Fragen stellt, denn du hättest darauf keine Antworten. Du weißt selber nicht, wieso Menschen bei solch Unrecht auf der Straße zusehen und weitergehen, aber nicht helfen. Du weißt selber nicht, wieso es Gesetze gibt, die es Menschen erlauben, dich auf offener Straße anzugreifen, dir ihre Definition von Freiheit aufzwingen dürfen- rechtlich. Du weißt selber nicht, wieso Fremdenhass Platz auf Straßenwänden, in den Nachbarschaften und in Schulen haben darf, deine Definition von Freiheit und Auswahl der Garderobe aber nicht. Aber stell dir vor, das sei deine tägliche Realität. Stelle dir vor, das sei die "säkulare" Gesellschaft, in der du leben würdest. Stelle dir vor, es sei dein Kind. Und glaube mir, was das Kleidungsstück ist, das man dir runterreißt, spielt keine Rolle- Hass macht keinen Unterschied, denn er findet immer für ihn begründbare Wege.

 

Jetzt erst recht!
Was ich nun hier schreibe, habe ich noch nie laut gesagt. In den letzten Monaten und noch lange bevor diese Diskussion in den Medien stattgefunden hat, hatte ich überlegt, das Kopftuch eventuell abzunehmen. Ich hatte genug. Ich hatte genug davon ständing mit Hass konfrontiert zu werden und mich für Dinge rechtfertigen oder klarstellen zu müssen. Ich wollte Abstand von all dem und ich wollte meine innere Ruhe. Ich weiß, ich wäre damit nicht glücklich gewesen, aber ich hätte keine Kopfschmerzen mehr. Dann startete diese Diskussion und der erste Gedanke den ich hatte war: Genau das wollen sie. Genau dorthin steuern sie uns. Sie mindfucken uns. Und ich lasse mich nicht mindfucken. Ich lasse mir nicht nehmen, was meine Identität sichtbar macht. Nicht als nur als Muslima, sondern als Wüstenkind, Künstlerin, spiritueller Schmetterling und exotischer Vogel. Ich lasse mir nicht nehmen, woher ich komme, denn die Welt ist mein Daheim und danach schau ich aus. Ich lasse mir nicht nehmen, worin ich mich wohl fühle und ganz sicher lasse ich mir nicht die Entscheidung nehmen zu tragen was ich will. Nicht in Österreich. Nicht im Jahr 2018. Anstatt mich also in meinem Vorhaben es abzunehmen zu stürzen, geschah genau das Gegenteil und keine Frau hat was ich fühle besser beschrieben als Maya Angelou:

                                   
"You may shoot me with your words,
You may cut me with your eyes,

you may kill me with your hatefulness,

but still like air, 
I WILL RISE!"



You have been mindfucked
Liebe Grantler und Innen, die diese geplanten Gesetze beklatschen und Zwangsfreiheiten für eine einzige Glaubensgruppe einfordern-

you have been completely mindfucked!

Den Beweis dazu fasste die Journalistin Nina Horaczek mit einem einzigen Post fein zusammen:
" "Mist! Die Experten sagen öffentlich, unsere Klimastrategie ist Schrott!"
-"Dann lenken wir die Wähler schnell mit einem Kopftuchverbot für Volksschulmädchen ab!"
-"Scheiße, jetzt checken die Leute auch noch, dass wir die AUVA zerschlagen und ihnen das Lorenz Böhler-Spital wegnehmen wollen."
-"Dann fordern wir ein Kopftuchverbot bis zur Uni und schon ist wieder Ruhe!" "

Es lassen sich eben nicht alle Menschen so leicht hinter´s Licht führen.

Fotocredit: Hibat U. Kelifi

 

 

 

Please reload

  • Facebook Social Icon
  • Instagram Social Icon
Recent Posts

August 8, 2019

July 8, 2019

June 20, 2019

June 13, 2019

November 28, 2018

Please reload

  • Facebook Social Icon
  • Instagram Social Icon

©2019 Made with multicultural Humor since July 2016