Bin ich es wert geliebt zu werden?

April 6, 2018

Note: #MAMASTE ist durch Zufall enstanden. In den letzten 10 Jahren habe ich Frauen/ Mütter auf der ganzen Welt zu unterschiedlichsten Themen interviewt und dabei sind einige interessante Geschichten entstanden. Bis dato hatte ich noch nicht die Gelegenheit diese überaus einzigartigen Erzählungen auf eine passende Plattform zu posten. Da ich nun eine eigene Mama-Seite habe (endlich) , wurde aus dem Wort #Namaste für mich #Mamaste. Die Leben dieser besonderen Frauen, die mir höchstprivate Dinge (mit dem Wissen ich würde sie irgendwann veröffentlichen) anvertraut haben, finden nun hier ihren verdienten Ehrenplatz.In diesem Sinne: #Mamaste

 

 

Scheidungseltern

Es gibt Männer, die gute Freunde sind, gute Liebhaber, aber keine guten Ehemänner. Das war bei uns der Fall. Mein Ex-Mann war ein toller Kumpel, er war ein grandioser Liebhaber, aber er war kein Ehemann, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte- das weiß man halt leider erst danach. An diesem Punkt habe ich mich gefragt, ob er ein guter Vater für unsere Töchter ist und das war er. Aber das konnte er auch sein, ohne dabei zwingend mein Mann zu sein. Nach elf gemeinsamen Jahren, davon drei verheiratet und zwei gemeinsamen Kindern, haben wir uns scheiden lassen. Wir waren aber immer Freunde und sind es noch. Als wir uns scheiden ließen, waren unsere Töchter 3 und 1 Jahr alt. Sie können sich beide nicht richtig an uns zusammen erinnern- als Paar, meine ich. Ich weiß aber, dass ich als geschiedene Frau niemals alleinerziehend war. Das können viele verheiratete Frauen nicht von sich sagen. Ich konnte und kann immer auf meinen Ex-Mann zählen, auch bei finanziellen Problemen. Er ist selbst nach über 20 Jahren Scheidung mein bester Freund. Ich war Anfang dreißig, als wir uns scheiden ließen- ein junges Ding.

 

Scheidungskinder

Nach der Scheidung wollte ich mir selbst beweisen, dass es die richtige Entscheidung war mich von ihm zu trennen und habe mich voll auf die Mädels konzentriert- es waren damals andere Zeiten für geschiedene Frauen. Ich hatte nicht eine Sekunde lang den Gedanken an einen anderen Mann verloren. Klingt blöd, aber ich hatte dafür einfach keine Zeit, dann kein Interesse, dann war ich zu alt, weil das Leben ohne mich stattgefunden hat. Pech gehabt, oder? Jetzt bin ich fünfzig Jahre alt, habe zwei tolle Kinder in die Welt gesetzt und ich bin so stolz auf sie, weil sie selbstständige Frauen sind, die herzensgute Menschen sind. Ich wollte mir immer beweisen, dass Scheidungskinder- meine Kinder- damit umgehen können, dass ihre Eltern getrennt sind. Ich wollte dieses Schuldgefühl nicht in mir tragen müssen, dass unsere Scheidung der Grund für jedes Wehwechen ist und habe dabei komplett auf mich vergessen. Und wissen Sie was, ich habe es nicht bereut.

Bin ich es wert geliebt zu werden?
Und so lebt man halt. Man denkt, man hat eh alles, ist gesund, hat gesunde Kinder, ein Dach über den Kopf und vielleicht soll es eben mit der Liebe nicht sein, weil alles andere da ist. Bei meinem Ex-Mann hat es aber geklappt, er hat viele Beziehungen nach mir gehabt, bis es mit einer Dame schließlich gut klappte. Ich selber sah mich nicht in solch einer Situation, ich fand schon den Gedanken daran mühsam, mich jemandem vorzutsellen und mit allem bei Null anzufangen. War ich faul? Ja, vielleicht war ich faul, vielleicht dachte ich aber auch, dass ich es nicht wert war, geliebt zu werden. Weil es schönere Frauen gibt, klügere, attraktivere und definitiv jüngere.

Ich habe eine Freundin, die als Flugbegleiterin gearbeitet hat und in Dubai lebt. Sie hat dann einen der Einheimischen dort geheiratet und lebt seitdem dort. Sie hat mir ständig von den Stränden und den Wolkenkratzern dort erzählt und wollte von mir, dass ich sie besuche. Ich habe diese Anfrage immer gekonnt ignoriert, ich konnte mir darunter nix vorstellen, ich bin eine einfache Grundschullehrerin, die wie soll ich sagen...viele als langweilig beschreiben würden, denke ich. Einfach. Fad.

Als ich merkte, dass das Leben viel zu kurz ist, habe ich die Einladung doch angenommen. Ich hatte sie seit Jahren nicht gesehen, meine Kinder studierten im Ausland, ich war alleine und brauchte ein neues Abenteuer. Mein letztes war schon zwanzig Jahre her, es war also an der Zeit. Dort angekommen fühlte es sich an wie in einer anderen Welt. Ich war von der Kultur, den Menschen, dem Wetter, dem Essen, einfach allem, unendlich begeistert. Ich habe dort auch ihren Bruder kennengelernt, der sie ab und zu besucht, aber eigentlich in Lichtenstein lebt. Wir kamen ins Gespräch, er hat mir erzählt, dass auch er geschieden ist, aber keine Kinder hat. Wir waren schnell miteinander verbunden. Die Chemie zwischen uns stimmte einfach, auch, wenn ich um die zehn Jahre älter bin als er. Wir haben unseren Urlaub dort miteinander verbracht- jeden Tag und auch einige Nächte. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich keine Ahnung was ich da tue. Ich hatte keinen Plan, keine Vorstellung wie es weitergehen würde und das gefiel mir. Und ohne zu lügen, ich hatte keine Ahnung was er von mir hielt. Ich war verknallt, ich habe mich aber nicht getraut, dasselbe von ihm zu behaupten.

Eines nachts- es war unsere letzte gemeinsame Nacht- fragt er mich, wie es nun mit uns weitergehen würde. Ich habe ihm klar gemacht, dass er nicht dazu verpflichtet ist, den Kontakt zu mir aufrecht zu erhalten. Er hatte nicht mit dieser Antwort gerechnet und war regelrecht schockiert. Wieso ich so denke, wollte er wissen. Und ich wusste es nicht. Ich denke, weil ich nie davon überzeugt war, dass ich es wert bin geliebt zu werden. Er nahm mich fest im Arm und sagte nichts. Wir blieben eine Weile so ineinander verschlungen, bis ich durch seine Nähe verstand, dass ich falsch lag und das für ziemlich lange. Endlich verstehe ich, dass ich genug bin. Dass ich liebenswert bin und, dass ich es schon immer war.

 

Note: #MAMASTE ist durch Zufall enstanden. In den letzten 10 Jahren habe ich Frauen/ Mütter auf der ganzen Welt zu unterschiedlichsten Themen interviewt und dabei sind einige interessante Geschichten entstanden. Bis dato hatte ich noch nicht die Gelegenheit diese überaus einzigartigen Erzählungen auf eine passende Plattform zu posten. Da ich nun eine eigene Mama-Seite habe (endlich) , wurde aus dem Wort #Namaste für mich #Mamaste. Die Leben dieser besonderen Frauen, die mir höchstprivate Dinge (mit dem Wissen ich würde sie irgendwann veröffentlichen) anvertraut haben, finden nun hier ihren verdienten Ehrenplatz.In diesem Sinne: #Mamaste

 

Fotocredit: wix.com

 


 

 

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