Mireille Ngosso- unsere Black Panther

In der Kategorie #Frauenstark werden euch Frauen vorgestellt, die eine inspirierende und motivierende Funktion für ihre Mitmenschen haben. Sie schreiben die Herstories unserer Zeit und Zukunft. Eine gesunde Gesellschaft lebt vom Miteinander und da wir so viele starke weibliche Persönlichkeiten haben, müssen diese mit ihren Ideen und Innovationen in den Vordergrund gestellt werden.

 

Mireille Ngosso ist 37 Jahre alt, designierte Bezirksvorsteher Stellvertreterin und Ärztin.
Sie ist in der demokratischen Republik Kongo geboren worden und lebt seit über 30 Jahren in Wien. Seit 7 Jahren engagiert sie sich in der SPÖ.


1) Du bist Mama, Ärztin und seit sehr kurzer Zeit auch die stv. Bezirkschefin der Innenstadt. 
Kannst du uns bitte erzählen, wie du all das unter einen Hut bringst? Und wie macht es dein Mann mit Beruf und Vaterschaft? Habt ihr etwa mehr als 24 Stunden am Tag, oder was machen wir anderen da falsch?
"Ganz ehrlich, es ist eine große Herausforderung, die auf alle Fälle einen großen organisatorischen Einsatz verlangt. Ich habe aber ein sehr gutes soziales Netz, mein Mann, meine Mutter und meine ganze Familie helfen mir sehr."




2) Für viele sagt die Berufsbezeichnung „stellvertretende Bezirkschefin“ nicht viel, was genau sind deine Aufgaben, wofür bist du zuständig?
"Meine Aufgabe im Bezirksvorstand ist es die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner zu vertreten. Meine Schwerpunkte sind hier eine gute Gesundheitsversorgung für alle, leistbares Wohnen und mehr öffentliche Freiräume. Ich werde daran arbeiten, dass wir eine ordentliche Gesundheitsversorgung durch Kassenärztinnen und  -ärzte bekommen. Öffentliche Freiräume wie Spielplätze und Grünflächen müssen im Bezirk forciert werden. Außerdem muss die Innere Stadt ein Wohnbezirk bleiben – das ist auch wichtig für die Sicherheit. Wir wollen ja keine Geisterstadt!

"

3) Es haben dir viele Menschen zu deinem neuen Posten gratuliert, für andere war dieser jedoch ein Grund, um ihrem Hass Ausdruck zu verleihen. Rassismus ist generell eine sehr aktive Einstellung in Österreich, aber wie gehst du persönlich damit um?

"Es stimmt, dass hier noch sehr viel getan werden muss. Ich bin mit Rassismus sozusagen „großgeworden“, ich habe immer wieder schlechte Erfahrungen gemacht. Dadurch bin ich aber auch gewachsen und stärker geworden. Mir ist dadurch eines klar geworden: Ich gebe sicher nicht auf! Auch oder gerade weil manchmal rassistische Meldungen kommen. Weil ich selbst diese Erfahrungen gemacht habe, weiß ich wie wichtig es ist sich dagegen einzusetzen – und zwar auf jeder Ebene. Seit bekanntwerden meiner neuen Funktion als Vizebezirkschefin habe ich auch gemerkt, dass Vorbildrollen sehr wichtig sind."

4) Viele antworteten auf die Hasskommentare mit „Aber sie ist eine tolle Ärztin“, wo es bei all dem Hass doch um deinen sichtbaren Migrationshintergrund (ich hasse dieses Wort) geht- so, als sei ein Ärztestatus eine Art „Leo“ für euch von Rassisten, dem ist aber nicht so. Werden wir in diesem Land immer „die Fremden“ bleiben, solange unsere Wurzeln sichtbar sind? Und muss man Arzt sein, um über diesen Hass stehen zu können?
"Dass ich Ärztin bin, macht vieles für mich einfacher. Ich werde anders behandelt, wenn ich sage, dass ich Doktorin bin. Diese Wertigkeit nach Titel macht den Klassismus bemerkbar von dem unsere Gesellschaft geprägt ist. Wenn man eine gute akademische Ausbildung hat, hat man es also definitiv leichter.
Dass wir „die Fremden“ bleiben, hoffe ich doch nicht! Gerade für meinen Sohn will ich, dass er als Wiener angesehen wird - unabhängig von seiner Hautfarbe. Dafür setze ich mich in der Politik auch ein."


5) Du bist jetzt für viele Kinder und junge Frauen so etwas wie ein Black Panther, oder eine Catwoman. Die erste Afroösterreicherin, die so einen Posten in Österreich belegt. Du bist eine Art Superheldin, weil sie dich als Vorbild sehen- was du ja bist. Erst gestern hat mir eine Freundin erzählt, dass du das Vorbild ihrer Tochter bist, die bald maturieren sollte. Ist dir das bewusst? Was löst das für Gefühle in dir aus?
"Vor dem Medienrummel war es mir nicht so sehr bewusst. Durch die Reaktionen der Menschen und aus den Communities habe ich aber gemerkt, welche Rolle ich auf einmal einnehme und wie mich die Menschen wahrnehmen. Viele haben sich bei mir gemeldet, und mir gesagt, dass sie oder ihre Töchter und auch Söhne mich als Vorbild sehen.
Das löst natürlich Freude und Unbehagen zugleich in mir aus. Da sind auf einen Schlag so viele Menschen, die auf mich aufschauen und Erwartungshaltungen an mich haben. Das macht mich stolz und ich hoffe, dass ich diese Erwartungen erfüllen kann. Gleichzeitig ist mir sonnenklar, dass ich das weder kann noch muss. Es ist gut so wie es ist."


6)Was wünschst du dir von der österreichischen Gesellschaft in puncto Zusammenhalt und Zivilcourage? Wo haben wir noch Lücken?
"


Ich war total beeindruckt wie stark die Österreichische Zivilcourage ist. Mir wurde so viel Rückhalt und Solidarität bekundet – das war einfach unglaublich. Das zeigt, wie stark der Zusammenhalt zwischen uns Menschen ist. Gleichzeitig beobachte ich die Politik der derzeitigen Regierungsparteien mit Besorgnis: Die Gesellschaft zu spalten bis nur noch jeder für sich steht und die Armen gegen die Ärmsten auszuspielen scheint ihr oberstes Ziel zu sein. Dabei bedient sich die Regierung widerlicher Mittel wie Scheindebatten: Ganz Österreich diskutiert darüber, ob eine Handvoll Mädchen weiterhin Kopftuch in der Schule tragen dürfen, während die Unfallversicherung für alle Arbeitnehmenden im Land gestrichen wird."

7) Was ist deine Botschaft an junge Menschen, die aufgrund von Herkunft, Religion, Hautfarbe, sexueller Orientierung, oder vieler anderer Labels in den großen, bekannten Topf gesteckt werden und deswegen langsamer, oder gar nicht weiterkommen? Dann gibt es welche, die kommen zwar weiter, aber leiden unter einem enorm starken Druck. Was kannst du ihnen raten, was ist dein Geheimrezept?
"Ich habe kein Geheimrezept. Was ich euch allen aber mitgeben möchte, ist, dass ihr nicht aufgeben dürft. Wenn ihr ein Ziel habt, lasst euch nicht davon abhalten. Es gibt immer Menschen die einem wohlgesonnen sind, auch wenn man das manchmal gar nicht glaubt. Solidarität und Zusammenhalt spielen hier eine große Rolle."

8)Was ist dein Rat für Eltern und vor allem frischgebackenen Eltern, die sich von der Außenwelt leicht verunsichern lassen?
"Lasst auch nicht verunsichern! Mein Mann und ich haben uns gesagt, dass wir unserem Sohn so erziehen, wie wir es für richtig halten. Wir sind seine Eltern, deshalb wissen wir das am aller besten!"

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