"Auf die Mutigen!"

 

In der Kategorie #Frauenstark werden euch Frauen vorgestellt, die eine inspirierende und motivierende Funktion für ihre Mitmenschen haben. Sie schreiben die Herstories unserer Zeit und Zukunft. Eine gesunde Gesellschaft lebt vom Miteinander und da wir so viele starke weibliche Persönlichkeiten haben, müssen diese mit ihren Ideen und Innovationen in den Vordergrund gestellt werden.

 

 

Wer ist diese Frau Kickl, die es wagt mit Intellekt, Humor, aber vor allem mit Mut zwischen den Zeilen das zu sagen, was sich viele Österreicher und Innen denken?

Ein kurzer Steckbrief:
Daniela Kickl ist im Sommer 1970 in Wien geboren. Sie hat vielseitige Tätigkeiten, da wären zB.: im Bereich IT u.a. im Magistrat der Stadt Wien und Apple, Cork, Irland.
Außerdem ist sie Mama von zwei Burschen.
(die vollständige Version ihres Steckbriefes findest du hier: Mehr über Daniela Kickl )


1) Im Oktober waren die Wahlen, wenig später waren die neuen Minister bekannt und viele Teile der Nation waren nicht sehr glücklich über die neue Regierung. Und plötzlich- wie aus dem Nichts- kommst du mit deinen Briefen, die du öffentlich auf FB gepostet hast und deinem Cousin- dem Innenminister Herbert Kick- widmest. Wieso öffentlich? Wieso nicht privat?

"Mein erstes Brieferl habe ich am 11. November 2017 geschrieben, also zu einem Zeitpunkt, als Herbert als Innenminister noch nicht abzusehen war.

https://www.facebook.com/DanielaKickl/posts/1003678113117010

 

Meine Brieferl sind eine Form, meine persönlichen Ansichten über die aktuelle türkis-blaue Regierung kundzutun. Das verstehen die Menschen auch so. Es geht nicht um Herbert, weder als öffentliche Person noch als mein Cousin. Ich sehe unsere Verwandtschaft als Wink des Schicksals an mich, der mich in eine spezielle Situation und damit auch Verantwortung bringt."

 

2)Wie du dich in deinen Briefen ausdrückst und vor allem mit dem, was du sagst sprichst du vielen Bürgern dieser Republik aus der Seele. Hättest du mit so viel Zuspruch gerechnet? Und wie gehst du mit Gegenwind um?

"Zum Zeitpunkt des ersten Brieferls hatte ich etwa 500 Fans auf Facebook. Ich habe mit dem Schreiben aus einem inneren Bedürfnis begonnen. Und dabei eine Form gewählt, die mir selbst Spaß macht. Ich glaube, die Menschen merken, dass ich auch "nur" ein ganz normaler Mensch bin, der seine eben Ansichten ausdrückt. Ohne Partei hinter mir, ohne Lobby, ohne Beeinflussung. Ich schreibe frei von der Leber weg und bin deshalb authentisch. Im Gegensatz zu so manchen Politikern, die gerne authentisch wirken möchten, es aber nicht sind.

 

Das Brieferl #4 am 18.Dezember ist viral gegangen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und natürlich freue ich mich über jeden, dem meine Art und Weise zu schreiben gefällt. Den Gegenwind mag ich insofern, als es mir zeigt, dass ich irgendwie einen Nerv treffe, von dem sich manche dermaßen genervt fühlen, dass sie ungustiöse Kommentare oder Nachrichten schreiben.

 

Das wirklich Interessante am Gegenwind ist aber, dass er immer gegen mich persönlich weht. Was vermutlich daran liegt, dass diese Leute eben inhaltlich nichts einbringen können. Das gefällt mir irgendwie, weil es doch nur zeigt, dass ich inhaltlich wohl recht habe. Sonst würden sie mich mit Leichtigkeit zerpflücken (können). Außerdem motiviert mich Gegenwind ungemein, nicht aufzugeben."

 

3)Wie ist es eigentlich IN eurer Familie? Hat sich schon jemand bei dir bezüglich der Briefe gemeldet?

"Innerhalb meiner engsten Familie wird natürlich darüber gesprochen. Im weiteren Familien- und Freundeskreis wird nur selten bis gar nicht darüber geredet."

 

 

4)Für mich persönlich sind deine Briefe ja Qualitätsjournalismus, also ich lese sie regelmäßig noch bevor ich die Nachrichten lese- war das von Anfang an dein Plan, dass du der "gute Cop" bist?

"Nein, ich hatte überhaupt keinen Plan. Den habe ich auch heute nicht. Ich habe nur das gemacht, was ich für notwendig und richtig erachtet habe. Und so mache ich es noch immer."

 

5)Viele Menschen dachten sich nach deinen ersten Briefen „Wieso kann nicht DIESE Kickl Innenministerin sein?“ Kannst du mir sagen, was die Gesetze wären, die du erlassen würdest, wärst DU unsere Innenministerin?

"Ich bin (noch) keine Jursitin. Auch bin ich (noch) keine Politikerin. Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich ist, immer zu wissen, was ich weiß und was ich kann, und noch mehr, zu wissen, was ich NICHT weiß und NICHT kann. Insofern weiß ich nicht, welche konkreten Gesetze ich erlassen würde. Müsste ich das als Innenministerin wissen? Ich glaube nicht. Wozu gibt es denn die vielen Beamten im Ministerium, die sich auskennen., wenn nicht genau für eine solche Umsetzung? Ich wüßte "nur", welche Richtung ich einschlagen und vorgeben würde. Und die wäre wohl ganz anders, als die von Cousin Herbert."

 

6)Wie siehst du die Zukunft Österreichs unter der jetztigen Regierung, sollte es so weitergehen wie die letzen Monate? Und denkst du, dass sie 5 Jahre halten wird?

"Ich sehe die Zukunft im Moment wenig rosig. Sie werden weiter umsetzen, was sie sich vorgenommen haben, und das so schnell als möglich. Dieser Affenzahn kann zwei Gründe haben. 1) sie wähnen sich 5 Jahre in der Regierung und wollen die Grauslichkeiten zu Beginn umsetzen, in der Annahme, dass die Menschen alles bis zum Ende der Legislaturperiode vergessen und/oder sich daran gewöhnt haben. 

2) sie haben selbst das Gefühl, dass ihnen keine 5 Jahre bleiben, und machen deshalb alles so schnell. Ich glaube und hoffe, dass sie keine 5 Jahre zur Verfügung haben werden."

 

7)In den Kommentarleisten unter einem der Beiträge- es war das Neujahrsbaby Asel- schrieb eine Dame „Eine Ratte mag im Pferdestall geboren werden, sie bleibt dennoch eine Ratte und wird von den anderen Pferden niemals ein Pferd angesehen.“ Das hat mich nicht mehr losgelassen.

Kannst du dich als „echte Österreicherin“ mit solch einer Einstellung identifizieren? 

"Selbstverständlich nicht! Ich frage mich immer, was in Menschen vorgehen muss, die sich extra die Zeit nehmen, solche Sachen zu schreiben. Wahrscheinlich sind sie derartig mit ihrer eigenen Situation unzufrieden, dass sie die aufgestaute Wut auf noch Schwächeren abladen. 

 

Ich kann gut verstehen, dass dich das nicht losgelassen hat. So ergeht es mir auch oft, wenn ich grausliche Kommentare lese. Ich versuche aber immer, mich auf das Positive zu fokussieren. In Wahrheit ist es doh so: es werden 100 nette Kommentare geschrieben und dann gibt es einen grauslichen. Und schon sind die 100 anderen vergessen und der eine grausliche Kommentar geht uns zu Herzen. Das raubt Zeit und noch mehr Energie. Deshalb mein Tipp: immer bewusst auf das Schöne, das Lebenswerte, das Positive schauen."

 

8)Es wird grad an einem Kopftuchverbot für Kinder und vielleicht auch Jugendliche/Studierende gebastelt, was haltest du von der ganzen Sache rund um diese Thematik? Gehört der Islam zu Österreich? Gehören Muslime zu Österreich? Gehören muslimische Kinder von ihren Eltern geschützt?

"Ich persönlich bin agnostische Atheistin (oder auch umgekehrt) und kann mit keinerReligion etwas anfangen. Insofern bin ich auch, wie die meisten Atheisten, wesentlich toleranter gegenüber Religionen als so mancher Gläubige. Soll jeder glauben was er mag, ich kann weder den einen noch den anderen Glauben für mich nachvollziehen.

Wobei ich aber das Gefühl habe, dass sehr viele "Gläubige" gar nicht wirklich "gläubig" sind, sondern nur im jeweiligen Glauben sozialisiert sind. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Insofern gehört für mich der Islam genauso viel oder wenig zu Österreich wie jede andere Religion.

 

Die Verhüllung von Mädchen und Frauen auf Grund religiöser Vorschriften mag ich nicht. Ich habe dieses Thema oft bei muslimischen Frauen hinterfragt. Diejenigen, die weder Kopftuch noch sonst irgendwelche Verhüllungen tragen, haben mir gesagt, dass sie selbst zwar gläubig sind, sie sich jedoch mangels einer religiösen Vorschrift sicher nie irgendwie verhüllen werden.

 

Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass es bei Verhüllungen mehr um die Macht der Männer über die Frauen geht, als um ein religiöses Gebot. In Belgien und Nordfrankreich konnte ich sehr oft Frauen am Strand im Burkini und im Supermarkt in der Burka mit Sehschlitz beobachten. Beides erschien mir völlig absurd, nahezu gespenstisch. Die Befindlichkeit der Frauen unter der Burka konnte ich nicht einschätzen, weil sie ja nur den Sehschlitz habttn. Die Frauen im Burkini am Strand, in der heißen Sonne, haben jedenfalls nicht den Eindruck hinterlassen, als wäre das Kleidungsstück Ausdruck einer tiefen religiösen Überzeugung.

 

Manchmal muss ich auch jene Frauen in Afghanistan denken, die ihr Leben hinter den Gittern der Burka nicht mehr bewältigen können, und die sich lieber selbst verbrennen, als so ein Dasein führen zu müssen. Oder wenn ich alte Fotos aus dem Iran sehe, auf denen fröhliche Frauen im Bikini am Strand abgebildet sind, dann kommen mir auch Zweifel, dass die alle dann plötzlich (zufällig zeitgleich mit der islamischen Revolution) auf die Idee gekommen sind, sich zu verhüllen.

 

Auch darf man nicht vergessen, dass das (fast) gleichberechtigte Leben für Frauen in Österreich weder vom Himmel gefallen noch der Gnade der Männer zu verdanken ist. Es wurde hart erkämpft und ist nicht selbstverständlich.

 

Ich bin also keine Freundin des Kopftuches. Dennoch erscheint mir die aktuelle Diskussion mehr populistischer Natur zu sein, als dass frauenrechtliche Gesichtspunkte den Ausschlag geben. Auch habe ich das Gefühl, dass man damit sehr leicht von anderen Themen wie dem drohenden Sozialabbau etc. ablenken kann."

 

9)Viele sagen, dass die momentane Regierung und ihre Politik gegen „Fremde“ an eine dunkle Zeit in Österreichs Geschichte erinnern- siehst du das auch so? 

"Glücklicherweise kenne ich ja die "dunkle Zeit" nur aus Geschichtsbüchern. Wir sind in Österreich auf Grund unserer Geschichte sicherlich besonders sensibilsiert. Und das ist gut so. Diese Hetze, die systematisch betrieben wird, ist unerträglich. Die "roten Linien", die angeblich nicht überschritten wurden, sind schon fast gar nicht mehr zu sehen, so oft wurde da schon drüber getrampelt.

 

Am schlimmsten empfinde ich den Herrn Bundeskanzler Kurz. Ein Opportunist allererster Güte, dem wirklich jedes Mittel recht ist, um an die Macht zu kommen bzw. diese zu erhalten. 

 

Ich möchte an dieser Stelle Martin Niemöller zitieren:

 

 

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

 

Vielleicht hat alles aber auch irgendwie sein Gutes. Dass nämlich der Zusammenhalt, die Solidarität gestärkt wird. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die mir erzählt haben, dass sie in ihrem Leben noch nie auf einer Demo waren. Aber jetzt schon. Ich selbst war zwar immer schon politisch sehr interessiert, jedoch habe ich es bisher auch nicht für notwendig erachtet, mich derartig öffentlich einzumischen. Nicht, weil alles perfekt war, das war es sicherlich nicht. Aber ich hatte zumindest ein Mindestmaß an Vertrauen, das ich jetzt gar nicht mehr habe."

 

10)Was ist dein Appell an die österreichischen BürgerInnen? Was sollen sie tun? Was sollen sie unterlassen?

"Ich möchte niemandem sagen, was er zu tun oder zu lassen hat. Ich hoffe, dass ich als eine von Vielen als Vorbild dienen kann. So wie die "Omas gegen Rechts" beispielsweise. Die gefallen mir sehr gut. Ich bin ja auch "nur" eine normale Frau, ein durchschnittlicher Mensch. So wie die "Omas".

 

Aber einen Appell würde ich gerne an deine Leserinnen und Leser richten: Lasst Euch nicht einlullen! Lasst Euch nicht instrumentalisieren! 

 

Ich bin davon überzeugt, dass wir alle (!) im tiefsten Inneren genau wissen, was richtig und was falsch ist. Wir glauben nur oft, nicht anders agieren zu können, oder haben Angst. Aber Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, die Angst zu überwinden.

 

Auf die Mutigen!"

 

Daniela Kickl auf FB und Instagram

 

 

Fotocredit: Daniela Kickl

Please reload

  • Facebook Social Icon
  • Instagram Social Icon
Recent Posts

August 8, 2019

July 8, 2019

June 20, 2019

June 13, 2019

November 28, 2018

Please reload

  • Facebook Social Icon
  • Instagram Social Icon

©2019 Made with multicultural Humor since July 2016