"Take your broken heart, make it into art"

August 10, 2018

 

"Take your broken heart, make it into art", hat Carrie Fischer gesagt. Diesen Satz hatte ich die letzten Monate im Kopf, denn sonst hätte ich nichts mehr gebacken bekommen. Die letzten Monate waren ein endloser Kampf auf so vielen Ebenen, dass mein Herz daran buchstäblich zerbrochen ist. Und da saß ich nun mit den vielen gebrochenen Teilen meines Herzens und hatte keine Ahnung, was ich damit tun sollte, denn ich war hilflos. Aber wie kam es übrehaupt dazu?

 

Der erste Streich

Es gibt ein jährliches Ranking für die besten Journalisten des Landes, das aber nur bis zu deren 30. Lebensjahr geht. Da ich heuer 29 wurde, war dieses Jahr meine letzte Chance, in dieses begehrte Ranking zu kommen. Und ich wusste, dass ich nominiert war, aber mein Name war nicht auf die erwähnte Liste- damit fing die dunkle Ära in mir an. Seit über sieben Jahren schreibe ich als freie Journalistin für unzählige Medien und seit 2 Jahren habe ich diesen Blog. In meinem Leben habe ich nichts anderes getan, als zu schreiben. Gebt mir Kopfhörer, einen Kakao, meinen Laptop und lasst mich schreiben, ich würde nie damit aufhören- habe ich aber, als mein Name nicht auf dieser Liste stand. Schreibblockade. Eine Schreibblockade ist, wenn dir ein Wort auf der Zunge steht, aber einfach nicht raus will. Du stehst auf der Leitung. So ging es mir. Worte, viele viele Worte, Gefühle und Fragen standen mir auf die Fingerspitzen und konnten einfach nicht abgetippt werden. Diese Anerkennung hätte mir viel bedeutet, denn sie hätte meine Arbeit valid gemacht.

Sie hätte mich valid gemacht, dachte ich.

Aber ich nahm es hin. Was sonst, hätte ich tun sollen? Ich nahm es hin und schwieg. 

 

Der zweite Streich

Und weil meine Tochter bald in den Kindergarten kommt, bin ich- nach 3 Jahren Babypause- auf Jobsuche gewesen. Alleine schon das "sich hinsetzen und Lebenslauf updaten", war eine Hürde. Wieso? Weiß ich nicht, es war einfach schwer. Aber diese Hürde habe ich übrsprungen und zahlreiche Bewerbungen abgeschickt, all meine Freunde und Bekannten mobilisiert, vielleicht kennt wer wen, der wen kennt, der wen braucht, oder?
Eine Absage kam nach der anderen. Nach vierzig Absagen, habe ich aufgehört zu zählen.
Mit fast 30 Lebensjahren, einer Schreibblockade und einer aussichtslosen Zukunft, habe ich angefangen an mich selbst zu zweifeln- kann mir bitte jemand den "Reset"-Button zeigen? Fragen wie "Was habe ich aus mir gemacht", "Habe ich überhaupt das richtige studiert", "Soll ich denn etwas Neues studieren", "Bin ich eine Versagerin" und andere Fragen aus dieser Kategorie, schlugen mich zu Boden. Nicht viel später, habe ich erfahren, dass eine Freundin gestorben ist- das gab mir den letzten und endgültigen Kick ins Herz.

 

"Take your broken heart, make it into art"

Mein Mann versuchte mich zu unterstützen wo er konnte, er nahm mir Laila ab, wir gingen oft zu zweit aus, ich habe mich bei ihm ausgeheult, aber nichts half. Er und ich wussten, dass ich bei Verzweiflung und Trauer, niemanden wirklich an mir ran lasse, viel lieber bringe ich andere zum Lachen, anstatt, dass sie mit mir weinen. Ich schweige und DAS ist ungewöhnlich. Ich schweige normalerweise nie. Er wusste, die vielen Absagen wären für mich wie eine persönliche Absage gegen mich als Person- ja, so sah ich das, auch wenn ich es heute besser weiß.

 

Während dieser Zeit, lerne ich eine Frau kennen, die vieles an meiner Perspektive änderte. Sie ist eine Nachbarin, in eines der Länder, wo wir gelebt haben, aber wir sprachen nie viel miteinander. Zu unserem Abschied saßen wir in ihrer Wohnung, unsere Kinder spielten zusammen und da sagt sie unerwartet zu mir, dass ich sie inspiriert habe. Als sie mir das sagte, war ich erst mit dem Packen fertig geworden, meine Kleidung war in den Koffern, ich trug eine zerrissene Pyjamahose, ein altes Leiberl und trug einen Turban. Ich roch nach Staub und Schweiß, denn ich hatte die Wohnung geputzt und sah müde aus. Sie erzählte mir, dass sie meine Artikel liest und vor allem jene auf Englisch, imponierten ihr sehr. Sie sagte auch, dass sie meine Natürlichkeit und meine Stärke - vor allem als Frau- sehr bewundere. "Über wen spricht die Frau da", dachte ich mir, denn über mich konnte es nicht sein. Ich war in meinem tiefsten Tief, als sie mir das sagte. Ich war weder stark, noch natürlich, noch eine Inspiration, ich war einfach nur fertig und fühlte mich 20 Jahre älter als ich bin, ohne jeglichem Erfolg. Sie ist sehr behutsam aufgewachsen, ihr Mann erlaubt ihr nicht viel und für sie war dieses System normal. Als sie anfing mich zu lesen, fing sie an mit ihm zu diskutieren und zu argumentieren. Der neueste Stand ist: Sie hat Whatsapp runtergeladen. Ihr lacht wahrscheinlich, aber für sie ist das eine Errungenschaft. Für sie ist das die reinste Form der Rebellion, denn sie durfte diese App vorher nicht runterladen. Was für uns selbstverständlich ist, ist für andere Menschen nur ein Traum, das dürfen wir nicht vergessen. Als sie mir das sagte und wie gesagt- ich saß in einer zerrissenen Pyjamahose da- fühlte ich mich so anerkannt wie noch nie. Ich fühlte mich angekommen. Ich fühlte mich nützlich. In diesem Moment pfiff ich auf das Ranking, denn ich wollte es nur, um damit anzugeben. Ich wollte meine Eltern stolz machen, meinen Mann, meine Tochter, es Schwarz auf Weiß herzeigen und posten. Was ich mir dabei nicht vor Augen hielt war: Meine Familie ist schon immer stolz auf mich gewesen. Ich war es, die es nicht war. Nie so richtig.
Wieso? Weil ich fast 30 bin und nichts Berufliches im Leben erreicht habe.

 

Bevor ich ging umarmte sie mich, nahm meine Telefonnummer und flüsterte mir zu :

"Ich schreibe dir auf Whatsapp". Ich weiß, wie das klingen mag, aber noch nie im Leben war ich so stolz auf eine (fast) fremde Person. Und noch nie im Leben hat mir eine Anerkennung das Herz so mit Freude erfüllt. Noch nie. In diesem Augenblick habe ich realisiert, wie wichtig es ist, dass wir Frauen in unserem Umfeld, die uns inspirieren auch sagen, dass sie uns inspirieren. Wir sollten für einander da sein, denn es hat einen großen Impact. Es prägt. Sagt den Frauen in eurem Umfeld wie toll sie sind, wie stark sie euch machen und seht, was für eine Welle der positiven Energie ihr reiten werdet.

Ich hab sie dazu inspiriert Whatsapp zu installieren und sie hat mich dazu motiviert, weitere Bewerbungen abzuschicken. Ich habe die Absagen ignoriert und mich für zig andere Stellen beworben. Mein Mann sagte täglich zu mir: 
"Es ist egal wie viele Absagen du bekommst, wir brauchen nur eine einzige Zusage."

Und die habe ich bekommen. Ich darf euch mitteilen, dass ich nach Monaten des Kämpfens, eine tolle Stelle bekommen habe für die ich sehr dankbar bin. Sobald alles offiziell und unter Dach und Fach ist, werdet ihr auch mitbekommen was es ist. Der Blog wird weiterhin bestehen, denn er ist die Plattform meiner Gedanken und unseres Zusammenkommens.

 

Mit diesem Beitrag wollte ich euch nur sagen, dass es okay ist, nicht okay zu sein. Es kommt vor, dass viel Schlechtes auf einmal passiert und wir damit klarkommen müssen, so ist das Leben. Haltet euch dann fest. An Familie, Freunde, euren Kindern, an euch selbst.

 

Verliert euch, denn man kann nichts finden, wenn es vorher nicht verloren war.
Verliert euch, weil das Wiedersehen einer Selbst das schönste Treffen nach einer langen Reise ist.

Verliert euch, weil ihr euch dann meistens als eine andere Person wieder findet- einer, die an den Wunden gewachsen ist.

 

 

 

 

Eure Mudda
 

 



 

 

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