Perfomance Druck beim Sex

#LeibUndLiebe ist eine Kategorie rund um die weibliche Sexualität. Und ich möchte das Tabu rund um dieses Thema aufbrechen. Diese Art von Bildung ist meiner Meinung nach sehr wichtig! Ich bin aber keine Sexualberaterin, deswegen hole ich mir professionelle Hilfe von vertrauenswürdigen Sexualberaterinnen, die mit mir an der Kategorie #LeibUndLiebe arbeiten werden. Ich möchte mit diesem Thema niemanden abstoßen, sondern Frauen informieren, indem konkrete Fragen von Frauen gestellt und professionell beantwortet werden. Es soll nicht um den heißen Brei herumgeredet, sondern endlich zum Punkt gekommen werden. Um das Ganze bildlich zu beschreiben: Es geht nicht um den billigen Grapscher, sondern um die innige Umarmung. Es soll informativ und brauchbar sein, menschlich und seriös.

 

Selbstbestimmte Sexualität und Performance-Druck ade!

Die Sexualberaterin Petra Steiner sagt:
"Es gibt ein Phänomen, in unserer partnerschaftlichen Sexualität, das viele kennen werden: Wir lernen uns kennen, verlieben uns, haben Sex. Beim Sex wollen wir Nähe und Intimität herstellen. Das machen wir, in dem wir uns sehr genau auf unser Gegenüber konzentrieren. Wir möchten möglichst schnell herausfinden, was dem/der Anderen gut tut, erregt, so richtig ins beben und zum Orgasmus bringt. Das Ziel ist also: Der Orgasmus. Und der Weg dorthin ist bald ebenfalls klar: Wir wissen was er/sie braucht und tun genau das – immer und immer wieder.

Wir schreiben uns sozusagen ein „Drehbuch“ zu unserer gemeinsamen Sexualität und spulen den daraus entstanden „Film“ immer wieder aufs Neue ab. Aber, wie geht’s euch damit, wenn ihr euren Lieblings-Film bereits 500 Mal gesehen habt? Reißt er euch immer noch vom Hocker? Oder bekommt er eher einen fahlen Beigeschmack, im Sinne von:

„Ja eh, er ist immer noch nett anzusehen, aber begeistern tut er mich nicht mehr.“


Eine Leserin schreibt: „Ich habe beim Sex das Gefühl, dass alles an mir als Frau hängt. Ich muss so und so aussehen, richtig agieren und mich bewegen, damit er zum Höhepunkt kommt. In meiner Phantasie ist es anders, aber im echten Leben, bin ich zu faul und zu schüchtern, das zu tun, was ich gern tun würde. Wenn er nicht zu Hause ist, befriedige ich mich einfach selber und verspüre keinen Druck. Ist das normal?“
Petra Steiner: "Sexualität mit dir selbst zu leben, ist absolut entspannend. Du kannst dich ganz auf dich konzentrieren, dich fallen lassen und musst keinem einstudierten „Drehbuch“ folgen. Es ist durchaus üblich und völlig OK, dass Frauen diesen Weg wählen.
Gemeinsam könnte es jedoch ebenfalls sehr schön sein. Wenn du dich drüber traust, zu kommunizieren und einzufordern, was du brauchst und möchtest.
Sex ist etwas, das man miteinander macht und dabei trotzdem jeder selbst für sich verantwortlich ist. Wenn du dich selbst in die 1. Reihe stellst, um lustvoll zu erleben, machst du dir, aber auch deinem Partner, ein großes Geschenk. Denn er tappt nicht mehr im Dunklen. Er weiß dann, was du brauchst, kann sich darauf einstellen und sich deinen Wünschen widmen. Dieses gemeinsame Erleben kann wundervoll verbindend und belebend sein. Wage den ersten Schritt!"

 

Bei Frauen gibt es häufig zusätzlich ein Phänomen zu beobachten: Sie stellen oft ihre eigenen Bedürfnisse hinten an und konzentrieren sich ganz besonders auf ihren Partner. Wollen ihm Wonne schenken. Vergessen dabei aber auf sich. Und werden damit möglicherweise immer weniger und weniger Lust auf Sex haben. Denn: Immer wieder haben, möchten wir nur Dinge, die richtig Spaß machen!

Dazu geben viele Frauen ihrem Partner aber gar keine Chance. Denn – im Fokus auf den Anderen – zeigen und sagen Frauen nicht, was sie brauchen. Der Partner erlebt und glaubt, dass seine Frau Sexualität so will, wie sie bisher war. Und macht deswegen auch immer weiter das, so wie es bisher war.

 

Eine Leserin schreibt: „Mein Mann und ich wir lieben einander, aber er weiß einfach nicht, wo er mich wie zu berühren hat. Ich sage es ihm öfter, aber oftmals habe ich das Gefühl, er verstünde mich während des Sex einfach nicht. Es passiert einfach, aber es ist kein Raum für meine Wünsche da. Wie sage ich ihm das, ohne die Erotik und den Sex zu tabuisieren?“
Petra Steiner: "Während dem Sex fallen wir schnell in das „alte Drehbuch“ zurück – so automatisiert ist es! Es könnte daher hilfreich sein, nicht während dem Sex mit der Veränderung zu beginnen, sondern bereits davor.
Mach einen „Kassasturz“ und überlege dir, was du an eurer Sexualität aufregend findest und beibehalten möchtest, aber auch, was du gerne anders erleben möchtest. Teil dich mit. Erkläre, was dabei in deinem Körper vor sich geht. Und wieso du dir das so schön vorstellst. Nimm deinen Mann mit, in deine Welt, damit es auch für ihn spürbar wird. Und geht gemeinsam auf die neue Entdeckungsreise.
Für den Beginn kann es auch helfen, den Sex „aufzuteilen“. Einmal ist der Eine, beim nächsten Mal die Andere dran. Dabei wird jeweils nur auf die Wünsche des Einen/der Anderen eingegangen. Und erst danach wird das Neue in die gemeinsame Sexualität mit hinein genommen. So tastet es sich leichter von einem Schritt zum nächsten."

 


Spätestens, wenn der Moment gekommen ist, wo der „Lieblings-Film“ einen nicht mehr vom Hocker reißt, ist der richtige Zeitpunkt um: Das Drehbuch zu verändern! Das kann im ersten Moment schwierig werden, denn es kann verunsichern. „Heißt das, dass du mich nicht mehr liebst, weil dir unsere Sexualität – so wie bisher – nicht mehr gefällt?“, wird es in vielen Menschen anklingen. Da steckt Angst dahinter: „Was wenn ich das nicht schaffe und wir uns immer mehr distanzieren?“. Und auf der anderen Seite: „Darf ich mich überhaupt trauen, mir das zu wünschen? Was, wenn ich ihn/sie mit damit erschrecke?“

Dabei steht diesen Ängsten eine ganz bereichernde Gegenfrage gegenüber: Was könnten wir alles gewinnen? Wie viel toller könnte es werden, wenn wir uns sexuell aus dem Alten heraus entwickeln und in was ganz Neues hinein entwickeln?

Vom amerikanischen Sexualtherapeuten David Schnarch stammt eine wichtige Unterscheidung im sexuellen Zugang:
Die partnerbestimmte Sexualität: Ich zeige meine Sexualität so, dass ich eine bestätigende Reaktion meines Partners erwarten kann.
Die selbstbestimmte Sexualität: Ich zeige meine Sexualität so, wie es mir sexuell entspricht. Dabei nehme ich eine nicht bestätigende (ängstliche, verärgerte) Reaktion meines Partners in Kauf.

 

Eine Leserin schreibt: „Ich finde Sex überhaupt nicht aufregend. Meinem Mann gefällt es, für mich ist es okay. Ich könnte aber auch ohne. Ich mache es fast nur ihm zuliebe. Liegt das an mir? Muss Sex aufregend sein? Wieso verspüre ich nicht, wovon andere Frauen schwärmen?“
Petra Steiner: "Sexualität ist etwas ganz persönliches, individuelles. Und jeder hat seinen eigenen Zugang dazu. Es steht also auch jedem frei, es nicht besonders aufregend zu finden. Die Frage ist, ob das so ok ist und auch so bleiben soll? Oder ob du dir wünschst, dass sich deine Einstellung dazu verändert? Hinterfrage dich: War das immer schon so? Oder erst mit dem aktuellen Mann? Mache ich Selbst-Liebe, in Form von Selbstbefriedigung, und gefällt mir das gut, aber eben nur, wenn ich alleine bin? Weiß ich, was mir gefällt oder kann ich das gar nicht sagen? Sich selbst zu ergründen und seinen Mustern auf die Spur zu kommen, kann Antworten bringen. Vielleicht hast du dich selbst noch nie wichtig genug genommen, um dir deine selbstbestimmte Sexualität zu erschaffen, die du brauchst, um richtig Freude daran zu empfinden?! Ließ gerne hier hinein: https://petrasteiner.at/ich-will-keinen-sex-mehr . In diesem Artikel schreibe ich über die Entwicklung vom Mädchen zur Frau und darüber, weshalb Frauen sexuell wenig und immer weniger Interesse haben können. "

Um die selbstbestimmte und partnerbestimmte Sexualität ein bisserl greifbarer zu machen: Ein paar Auszüge aus dem Buch „Guter Sex trotz Liebe“, von Ulrich Clement 
(deutscher Sexualtherapeut):

Mit partnerbestimmter Sexualität versuch ich, es meinem Partner recht zu machen. Du willst gestreichelt werden? Also streichle ich dich. Du willst verwöhnt werden? Also verwöhne ich dich. Nicht schlecht! Aber wenn ich der partnerbestimmten Sexualität alles opfere, wenn ich mich selbst vergesse, wenn ich meinen Partner wichtiger nehme als mich selbst, dann fängt die Sache an, kritisch zu werden. Denn dann bin ich kein Partner mehr, sondern Erfüllungsgehilfe. Und das tut beiden nicht gut. Beiden nicht!

Selbstbestimmte Sexualität ist riskant. Wenn ich zunächst über mich spreche und nicht die Rücksicht auf den Partner als inneren Zensor einsetze, nehme ich ein gewisses Risiko in Kauf. Mein Partner kann es mit der Angst zu tun bekommen, kann meine Sexualität peinlich oder lächerlich finden, kann sie abwerten. Er oder sie kann den Eindruck bekommen: „Mir ist das fremd, das hat mit mir nichts zu tun“ und Trennungsgedanken entwickeln. „Das ist überhaupt nicht lustig für mich.“ Aber es ist Voraussetzung für – guten Sex trotz Liebe. Er kann sich entwickeln, wenn ich es darauf ankommen lasse.

Partnerbestimmt ist nicht gleichbedeutend mit rücksichts-voll. Und selbstbestimmt heißt nicht egoistisch oder rücksichts-los. Für mich sprechen heißt nicht, den anderen zu attackieren. Der Partner kommt aber jeweils anders ins Spiel. Bei der partnerbestimmten Sexualität frage ich zuerst, was der Partner will und richte mich danach. Bei der selbstbestimmten frage ich erst, was ich selbst will.

 

Eine Leserin schreibt: „Mein Mann will nach dem Sex immer wissen, wie es für mich war. Da ich selten während des Sex komme, weiß ich oft nicht, was ich sagen soll. Ich denke, dass es bei der Frage auch gar nicht um mich geht, sondern um ihn und wie gut ER war. Wie soll ich vorgehen?“
Petra Steiner: "Wie lange seid ihr denn schon ein Paar und wie ausgeprägt ist das sexuelle Selbstvertrauen deines Mannes? Die Frage könnte z. B. auch auf Unsicherheit basieren (weil noch nicht so viel Vorerfahrung besteht)?! Es ist aber natürlich durchaus möglich, dass dein Mann seine sexuellen Qualitäten an deinem Orgasmus misst. Wenn dahinter kein echtes Interesse an dir steht bzw. daran, es für dich besser machen zu wollen, dann kann man annehmen, dass „das Ego“ fragt. Aber: Es könnte genauso sein, dass dein Mann spürt, dass dir etwas fehlt. Und er mit seiner Frage gerne erfahren möchte, was es ist und was er verändern könnte? Im Sinne der selbstbestimmten Sexualität wäre es ein Bonus für euch beide, ganz offen zu kommunizieren und damit noch mehr Qualität in eure gemeinsame Sexualität zu bringen.Wenn dir die Frage den Spaß am Sex nimmt, weil du schon vorher weißt, dass sie danach kommt und dich nervt, dann solltest du das in jedem Fall klar kommunizieren!"

Ade Performance-Druck
Performance-Druck, im Sinne von:  Ich muss so und so agieren, um im anderen dieses und jenes auszulösen und damit zu diesem oder welchem Ziel zu kommen, machen wir uns selbst. Wir schreiben ihn in unserem „Drehbuch“ fest. Daraus auszusteigen kann richtige Entspannung bringen – die für guten Sex immens förderlich ist.

Wir sind immer in Bewegung. Wir entwickeln uns weiter. Unser Körper verändert sich. Und damit verändern sich auch sexuelle Herangehensweisen, Wünsche und Bedürfnisse. Wenn beide offen bleiben – oder offen dafür werden – kann das einen unglaublicher Gewinn im Liebesspiel bringen.

Werft Ängste über Board und konzentriert euch auf die Bereicherung für eure Beziehung! Wer über seine intimen Gedanken spricht, wer sich etwas wünscht, wer Ideen einbringt – der arbeitet an der Beziehung! Möchte sie reicher und noch viel wertvoller machen! Auf noch viel festere Beine stellen! Wenn das keine tollen Ziele sind?! Also: Mut zur Veränderung!!

 

 

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Petra Steiner - Sexualberatung für beflügelte Sexualität
 

 

 

 

 

 

 

Illustration: Kathrin Honesta

 

 

 

 

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