Geburtsvorbereitung- DOs und DON´Ts

September 21, 2018

In der Kategorie #Hebammenwissen werden Fragen anonym an erfahrene Hebammen gestellt, die sie dann detailliert für euch beantworten.

 

Fotocredit: wix.com

 

 

Geburtsvorbereitung – ab wann und was?
Wenn man erfährt, dass man schwanger ist, sind die ersten Wochen meist geprägt von „Oh mein Gott, ich bin schwanger!“ bis „Oh mein Gott, ich bin schwanger?“ Das Gefühlswirrwarr spielt alle Kunststücke. Das Hormonorchester klingt, als würde jedes für sich eine andere Symphonie proben. Dass man da schon an Geburt denkt, passiert eher selten. Der Körper ist beschäftigt. Pralle Brüste, vielleicht Übelkeit, wahrscheinlich starke Müdigkeit, alle diese Schwangerschaftsanzeichen lassen einen daran erinnern, dass jetzt etwas Neues kommt, eine neue Lebensphase beginnt. Aber Geburt ist noch weit weg.
Leider drängen die Umstände des Umstandes zu schnellerem Nachdenken und Handeln, als einer lieb wär. In Wien muss man sich schon sehr früh in einem Krankenhaus anmelden, wenn man noch die Wahl haben will, sich eine Hebamme suchen, wenn man eine Betreuung im Wochenbett haben möchte. Dann kommt die Idee auf, dass es vielleicht sinnvoller wäre, eine eigene Hebamme zur Geburt mitzunehmen, die schon vertraut ist, die nicht weggeht, weil ihr Dienst endet, die schon in der Schwangerschaft da ist und bis übers Wochenbett hinaus eine Kontaktperson bleibt. Oder es kommt vielleicht sogar eine Geburt in den eigenen vier Wänden in Frage. Hausgeburtshebammen gibt’s zum Glück in Wien ausreichend viele, aber trotzdem ist es wichtig, sich wirklich früh eine zu suchen, damit auch die Betreuung bald beginnen kann.


Und das ist schon mal die wichtigste Geburtsvorbereitung. Zu überlegen, wo es hingehen soll und mit wem. Das ist nämlich ganz schön entscheidend. Wenn man sich so die Zahlen anschaut, glänzen manche Spitäler mit einer Kaiserschnittrate von 50% oder sogar mehr, die meisten haben so um die 30%. Sobald eine Beleghebamme (eine private Hebamme) die Geburt begleitet, sinken diese Zahlen etwas. 
Die besten Zahlen hat die Hausgeburtshilfe. Frauen, die eine Hausgeburt planen, landen zu 5-10% im Operationssaal. (zB: www.quag.de, eine deutsche Seite, weil in Österreich leider die Hausgeburtshilfe statistisch nicht ordentlich erfasst wird.)
Am besten ist, wenn man also schon bis zur 10. Schwangerschaftswoche diese Dinge organisiert hat. Das allein ist schon eine ziemliche Herausforderung. Eben, weil man sich eigentlich noch gar nicht damit beschäftigen will, außerdem gibt es ja auch Frauen, die bis dahin noch gar nichts von ihrer Schwangerschaft wissen.
Ich bin Hausgeburtshebamme und nehme, weil meine Kinder noch klein sind, recht wenig Geburten pro Monat an, somit bin ich schnell „ausgebucht“. Frauen, die schon einmal mit mir geboren haben, melden sich oft sobald der Test positiv ist, manche sogar noch früher. „Margarete, wann gehst du heuer auf Urlaub? Im August? Na dann wart ich noch einen Zyklus...“ kommt nicht selten vor.
Wenn man dann doch mal später drauf kommt, dass es schlau wäre, eine Hebamme zu kontaktieren, kann’s halt sein, dass man nicht mehr viel Wahl hat. Aber durch eine Whats-app-Gruppe, in der wir unter vielen Hebammen die Anfragen, die dann reinkommen, verteilen können, haben wir noch fast für jede Frau eine Hebamme gefunden. Engpässe gibt es eigentlich nur zu den Urlaubszeiten. Wenn man also im Sommer oder zu Weihnachten Geburtstermin hat, sollte man sich diese Fragen eher schneller stellen.


Hat man sich in einem Spital angemeldet (was man auch im Falle einer Hausgeburt machen sollte) und seine Hebamme gefunden, kann man sich Gedanken zum Geburtsvorbereitungskurs machen. Auch da ist es so, dass die guten schnell ausgebucht sind und auch da sollte man sich vorher im Klaren sein, welche Form der Geburtsvorbereitung man will. Ich empfehle Kurse, die mehr auf mentale Vorbereitung abzielen. Klar ist es auch gut zu wissen, wie ein Baby durch das weibliche Becken durchrutscht, aber das ist nicht alles. Kursleiterinnen, die auf individuelle Themen und Ängste eingehen, zB. sich auseinander zu setzen mit dem Thema „Geburtsschmerz“, sind zu bevorzugen.
Und dann gibt es noch die vielen „Mittelchen“ zur Geburtsvorbereitung, die so generell empfohlen werden. Vom Geburtsvorbereitungstee bis zur Dammmassage. Auch da ist es individuell, was für welche Frau das Passende ist. Es sei gesagt, dass ich auch schon etliche Geburten begleitet habe, wo die Frauen gar nichts im Vorfeld gemacht, getrunken oder genommen haben und die Kinder auch gut geboren wurden. Manch eine schwört auf Schwangeren-Yoga, andere auf Akupunktur. Das Angebot ist groß.


Schwangere haben es wirklich schwer. In kürzester Zeit (9 Monate sind wirklich kurz!) muss man sich einen Haufen an Wissen aneignen um den Durchblick zu haben, um mitreden zu können und selbstbestimmt gebären zu können. Hebammen sind da gute Anlaufstellen. Der Kontakt in der 20. Schwangerschaftswoche, so wie im Mutterkindpass seit 5 Jahren vorgesehen, ist da eigentlich schon zu spät.
Hier eine Adresse, die hilfreich sein kann: www.hebammen.at


 

 

 

 

 

 

Fotocredit: Anna Cordes

 

Margarete Wana, MSc. ist seit 2007 Hausgeburthebamme in Wien

(und Umgebung). Ihre Kinder Moritz und Hermine wurden auch zuhause geboren. Im April 2018 erschien das Buch „Zu Hause geboren – die unglaublichen Geschichten der Hebamme Margarete“ von Judith Leopold im edition riedenburg Verlag. Ihre Website lautet www.deinehebamme.at

 

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