Heute schon, dein Leben verändert?

October 7, 2018

Haben Sie Ideen? Blöde Frage, wir alle haben Ideen. Aber verwirklichen Sie die Ihre? Nein? Wieso nicht? Das ist keine blöde Frage! Und überhaupt: Leben Sie das Leben, das Sie gern leben würden? Nein? Worauf warten Sie dann noch?

Linda aus London
Vor Jahren habe ich Linda aus London - dort in London - kennengelernt. Sie war damals glücklich in der Liebe, hatte eine tolle Wohnung, konnte vom Fenster aus London Eye sehen, der Job war toll bezahlt, aber sie mochte die Branche nicht. Eigentlich niemals. Ihr Papa war Rechtsanwalt, also wurde sie das auch. Auch ihr langjähriger Freund war Rechtsanwalt und abends sprachen die zwei nach der Arbeit über eben diese und das war ihr Leben, denn am Wochenende haben sie sich daheim vorm Fernseher in Pyjamas mit Wein betrunken und eben besoffen über die Arbeit gesprochen, während im Hintergrund die Nachrichten liefen. Was Linda eigentlich wollte, war ihren eigenen Schmuck entwerfen und herstellen. Sie wollte, dass Frauen ihren Schmuck trügen und sich mit diesem identifizieren. Sie wollte - so nennt sie es - "Schmuckkünstlerin" sein. Als sie diese Idee ihrem Freund erzählt, lacht er sie beinhart aus. Er hielt es für einen schlechten Scherz, dass eine Rechtsanwältin, blöden Schmuck aus - Drähten oder was weiß er- basteln will, damit sich irgendwelche Weiber damit identifizieren können (Oaschloch). Linda hat nach seiner Reaktion einfach die Idee wieder in sich geschluckt und fing irgendwann an, abends beim Essen nicht mehr über die Arbeit zu sprechen, sondern für sich von einem anderen Leben zu träumen, während ihrem Freund nicht einmal auffiel, dass die zwei nicht mehr miteinander sprachen. Und da war Linda also: intelligent, erfolgreich und unglaublich unglücklich und einsam.

Was ist deine Ausrede?
Für ein Interview habe ich einmal eine Volksschullehrerin interviewt, die als Flugbegleiterin ihre Karriere anfing, mit vierzig oder so studierte, um dann Volksschullehrerin zu werden, das war sie dann auch für fast 20 Jahre und heute mit über 60 ist sie Yoga-Lehrerin. Diese Frau hatte nicht nur Ideen wie wir alle, sie hat sie auch alle wahr gemacht, als Mutter von drei Kindern - Männern - und mit einem Willen, den ich gar nicht beschreiben kann. Nach dem Interview mit ihr, fragte ich mich echt:"What is my excuse?"

 

Bühne statt Kittel

Als ich meiner Mutter offenbarte, dass ich nicht Medizin, sondern Theater studieren würde, hatte sie beinahe einen Nervenzusammenbruch. Als sie fragte "Aber wieso", sagte ich sofort:"Weil ich nicht wissen möchte, was ich die nächsten 40 Jahre arbeiten werde. Ich will nicht mit 20 wissen, wie mein komplettes Leben ausschauen wird." Sie hält mich immer noch für völlig verrückt, aber sie weiß auch, dass ich glücklich bin. Und das bin ich, nicht immer gewesen, aber dann wieder doch - das Leben halt. Nicht, weil ich einfach so Glück hatte, sondern weil ich "Glückskünstlerin" (eine von meinen sehr wenigen Gaben) bin, wie Linda mit ihrem Schmuck.

 

Mit diesem Blog war es ähnlich: Ich hatte davor einen anderen, aber der war richtig schlecht und deswegen habe ich mich nicht getraut, wieder zu versagen. Dann haben mich aber Neugier und Schreiblust überrannt. Ich wollte schreiben, wenn ich Lust und Ideen hatte. Einfach den Inhalt meines Schädels auf eine Plattform klatschen, die mir Wörter wie "Glückskünstlerin" nicht umändert. Verstehen Sie? Es sollte eine Plattform sein, die meine Ideen - so wie sie sind - weitergibt und vor allem festhält.

Und das wurde dann HOTEL MAMA.
Und ich verdiene damit einen Schlatz. Wissen Sie wieso? Weil ich mich vehement gegen Werbung wehre und Ihnen nix andrehen mag (außer mein Gequatsche, natürlich). Ich verdiene durch diesen Blog (fast) keinen Cent, aber das ist mir egal, weil es viel Spaß macht und eines meiner wenigen Hobbys ist. Sehen Sie, meine Hobbys sind Lesen und Schreiben. Dabei liege ich am liebsten in Shorts am Sofa. Wenn ich einmal im Monat mit einer Freundin ins Kino gehe und nach Mitternacht nach Hause komme, dann habe ich für mein Verständnis "die Sau so richtig rausgelassen". Wie finanziere ich mein Leben sonst? Ich habe einen echten, anderen Job und somit geht sich finanziell alles gut aus (wenn ich nicht mehr als einmal im Monat ins Kino gehe). Bis ich diesen Job aber gefunden habe, bekam ich ümer 40 Absagen, hatte ein Seelentief und war finanziell am Popsch. Da kamen natürlich Zweifel und da habe ich mir gewünscht, doch Medizin studiert zu haben, obwohl ich genau weiß, ich wäre keine gute Ärztin geworden, ich bin jemand, der schreibt. Ich habe mich da einfach, hart, weinend, lachend, schleppend, laufend durchgewürschtelt.

 

Girl on Fire

Linda hat ihre Kanzlei verkauft. Sie hat den Freund zum Teufel gejagt (der kann jetzt eine andere auslachen, wenn überhaupt) und sich ein kleines Geschäft in London gekauft. Ihre Wohnung musste sie aufgeben, denn sie hat nicht mehr das nötige Geld, um die Miete zu bezahlen, aber sie hat eine kleinere Wohnung, von der man vom Fenster aus - nicht London Eye - sondern ein indisches Restaurant sehr gut sehen kann. Sie verdient viel weniger als vorher, ist noch immer Single, konzentriert sich voll auf ihre Kunst - die sich echt gut verkaufen lässt- und ist mega happy, weil sie am Wochenende Zeit mit ihren Freunden verbringt und abends, da isst sie indisch, bei arabischer Musik und arbeitet nebenbei. Die Entscheidung dies zu tun, dauerte Jahre. Immer dann, wenn sie ihrer Idee Stimme verleihen wollte, hat sie der Depp von Freund einfach verstummen lassen. Ihre Idee von ihrem Leben war ihm völlig egal, denn so Dinge wie Prestige und Geld waren ihm da einfach wichtiger. Sie hat es sich jahrelang nehmen lassen, weil sie Angst hatte, zu versagen. Was, wenn der Schmuck keinen interessiert? Was, wenn sie daran bankrott ginge? Sie ist nicht die berühmteste Schmuck-Designerin geworden, wird sie wahrscheinlich auch nicht. Sie wird davon auch nicht reich, wird sie wahrscheinlich auch nicht. Aber verdammt noch einmal, sie ist glücklich und verhungert nicht.

 

Der Blick vom Berg aus

Ich habe keine Ahnung, was ich in 5 Jahren machen werde. Für jetzt passt es. Für jetzt ist es grandios. Und ich denke nicht an morgen. Ich genieße es. Jeden Tag. Ich verhungere nicht (eher das Gegenteil). Und ich habe gelernt, dass das Leben so kurz ist, wie ein geiler Urlaub, der sich nicht mehr wiederholt und man dann nur mehr das Andenken davon hat. Wir würschteln uns da durch und hoffen, dass wir dann nach dem langen Weg irgendwann auf einem Berg stehen und irgendetwas Spektauläres passiert. Aber ich verrate Ihnen etwas: Da wird nix Tolles mehr passieren.  Wir werden noch einmal den Weg bestaunen, den wir da gegangen sind...und was dann? Dann erst schnallen wir, dass das blöde Durchwürschteln das eigentliche Leben war! Und der Blick vom Berg herab, ja Folks, das ist dann der Abschied, weil weiter geht es nicht mehr. Ich will mich aber verlaufen bevor ich dort oben ankomme, ich will Menschen treffen, einigen auf die Nerven gehen, andere zum Lachen bringen, selber lachen, so hart lachen, dass mir der Bauch weh tut und völlig fertig ins Bett gehen will ich auch, weil ich so viel erlebt habe und keine Ahnung habe, was mich morgen - oder die nächsten Jahre - erwartet. Ich will jeder Emotion ihr Recht geben, vom wütend schreien, bis zum vor Glück weinen. Mir schaut dabei ein Kind zu und ich will, dass sie weiß, dass sie alles werden kann, was sie will (im Moment stehen wir bei Tier-Umarmerin) und, dass all ihre Ideen höchste Priorität haben. Immer.

 

Vergesst nicht zu tanzen
Eure Ideen, die ihr in einer Box verpackt und dann im hintersten und dunkelsten Eck eures Kopfes versteckt, sind nicht mittelmäßig und auch nicht blöd. Sie sind keine Wiederholung einer anderen Idee, weil euer Gedankengut einzigartig ist - jedes einzelne (außer ihr seid scheiß Nazis). Eure Ideen und Herzenswünsche sind Flügel und eure ganz persönliche Reise - oder Durchwürschteln - lasst sie nicht verstummen, denn sie sind es wert, gehört und gesehen zu werden. Sprecht darüber, plant sie gut durch und entfernt euch von Menschen, die euch das Gefühl geben, sie seien nichts wert, . Iss´ den verdammten Donut, kauf´ die sauteuren Schuhe, fang´ ein Studium mit Enddreißig an, eröffne das Café, ohne dabei nur ans fehelnde Geld zu denken und tanze mit 80 noch Ballett.

 

Weil...wieso nicht?!

 

 

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Fotocredit: Hibat U. Kelifi 

 

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