Mumm´s Soul Food

In der Kategorie #Frauenstark werden euch Frauen vorgestellt, die eine inspirierende und motivierende Funktion für ihre Mitmenschen haben. Sie schreiben die Herstories unserer Zeit und Zukunft. Eine gesunde Gesellschaft lebt vom Miteinander und da wir so viele starke weibliche Persönlichkeiten haben, müssen diese mit ihren Ideen und Innovationen in den Vordergrund gestellt werden.

 

 Fotocredit: Hibat Khelifi

 

Normalerweise werden in der Kategorie Frauenstark ja nur Frauen vorgestellt. Diesmal machten wir eine Ausnahme und interviewten den Politologen Rami Ali. Warum? Lest selbst:

1. Wer bist du?
"Ich heiße Rami Ali, bin gebürtiger Wiener mit ägyptischen Wurzeln. Studiert habe ich Politikwissenschaften und Islamwissenschaften und bin dadurch auch in meinen jetzigen Bereich gekommen, wo ich ua. zu integrations & migrationsspezifischen Themenbereichen forsche und zu ähnlichen Themen an unterschiedlichen Instituten, etwa der Uni Wien, lehre. Meine Überlegung war schon während dem Studium, dass die Eindimensionalität im Umgang mit migrationsspezifischen Themen (die meist auf „den Islam“ begrenzt werden) dem Diskurs und dem gesellschaftlichen Klima schadet. Deshalb ist mein Anspruch (vor allem an mich selbst), komplexen Phänomenen durch Multiperspektivität beizukommen. Als jemand, der Arabisch spricht und sowohl in der Mehrheitsgesellschaft als auch in multikulturellen Communities sozialisiert wurde, schaffe ich es meist, mich in andere Positionen hineinzuversetzen. Ich bin zudem Vorstandsmitglied von „TURN – Verein für Gewalt- und Extremismusprävention“ wo wir partizipatives Online-Streetwork machen, um Jugendliche vor Fanatisierung zu bewahren. Ehrenamtlich leite ich auch mit einer Kollegin die #nichtmituns Plattform wo wir Betroffene von Rassismus empowern und uns dagegen organisieren.
Also man kann durchaus sagen: Ich bin mim Arsch auf 10 Hochzeiten."

 

2. Rami, du bist Politologe, Hobby-Fotograf mit einem großen Account auf Instagram und ganz nebenbei führst du ein Catering, das authentisches Essen aus aller Welt seriviert. Hast du mehr als 24 Stunden am Tag, hast du mehrere Persönlichkeiten, oder wie klappt all das?
"Haha, ich war eine Zeit lang fix angestellt. 30 Stunden waren das. Dann bin ich in Bildungskarenz gegangen um mein Studium zu absolvieren und nebenbei auch Projekte umzusetzen, die mir ein Herzensanliegen waren/sind. Ich arbeite manchmal doppelt so viel wie früher aber ich habe auch 3x so viel Spaß. Vor allem deshalb, weil ich den Impact meiner Arbeit sehe. Dann lohnt es sich auch einfach, in die Nacht hineinzuarbeiten. Ich habe dadurch halt auch den Luxus später aufzustehen, weil ich mir meine Termine selbst lege. Aber ich glaube da spielt auch ein anderer Aspekt mit rein. Ich bin ein spiritueller Mensch, glaube demnach auch an die Entfaltung positiver Handlungen und Tätigkeiten, die man für andere Menschen macht. Meine Mutter hat immer von „Baraka“ gesprochen. Das ist ein islamischer Begriff der übersetzt etwa „Segen“ bedeutet. Und gesegnete Zeit währt bekanntlich länger. Das ist mein Trick."

 

3. Wie kam die Idee zu "Mumm´s" und wie läft es hinter den Kulissen ab? Ich möchte jetzt zB ein indisches Mittagessen. Ich bestelle bei dir. Wie schaut der Ablauf aus und wie lange vorher müsst ich euch Bescheid geben, wenn ich zB eine große Party habe? Könnt ich zB spontan für heute etwas ins Büro bestellen, wenn mich der Hunger plagt?

"Ich weiß gar nicht wann genau ich die Idee hatte – ich weiß nur, in welchem Kontext sie entstanden ist. Dieser sah nun mal so aus, dass meine Mutter, nachdem sie jahrelang (unbezahlte) Arbeit mit und für uns zu Hause geleistet hat, es am Arbeitsmarkt – aufgrund schwacher Sprachkenntnisse und fehlender Berufserfahrung – keine Chancen hatte. Ich habe erst später verstanden, wie groß das Opfer ist, das sie für uns gebracht hat – damit wir ein besseres Leben haben. Im Grunde hat sie nichts weniger geopfert als sich selbst. Auch weil sie sich dann oft langweilte habe ich versucht, gemeinsam mit ihr, neue Hobbies zu entdecken. Ich habe ihr zum Beispiel eine Nähmschine gekauft aber das wars nicht so. Was sie aber immer schon konnte war kochen & backen. Meine Mutter ist die Queen. Mehr aber als das „Können“ war mir wichtig, dass sie Spaß hatte und das hat man ihr angesehen, wenn sie mich extra herrief um ihre neuesten Kreationen zu probieren. Und so kam das Ganze – vor allem weil ich auch gesehen habe, dass die Mütter anderer FreundInnen in einer ähnlichen Situation sind und oft auch von ihren Ehemännern finanziell abhängig waren.

 

Also noch ist das mit den spontanten Bestellungen nicht so einfach. Idealerweise bestellt man spätestens 2 Werktage davor. Das kann man per Mail, telefonisch oder am einfachsten über das Formular auf der HP machen. Aber ja, genau so einfach ist es. Entweder man möchte etwas aus einer bestimmten Küche, Hauptgerichte oder Fingerfood. Oder man lässt sich einen Vorschlag machen. Einzellieferungen sind leider auch noch nicht möglich aber hoffentlich schon bald. Je nachdem was bzw. wie viel man bestellt müssen es mindestens 5-7 Personen sein. Nach oben hin unbegrenzt. Unser größtes Catering bis jetzt war für 80 Leute. 
Man kann sich auch zwischen zwei Lieferungsoptionen entscheiden: Entweder das Essen wird geliefert und vor Ort umgelert oder es wird in dem Kochgeschirr geliefert und zu einem späteren Zeitpunkt abgeholt. Bei letzterer Variante zahlt man die Lieferkosten aber dann 2 Mal. 
Wir machen das deshalb so, weil wir auf Plastik so gut es geht verzichten müssen.

Die Erde braucht nicht noch mehr Plastik-Müll."

 

4. Auf HOTEL MAMA werden hauptsächlich Frauen empowered. Das Projekt "Mumm´s" tut genau das auf mehreren Ebenen. Was sind Erlebnisse, die dir das auch zeigen und wo du dir denkst "Das war der richtige Schritt"?
"Oh, da gibt es viel, was ich erlebt habe. Da ist diese Nervosität von neuen Mamas. Nach der ersten Lieferung fragen sie dann in kürzester Zeit mehrmals, wie denn das Essen war. Daran merke ich, wie wichtig ihnen das ist. Und ich merke es daran, wie glücklich sie sind, wenn sie hören, dass es ausgezeichnet war. Ihre Kinder erzählen mir dann oft von der Bedeutsamkeit der Aufträge für die Mutter. Ich kenne es auch von meiner eigenen Mutter, die mit dem positiven Feedback komplett neues Selbstbewusstsein geschöpft hat. Von besonderer Bedeutung ist für Mütter auch der Aspekt, dass sie für Arbeit, die sie sonst unentgeltlich machen, jetzt fair bezahlt werden."

 

5. Hast du mit diesem schnellen Erfolg bei "Mumm´s" gerechnet? Wie hattest du es dir vorgestellt und wie ist es dann in der Umsetzung gewesen?„Erfolg“ ist relativ.

"Ich kannte ja quasi die Angebotsseite, nämlich die multikulturellen Mamas, die gerne etwas dazuverdienen würden und die Nachfrageseite, Freunde und Freundinnen, die total auf authentisches, hausgemachtes Essen aus aller Welt stehen. Also ich bin schon davon ausgegangen, dass es gut klappen wird. Wovon ich nicht ausgegangen bin, ist dass es mit vergleichsweise wenig Energie (im Hinblick auf aktives Bewerben, Marketing etc.) funktionieren wird. Ich wusste von Anfang an, dass ich da natürlich nur begrenzt Zeit investieren kann. Aber selbst mit dieser Zeit hat es gut funktioniert. Ich hatte aber auch den Vorteil, generell gut vernetzt zu sein und habe in einer Probephase einige FreundInnen in Büros zwangsbeglückt um selbst noch zu lernen."

 

 

6. Du hast mit "Mumm´s" etwas für die Generation unserer Mütter gemacht, aber was erwartest du dir von unserer Generation? Als Politologe, als Aktivist, als Mensch?

"Ich bin eigentlich ein sehr optimistischer Mensch. Selbst wenn ich mich die konservativen Backlashes überall auf der Welt ansehe und die brandgefährlichen Menschen (meist Männer) die an der Spitze von Staaten stehen. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass wir das richten können. Meine Motivation für den Aktivismus war und wird immer das Streben nach einem besseren Leben für uns alle sein. Und ich denke dabei aber nicht nur an uns, sondern vor allem an die, die nach uns kommen. In meinem Kopf male ich mir aus, dass wir manche Debatten, die wir heute in ausgrenzender Manier über ethnische, religiöse, sexuelle Minderheiten etc. führen, vielleicht in 30 Jahren als lächerlich erachten und darüber lachen. Es kann aber natürlich auch sein, dass uns unsere Nachlässigkeit im Umgang mit der Erde einholt und wir vor einer Katastrophe stehen und deshalb alles andere als lächerlich erscheint. Wer weiß. Aber ums in einem Satz zu sagen: Ich erwarte mir, dass wir die Möglichkeiten nützen, die unsere Vorgängergeneration(en) nicht hatten, nämlich Sprache, Globalisierung, Digitalisierung, um für ein besseres Leben für alle zu kämpfen. Dafür braucht es bedingungslose Solidarität und das Einsetzen für Schwächere. "

 

7. Was wäre dein Rat für eine junge Person, die nicht mehr weiter weiß im Leben?

"Es ist vollkommen okay nicht zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Vollkommen okay, nicht zu wissen, wo man hin möchte. Wir haben deshalb so ein schlechtes Verhältnis zu Uneindeutigkeit, weil wir in eine Welt hineingeboren wurden, die dich zu Höchstleistungen – verbunden mit Eindeutigkeit – zwingt. Dabei wird uns dann die neoliberale Mär vom Aufstieg erzählt. Man muss nur hart genug arbeiten, dann ist alles möglich. I call bullshit. Vergiss das. Akzeptiere die Situation, in der du dich befindest und va., akzeptiere dich. Es ist okay mal orientierungslos zu sein. Nimm dir die Zeit die du brauchst und dann überlege, wo du hin möchtest, was deine Ziele sind und priorisiere dabei dein Wohlbefinden – nicht das Geld. Und dann überlege, wo du schrauben musst, um dort hin zu kommen. Ich glaube fest daran, dass sich nie eine Türe schließt, ohne dass sich eine andere öffnet. Das hört sich jetzt nach esotherischem Schwachsinn an, aber so war es bei mir schon immer. Manchmal kann man nicht verstehen, warum sich eine Tür gerade geschlossen hat. Im jeweiligen Moment ist das auch schwer nachzuvollziehen. Erst dann, wenn sich ein anderer Weg zeigt blickt man dankend zurück und freut sich darüber, dass die Tür damals sich nicht mehr öffnen ließ. Die Metapher mit den Türen ist nicht zufällig gewählt. Sie suggeriert nämlich, dass man auch Türen öffnen muss, ganz aktiv, ganz viele."

 

 

 

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