Eine Frau wie Buddha im Gegenwind

In der Kategorie #Frauenstark werden euch Frauen vorgestellt, die eine inspirierende und motivierende Funktion für ihre Mitmenschen haben. Sie schreiben die Herstories unserer Zeit und Zukunft. Eine gesunde Gesellschaft lebt vom Miteinander und da wir so viele starke weibliche Persönlichkeiten haben, müssen diese mit ihren Ideen und Innovationen in den Vordergrund gestellt werden.

 

 

1) Stell dich bitte kurz vor, damit unsere Leser eine grobe Vorstellung davon haben, wer du bist.
"Ich bin Gabriela Urban, 41 Jahre alt und Mutter eines wundervollen vierjährigen Sohnes. Beruflich arbeite ich als Journalistin, Content Marketing Beraterin und seit Kurzem bin ich auch Buchautorin. Du kannst es ja sicherlich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen, dass ich auf mein Buch «Wie Buddha im Gegenwind – eine Kündigung, 22 Länder und ein besonderer Reisebegleiter» besonders stolz bin! Denn es ist sehr persönlich, weckt garantiert das Fernweh und meiner Meinung nach ist es vor allem für Frauen sehr ermutigend …
Ach ja, fast hätte ich es vergessen, Bloggerin bin ich ja auch noch!"

2) Du hattest vor der Mutterschaft eine tolle Karriere. Was genau hast du getan und was mochtest du an deinem Job am meisten?
"Ich war in einer leitenden Position als Redakteurin und Content Marketing Managerin bei einem großen Food-Portal tätig. An meinem alten Job habe ich vor allem die Vielseitigkeit gemocht, denn ich habe damals in so vielen verschiedenen Bereichen gearbeitet und konnte dementsprechend mir sehr viel Wissen aneignen. Außerdem habe ich es geliebt, mich mit meinen Kollegen auszutauschen – nicht nur privat, sondern auch fachlich. Du musst nämlich wissen, dass ich insgeheim ein kleiner Nerd bin, denn ich will immer so viel wissen. Vorausgesetzt natürlich, dass mich der Bereich auch interessiert."

3) Du wurdest direkt nach deiner Elternzeit gekündigt. Wie hast du dich damals gefühlt? Und wie ist es dann beruflich bei dir weitergegangen?
"Ganz ehrlich, die Kündigung war damals ein mächtiger Schlag ins Gesicht, vor allem, weil sie ganz unerwartet kam. Und ich muss auch zugeben, dass mir die Kündigung zuerst extrem den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Wie ich in meinem Buch «Wie Buddha im Gegenwind» schildere, war Liegenbleiben aber keine Option für mich. Zuerst bewarb ich mich bei anderen Firmen, doch im Laufe der Zeit musste ich erkennen, dass es in meiner Branche als 40-jährige Mutter seeeehr schwierig war … Irgendwann dachte ich mir, scheiß einfach auf die Arbeitgeber und mach dich selbstständig! Das war der Anfang meines neuen beruflichen Werdeganges – und natürlich auch der Freifahrtschein für die vielen Reisen gemeinsam mit meinem kleinen Sohn."

4) Du hast dann deinem Sohn viele Ecken dieser Welt bereist. Der durchschnittliche Leser würde meinen: “Naja, wenn man das Geld hat, kann man sich Reisen als Hobby auch leisten.“ Wie war das bei dir? Wie wurden die Reisen finanziert? Nach welchem Kriterium wurden die Länder gewählt?
"Lustig, dass du das fragst. Die meisten denken ja, dass ich einen reichen Mann zuhause habe, der mein Reisehobby großzügig finanziert. Dem ist aber auf keinen Fall so! Im Gegenteil, mein Mann und ich teilen uns tatsächlich alle laufenden Kosten zuhause und ich komme alleine zu 100% für all meine Reisen auf. Bevor ich gekündigt wurde, hatte ich ja einen ziemlich guten Job – und ich habe glücklicherweise so einiges gespart, sodass ich davon gut meine Reisen finanzieren kann. Aber mittlerweile ist ja für mich das Reisen nicht nur Freizeit & Vergnügen, sondern auch Beruf. Sprich, ich kann tatsächlich mit einigen Reisen Geld verdienen, in dem ich als Journalistin arbeite oder eben auch als Buchautorin. Und die Reiseziele wähle ich tatsächlich nach dem Preisniveau des jeweiligen Landes aus, denn ich achte immer aufs Budget und versuche sehr günstig als Backpacker zu reisen."

5) Wie fühltest du dich als Mama & Reisende im Ausland? Was war das für ein Gefühl?
"Meistens fühle ich mich sehr gut. Denn in vielen Ländern haben Mütter und Kinder einen hohen Stellenwert. Dementsprechend fühle ich mich meistens willkommen, die Menschen begegnen uns sehr hilfsbereit und mein kleiner blonder Sohn ist natürlich auch ein hervorragender Türöffner zu den Einheimischen."

6) Was hat dir das Reisen gelehrt, was du in Deutschland/EU nicht lernen könntest?
"Die Dinge aus einer Distanz zu betrachten – und zu sehen, dass unsere Probleme in Deutschland oft „nur“ Luxusprobleme im Vergleich zu den Problemen in anderen Ländern sind. Außerdem hat mich das Reisen wieder mutiger gemacht. Irgendwann erkannte ich nämlich, dass es im Leben halt Momente gibt, in denen man mit beiden Händen loslassen muss, damit man wieder neu greifen kann … und genau das habe ich dann auch getan. Ich bin mir sicher, dass, wenn ich zuhause geblieben wäre, ich nicht den Mut und auch nicht die Gelassenheit gehabt hätte, wirklich loszulassen."

7) Was hat es mit deinem Sohn gemacht? Wie hat es ihn geprägt?
"Ich würde sagen, dass mein Sohn zu einem sehr weltoffenen Menschen heranwächst, der großes Interesse an anderen Kulturen, Menschen und Religionen entwickelt. Egal, wo wir sind, er will immer in einen Tempel, eine Moschee oder Kirche und beobachtet dann ganz genau, wie die Menschen zu Buddha, Allah oder Gott beten – und stellt dabei natürlich eine Menge Fragen. Außerdem lernt er auch, wie es sich anfühlt, selber fremd zu sein. Diese Erfahrung ist meiner Meinung nach in unserer aktuellen Zeit besonders wichtig, weil es uns zu empathischen und vorurteilsfreien Menschen macht."

8) Du hast ja auch ein Buch darübergeschrieben. „Wie Buddha im Gegenwind“ heißt es und ist für Eltern, aber auch für kinderlose Menschen ein echt guter Einblick für solo Reisen mit Kind und Abenteuer. Wolltest du schon immer ein Buch schreiben? Wie kam die Idee? Und dürfen wir uns auf weitere Bücher freuen?
"Ja, ich wollte tatsächlich schon immer ein Buch schreiben! Eigentlich seitdem ich schreiben kann, ist ein eigenes Buch immer ein riesiger Traum von mir gewesen … Doch wenn ich ehrlich bin, habe ich irgendwann nicht mehr daran geglaubt. Du kennst es ja, vor allem als Mutter hat man oft viele Ausreden, die gegen den eigenen großen Traum sprechen: keine Zeit, nicht der richtige Zeitpunkt, und wie soll ich überhaupt einen Verlag finden??? Doch dann kam alles ganz anders. Und irgendwie war ich zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Thema am richtigen Ort … Um jetzt den Rahmen hier auf deinem Blog nicht zu sprengen, würde ich vorschlagen, dass du einfach mal auf meinen Blog hüpfst und genaueres erfährst, wie es überhaupt zu meinem Buch kam.  Eine Leseprobe gibt es in dem Blogartikel natürlich auch!

Und ja, ihr dürft euch tatsächlich auf ein weiteres Buch freuen, das aber anders sein wird als «Wie Buddha im Gegenwind». Es kommt im März 2020 in den Handel und in ein paar Wochen habe ich tatsächlich schon Abgabe … Und wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann auch eine Fortsetzung von meinem ersten Buch, das ist aber natürlich von den Verkaufszahlen abhängig."

9) In deinem Buch scheint vieles so eine gewisse Leichtigkeit zu haben. Mitteleuropäische Mutter greift sich ihren Sohn, nachdem sie gekündigt wurde, und sucht in der Ferne nach Abenteuern - wie schwer war es aber in der Realität und was machst du heute beruflich?
"Ganz ehrlich, mit Leichtigkeit hatte es anfänglich überhaupt nichts zu tun. Aber ich hatte irgendwie auch keine andere Option. Ich wusste, dass ich erstmal raus musste, um die Dinge klarer zu sehen. Um über meine aktuelle Situation nachzudenken und nach neuen Wegen zu suchen. Ich hatte einfach Angst, dass mir zuhause die Decke auf den Kopf fällt und dass ich mich irgendwie auch in einer schwerfälligen Hoffnungslosigkeit verlieren könnte. Doch zum Glück fand ich dann auf Reisen irgendwann diese gewisse Leichtigkeit wieder. Eine Leichtigkeit und auch Zuversicht, mit der ich bereit war, neue Türen in meinem Leben zu öffnen und durch diese auch hindurchzugehen. Und jetzt verdiene ich mein Geld als selbstständige Journalistin, Content Marketing Beraterin und auch als Buchautorin – und diese Freiheit, die ich durch meinen Job gewonnen habe, möchte ich nie wieder hergeben."

10) Die portraitierten Menschen im Buch, deren Geschichten und Namen. Was sagen sie zum Buch und wie war die Kommunikation mit ihnen? Hast du im Ausland eine zusätzliche Sprache gelernt?
"Die meisten Menschen habe ich nie wiedergesehen, da es ja vor allem zufällige Begegnungen waren. Dennoch haben alle Menschen aus meinem Buch, denen ich auf meinen Reisen begegnen durfte, einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.
Generell lerne ich in jedem Land zumindest Danke, Hallo und Tschüss – und mein Sohn mittlerweile auch. Ich finde das sehr wichtig, da man somit den Einheimischen zeigt, dass man wirklich Interesse an ihnen und ihrem Land hat. Außerdem spreche ich Spanisch, Portugiesisch und sogar ein bisschen Russisch und Indonesisch."

11) Du wurdest ja gekündigt. Man hat dir also die Entscheidung, dich beruflich neu zu orientieren, im gewissen Sinne leichtgemacht. Was würdest du aber anderen Frauen – egal, ob Mutter oder nicht, raten? Denjenigen, die in einem Job quasi festgefangen sind, aus Angst, diesen zu verlassen, oder etwas eigenes anzufangen?
"Krisen und Unzufriedenheit stellen in erster Linie eine Gefahr für unseren Alltag dar. Sie bieten aber auch eine wunderbare Gelegenheit, einige wesentliche Dinge zu ändern, um unser Leben wieder ein großes Stück besser zu machen …"

12) Gibt es für Low-Budget-Inhaber auch eine Möglichkeit plus Kind(ern) eine ähnliche Erfahrung wie die deine zu machen? Hast hier Tipps dazu?
"Ja, reise genauso wie wir. Als Backpacker in relativ günstige Länder, schlafe in Hostels oder Homestays, fahre ausschließlich mit dem öffentlichen Transport und iss da, wo auch die Einheimischen essen."

 

 

 


Gabriela Urban mit ihrem Blog "mami.bloggt" auf Instagram

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